“Völlig falsche Richtung” Benzin wird zum Pfingstbeginn noch teurer
04.06.2022 17:06
Tatsächlich dürfte die Steuersenkung für Benzin und Diesel deutsche Autofahrer entlasten. An der Bombe bemerken sie jedoch nur wenig. Pünktlich zum Pfingstwochenende steigen die Preise wieder. Der ADAC ist alarmiert.
Kraftstoffsteuersenkungen werden bei den Kunden immer schwächer. Der Preis des Super E10 ist am Samstagmorgen erneut gestiegen, teilte der ADAC mit. Diesel lag etwa auf dem Niveau des Vortages. Beide Kraftstoffe waren laut Verkehrsverein zu teuer. „Das reicht dem Verbraucher eindeutig nicht“, sagte ein Sprecher. “Die Entwicklung geht in die völlig falsche Richtung.”
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat sich für ein Ende der am Mittwoch geltenden Steuersenkung ausgesprochen. Der Ökonom schrieb auf Twitter: „Wie wäre es, wenn die Politik ihren Fehler eingesteht und den Spritpreis sofort stoppt?“
Konkret kostete der Super E10 am Samstag um 9.50 Uhr laut ADAC-Bundesdurchschnitt 1.960 Euro pro Liter. Das waren 1,6 Cent mehr als 24 Stunden zuvor. Der Diesel kostete 2.001 Euro pro Liter, was dem Wert des Vortageszeitraums entspricht. Angesichts der Entwicklung rechnete der ADAC zudem mit einem weiteren Anstieg des durchschnittlichen Tagespreises von 10 Euro pro Samstag im Vergleich zum Vortag. Allerdings liegen die durchschnittlichen Tagespreise meist unter 9.50 Uhr, da der Treibstoff abends tendenziell günstiger wird.
Bereits am Donnerstag und Freitag waren die Preise gestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt hatte der Liter E10 am Freitag 1.921 Euro gekostet, Diesel 1.969 Euro. Der E10 war 26,1 Cent billiger als am Vortag der Steuersenkung, Diesel 7,5 Cent. Beides liegt deutlich unter dem Niveau der Steuersenkung, die bei E10 um 35,2 Cent pro Liter und bei Diesel um 16,7 Cent sinkt.
Ölkonzerne machen Gewinn
Die Steuersenkung soll bis Ende August angewendet werden. Damit will die Bundesregierung die Verbraucher von den stark gestiegenen Energiepreisen entlasten. Es funktioniert aber nicht nur an der Zapfsäule, sondern bereits in Tanklagern und Raffinerien. Daher unterliegen vor Mittwoch gekaufte Tankstellenbestände weiterhin der höheren Steuer.
Wirtschaft Monika Schnitzer befürchtet, dass Mineralölkonzerne trotz sinkender Tankstellenpreise erhebliche Gewinne aus Steuersenkungen erzielen könnten. „Nach Erfahrungen aus der Vergangenheit, insbesondere mit der Mehrwertsteuersenkung 2020, halte ich das Risiko für hoch“, sagte der Volkswirt der Augsburger Allgemeinen. „Auch wenn es sich diesmal stärker auf die prozentuale Steuersenkung auswirkt als noch vor zwei Jahren, kann der Zusatznutzen für Unternehmen durch die unvollständige Überweisung in absoluten Euro-Beträgen dennoch sehr hoch sein.“