BKA warnt vor wachsender Brutalität: Bremen bleibt Brennpunkt des Clans

Standdatum: 21. September 2022.

Bild: DPA | Christoph Reichwein

  • Bremen besonders von Clankriminalität betroffen
  • Mehr als 70 Prozent der Verfahren finden in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen statt.
  • Gangs werden immer bewaffneter, die Brutalität nimmt zu

Um eine Eskalation der Gewalt und Bandenkriege wie in Schweden oder den Niederlanden zu verhindern, will Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) den Druck auf kriminelle Clans und andere Gruppen der organisierten Kriminalität erhöhen. Es sei „ein wachsendes Phänomen mit erheblichen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft“, sagte Faeser am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Bundesbildes der organisierten Kriminalität (OK) des Bundeskriminalamts.

Auch das Land Bremen ist von diesem Phänomen betroffen. Denn mehr als 70 Prozent der 34 Ermittlungen wegen Clankriminalität konzentrierten sich auf die Bundesländer Berlin, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen. Dort hätten sich “die kriminellen Strukturen der Clankriminalität in besonderer Weise gefestigt”, heißt es im Lagebericht, der die Situation im Jahr 2021 beschreibt.

Die Strukturen „dürfen sich nicht mehr verfestigen“, sagte Faeser. Wichtige Elemente des Kampfes sind eine hohe Polizeipräsenz an bestimmten Brennpunkten, aber auch eine Videoüberwachung könnte an bestimmten Orten sinnvoll sein.

Der Rechtsstaat lässt sich nicht betrügen.

Nancy Faeser (SPD), Bundesinnenministerin

Wie das Lagebild des Bundeskriminalamts (BKA) zeigt, stieg die Zahl der bandenkriminellen Ermittlungen in Deutschland im Jahr 2021 im Vergleich zum Vorjahr um rund 17 Prozent auf 696

Hauptgrund für diese Entwicklung sind die im Jahr 2020 entschlüsselten Informationen aus den geheimen Mitteilungen von Kriminellen, hauptsächlich über den Anbieter Encrochat. Im Jahr 2020 gelang es der Polizei in den Niederlanden und Frankreich, mehr als 20 Millionen geheime Nachrichten zu umgehen. In der Folge wurden auch in Deutschland zahlreiche Drogendealer verurteilt.

Es gibt immer mehr Waffen in organisierten kriminellen Gruppen

Eine weitere Tatsache, die die Polizei beunruhigt, ist die zunehmende Bewaffnung von Clans und anderen organisierten kriminellen Gruppen. Lag der Anteil der bewaffneten Tatverdächtigen im Jahr 2020 noch bei rund 6,4 %, so wurde im vergangenen Jahr bei 7,5 % der Tatverdächtigen eine Waffe beschlagnahmt.

Aber nicht nur die Bewaffnung ist problematisch. Clans gehen auch brutaler vor. Mal um die „Schuldner“ einzuschüchtern oder um sich gegen rivalisierende kriminelle Banden durchzusetzen. Im Lagebild heißt es: “In einem Prozess hat eine Person einem ‘Geschäftspartner’ vor laufender Kamera mit einem Teppichmesser das Gesicht aufgeschlitzt und das Video gezeigt, um einen anderen Tatbeteiligten einzuschüchtern.”

Auch der wirtschaftliche Schaden, den Clans und andere organisierte Banden anrichten, hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Das Bundeskriminalamt gibt ihm 2,2 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es insgesamt rund 837 Millionen Euro gewesen.

Viele Betrügereien durch die illegale Anwendung der Soforthilfe Corona

Als Grund wurde die hohe Zahl an Betrugsdelikten genannt. Die Zahl der Verfahren, in denen Hinweise auf die Corona-Pandemie festgestellt wurden, hat sich 2021 im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. „Dieser Anstieg ist zu einem großen Teil auf die rechtswidrige Beantragung und Inanspruchnahme von Kronen-Soforthilfen durch die Bundesregierung zurückzuführen“, sagt er.

Der Vorsitzende der Grünen im Innenausschuss des Bundestages, Marcel Emmerich, sagte, es sei nicht die Herkunft, „sondern die gesellschaftliche Situation wie Bildungschancen und Zugang zum Arbeits- und Wohnungsmarkt, die gerade junge Menschen in die Kriminalität treibt“. Mitglieder des kriminellen Clans nutzen laut BKA “Verbindungen in die ursprünglichen Herkunftsländer zur Begehung von Straftaten, aber auch als möglichen Rückzugsort im Falle einer Strafverfolgung”.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau am Nachmittag, 21. September 2022, 17 Uhr

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