Nach uigurischem Datenleck: China hat Angst vor diesem Mann

Die wenigsten von uns kennen Adrian Zenz (48). Doch der deutsche Anthropologe und Forscher entdeckte mit einem Computer bewaffnet eine der größten Menschenrechtsverletzungen des 21. Jahrhunderts. Zenz steht jetzt auf Chinas Sanktionsliste.

Adrian Zenz ist mitverantwortlich für die Ankündigung der Verhaftung von Uiguren in chinesischen Umerziehungslagern. Vor einigen Jahren lehrte er laut Spiegel noch an einer kleinen Universität in der Nähe von Stuttgart. Doch das Leben des Forschers änderte sich schlagartig, als er 2016 an einem Treffen der International Association of Tibetan Studies in Norwegen teilnahm.

30.000 Sicherheitsjobs in vier Monaten

Bei dem Treffen hielt Zenz eine Präsentation über die schnell wachsende Zahl von Polizei- und Sicherheitsbehörden in Tibet. Die Präsentation erregte nicht viel Aufmerksamkeit. Der australische Forscher James Leibold aus Xinjiang war jedoch begeistert. Er fragte Zenz, ob er auch das Wachstum von Sicherheitsstandorten in der chinesischen Region Xinjiang untersuchen könne.

Zurück in Stuttgart machte sich der deutsche Forscher an die Arbeit. Er durchsuchte die Websites der chinesischen Regierung nach Sicherheitsjobs. Er war schockiert, als er feststellte, dass der neue Chef von Xinjiang, Chen Quanguo, 66, in nur vier Monaten seiner Amtszeit 30.000 Sicherheitsposten angekündigt hatte. Sein Vorgänger hatte in acht Monaten nur einen Bruchteil davon angekündigt.

Zenz entdeckte die Umrisse der Lager

Adrian Zenz stellte seine Ergebnisse 2017 auf einer Konferenz im australischen Melbourne vor. Die Zahlen sorgten für großen Aufschrei, der Forscher erlangte erstmals internationale Anerkennung. Also beschloss Zenz, mehr zu recherchieren.

In den folgenden Jahren stieß der Anthropologe auf Bauausschreibungen und Pläne für Umerziehungslager. Unterdessen wuchs das Interesse der chinesischen Regierung an dem tapferen Unruhestifter.

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China: “Deutsche Rechtsextreme”

2019 wanderte Adrian Zenz mit seiner Familie in die USA aus. Dort bekam er eine Stelle bei der Victims of Communism Memorial Foundation in Washington. Die privat finanzierte Organisation untersucht die Ideologie und Geschichte des Kommunismus.

2021 setzte China Adrian Zenz auf die Sanktionsliste. Der Grund: Es ist ein “deutscher Rechtsextremismus”. Aber Zenz war von chinesischen Politikern nicht beeindruckt. Erst kürzlich veröffentlichte er mit Hilfe der internationalen Medien erneut brisante Dokumente, die die schlimmen Bedingungen in Umerziehungslagern illustrieren.

“Menschenrechte haben einen historischen Kontext”

Als Reaktion auf sogenannte Xinjiang-Polizeiakten hat sich der chinesische Staatspräsident Xi Jinping (68) am Mittwoch in einem Videoanruf an die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet (70) gewandt. Bei seinem nächsten China-Besuch soll es keine „Politisierung“ der Menschenrechte oder „Doppelmoral“ geben.

Xi Jinping bekräftigte auch, dass trotz der Universalität der Menschenrechte die unterschiedlichen Wege jedes Landes respektiert werden müssen. „Menschenrechte haben einen historischen, konkreten und praktischen Kontext“, sagte das Staatsoberhaupt. Daher müssen die einzelnen Länder ihren eigenen angemessenen Weg der Menschenrechte gehen. (obf / SDA)

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