Stand: 03.06.2022 16:55
Missbrauchsfälle in Wermelskirchen sind wegen ihrer Brutalität und des jüngeren Alters der jüngeren Opfer schockierend. Der Anwalt des Hauptverdächtigen hat nun entschieden: Sein Mandant kooperiere mit den Ermittlern.
Nach Angaben seines Verteidigers half der Hauptverdächtige im Missbrauchskomplex Wermelskirchen den Ermittlern umfassend bei den Ermittlungen. Sein Verteidiger, der Kölner Rechtsanwalt Christian Lange, habe die Vorwürfe sehr schnell nach seiner Festnahme gestanden und weitere Handlungen über den Haftbefehl hinaus eingeräumt.
Ihr Klient half auch dabei, andere Personen zu identifizieren, mit denen sie Kontakt hatte. Im Februar wurde er vier Tage lang verhört. Dabei unterstützte er polizeiliche Ermittlungen und half bei der Aufklärung von Fällen, die außerhalb seines Verantwortungsbereichs lagen. Er gehe nach eigenen Angaben davon aus, dass die Mitarbeit seines Mandanten einen wichtigen Beitrag zum Ermittlungserfolg leiste. Ihr Mandant hatte kleine Kinder sexuell missbraucht. “Er ist dafür verantwortlich und weiß, dass ihm zu Recht eine lange Haftstrafe droht.”
Frau und Familie völlig überrascht
Der Wermelskirchener “tue alles, um zu verhindern, dass ihm erneut ähnliche Straftaten drohen”, sagte der Anwalt. Dazu gehört, mit deiner Hilfe alle Brücken in der Szene abzubrechen und zu versuchen, eine Therapie zu bekommen. Seine Frau und seine Familie waren von der Festnahme und den Anschuldigungen völlig fassungslos. Sie hatten keine Ahnung und gerieten unverschuldet in eine äußerst schwierige Situation.
Der neue Missbrauchskomplex Wermelskirchen – gelegen zwischen Köln und Wuppertal – hat nach Ermittlern eine Dimension der Brutalität, die andere kriminelle Komplexe übertrifft. Der 44-jährige Angeklagte aus Wermelskirchen bot seine Dienste als Babysitter im Internet an und konnte auf seine Opfer zugehen. Außerdem tauschte er mit Dutzenden anderen Männern Kinderpornografie und Videos von „unvorstellbarer Brutalität“ aus.
Bisher wurden 73 Verdächtige identifiziert
Bisher seien 73 Verdächtige und 33 Opfer identifiziert worden, teilten die Ermittler am Montag mit. Der Jüngste war einen Monat alt. Der 44-jährige Mann, der keine Vorstrafen hat, soll im Großraum Köln zwölf Kinder – zehn Jungen und zwei Mädchen – missbraucht haben. Ihm werden Misshandlungen in 18 Fällen zur Last gelegt.
Nordrhein-Westfalen hat sich in den letzten Jahren zu einem Zentrum der Erforschung des sexuellen Missbrauchs von Kindern entwickelt. Nach dem Missbrauch auf dem Campingplatz Lügde im Kreis Lippe wurden die Ermittlungen in den Anlagen Bergisch Gladbach und Münster fortgesetzt.
Der mutmaßliche Autor von Wermelskirchen gesteht
Jochen Hilgers, WDR, 3. Juni 2022 um 16:25 Uhr