Steigende Öl- und Gaspreise bedeuten mehr als 500 Franken mehr Heizkosten pro Jahr für eine durchschnittliche 100-Quadratmeter-Wohnung. Ist eine elektrische Wärmepumpe die Alternative?
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Die Energiepreise treiben die Heizkosten in horrende Höhen. Wer mit einer Wärmepumpe heizt, spart sich die Preiserhöhung. Die Installation sollte einfacher sein, während der Strom teurer ist: Lohnt sich der Wechsel?
Die drohende Verknappung der Energieressourcen durch den Krieg in der Ukraine ließ die Großhandelspreise für Öl und Erdgas in die Höhe schnellen. Die Experten der Credit Suisse erwarten laut ihrem am Donnerstag veröffentlichten Immobilienmonitor Schweiz einen schmerzhaften Anstieg der Heizkosten.
Je nach Energieträger sind Mieter und Vermieter unterschiedlich stark steigenden Kosten ausgesetzt: Für Wohnungsbewohner, die mit fossilen Brennstoffen wie Diesel oder Erdgas geheizt werden, könnten steigende Energiepreise bis 2022 eine Erhöhung der Heizkosten um bis zu bedeuten 38 Prozent. Davon sind 60 Prozent des Schweizer Wohnraums betroffen. Bei einer durchschnittlichen 100-Quadratmeter-Wohnung bedeutet das über 500 Franken mehr Heizkosten pro Jahr.
Dagegen ist laut Analysten der Credit Suisse für eine durchschnittliche Wohnung mit Wärmepumpe mit einem Anstieg der Heizenergiekosten von knapp 3 Prozent zu rechnen. In diesem Fall liegt der Aufpreis mit 20 Franken deutlich tiefer. Das könnte Experten zufolge den Umstieg auf eine Heizung mit elektrisch betriebener Wärmepumpe befeuern. Allerdings gilt diese Prognose für die aktuellen Strompreise, die noch recht stabil sind.
Auch Strom wird teurer
Aber auch der Strompreis wird im nächsten Jahr deutlich steigen. Im Winter sind Engpässe nicht auszuschließen. Zu dieser Einschätzung kommt die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom), die Regulierungsbehörde des Bundes. Die Entwicklung der Grosshandelspreise für Strom seit August letzten Jahres zeigt einen historisch einmaligen Anstieg, wie die Jahrespressekonferenz der Elcom am Donnerstag in Bern ergab.
Die Behörde geht davon aus, dass der Strompreis von etwa 21 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2022 auf knapp 25 Cent pro Kilowattstunde im nächsten Jahr steigen wird, was etwa 20 Prozent entspricht. Bei einem 5-Zimmer-Haus mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden ist das eine zusätzliche finanzielle Belastung von rund 180 Franken pro Jahr.
Lohnt sich der Umstieg auf eine Wärmepumpe?
Die Leistungsaufnahme einer Wärmepumpe hängt von ihrer Bauart und der benötigten Heizleistung ab. Luftwärmepumpen sind vergleichsweise günstig, arbeiten aber nicht so effizient wie Wasser- oder Erdreichwärmepumpen. Es ist klar, dass die Kosten der Stromquelle einen entscheidenden Einfluss auf die Betriebskosten der Wärmepumpe haben.
Ermittlung des Energieverbrauchs für Heizung
Um den jährlichen Energieverbrauch einer Wärmepumpe zu berechnen, wird die Heizleistung durch den Jahreswirkungsgrad (SPF) dividiert und mit den jährlichen Heizstunden multipliziert.
Heizleistung / JAZ * x Heizstunden = jährlicher Stromverbrauch in kWh
Durchschnittliches Beispiel: Bei einer Heizleistung von 9 Kilowatt (kW) und einer AC von 3,0 sowie 1800 Heizstunden ergibt das einen jährlichen Energieverbrauch von etwa 5400 Kilowattstunden.
* JAZ: Der Code gibt das Verhältnis zwischen der aufgewendeten Energie und der erzeugten Wärme einer Heizungsanlage an.
SCHLÜSSELSTEIN
Die Investitionskosten einer Wärmepumpe, die beim Wechsel der Heizung auf Diesel oder Gas anfallen, amortisieren sich laut Credit Suisse immer schneller. Nach acht, neun Jahren zahlt sich dieser Wechsel für Eigen- und Wohnungseigentümer bereits aus.
Der Nationalrat will Hemmnisse für Wärmepumpen abbauen
Um die Installation von Wärmepumpen zu erleichtern, will der Nationalrat die Lärmschutzverordnung anpassen. Am Donnerstag stimmte er einem entsprechenden Antrag seines Ausschusses für Umwelt, Raumordnung und Energie (Urek-N) zu. Die Motion geht nun an den Ständerat.
Die Lärmschutzverordnung erschwere den Einbau nachhaltiger Heizsysteme, so die Kommission. Die Begrenzung der Geräuschemissionen von Wärmepumpen an Luft und Wasser sollte so weit wie technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar angepasst werden. Zudem will die Kommission eine kantonale Vereinheitlichung der Anforderungen. Bei der Installation von Wärmepumpen sollte kein ordnungsgemäßer Bauantrag mehr erforderlich sein.
Der Bundesrat stimme dem Ziel zu, sagte Energieministerin Simonetta Sommaruga. Aber nicht mit dem Verfahren, weshalb der Bundesrat die Ablehnung der Motion forderte. Im Bundesministerium für Umwelt, Verkehr und Energie (UVEK) laufe eine Überarbeitung der Lärmschutzverordnung, schreibt die Landesregierung in ihrer Stellungnahme zur Initiative. Die novellierte Lärmschutzverordnung könnte 2023 in Kraft treten. Der Antrag würde das Verfahren verzögern.
Kostenlose Beratung für Hausbesitzer zum Austausch alter Heizungen
Wie die Landesregierung am Freitag mitteilte, beschafft der Bundesrat im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg Mittel zur Förderung der Energiewende. Für 2023 kommen CHF 15,65 Mio. hinzu und für 2024 CHF 11,35 Mio. Das Geld wird in den nächsten vier Jahren unter anderem für die Beratung beim Austausch alter Heizungsanlagen verwendet.
Ab April dieses Jahres können sich Hauseigentümer außerdem kostenlos beraten lassen, wie sie eine Diesel- oder Gasheizung durch eine klimafreundlichere Alternative ersetzen können.
Ausbildungsoffensive für die Baubranche
Der Mitteilung zufolge fließen weitere Bundesmittel in Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel. In diesem Zusammenhang hat im Baubereich bereits eine Bildungsoffensive begonnen. Damit soll sichergestellt werden, dass für künftige Gebäudesanierungen genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen.
Seit Mai unterstützt das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) auch Gemeinden, die Photovoltaikanlagen oder Ladestationen für Elektrofahrzeuge planen, unter anderem mit Geld. Aufgrund der Nachwirkungen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine zur Energieversorgung startete die Abteilung die beiden Programme kurz vor dem Start.
mit sda-material