Sie fordert eine „Kraft“ für ländliche Gebiete

Im ländlichen Raum sei eine vollzeit(vif)gerechte Kinderbetreuung noch immer ein „Minderheitenprogramm“, sagte Ingrid Moritz, Leiterin des Frauen- und Familienreferats der AK Wien, im Gespräch mit der APA. In Österreich würden im Durchschnitt fast zwei Drittel der Kinder unter drei Jahren und mehr als die Hälfte der älteren Kinder eine VIF-kompatible Kita besuchen (geöffnet mindestens 45 Stunden pro Woche, 9,5 Stunden an vier Tagen; maximal fünf Wochen pro Jahr , Hinweis).

In dünn besiedelten Gebieten ist es jedoch nur ein Drittel. „Hier wird immer deutlicher, dass es im ländlichen Raum sehr wenig Kinderbetreuung gibt, auch in Bezug auf traditionelle Werte, die vom VIF noch nicht erfüllt werden“, beklagte Moritz.

Der „Kroneneffekt“ trifft Frauen in ländlichen Gebieten am stärksten

Oberösterreich liegt laut Auswertung der Statistik Austria bei Kindern von null bis drei Jahren bei 4,8 % und bei Senioren bei 9,6 % sowie Vorarlberg mit 12,4 bzw. 4,8 %. Moritz betonte, dass mehr VIF-konforme Krippenplätze in dem dünn besiedelten Gebiet den Frauen viel mehr Spielraum auf dem Arbeitsmarkt verschaffen würden. Immerhin ist es eine klare Einschränkung, wenn die Kita nur von 8 bis 13 Uhr geöffnet hat. Zudem setzt sich das Problem der Vereinbarkeit im Land in den Schulen fort.

APA / Stefan Knittel Gerade im ländlichen Raum ist das Angebot an Kinderbetreuung ein wesentlicher Faktor für die Erwerbstätigkeit von Frauen.

Auch dieser Faktor spielte laut GMO-Analyse bei der Verteilung der Arbeitslosigkeit während der Pandemie eine Rolle: Obwohl der „Kroneneffekt“ der Arbeitslosigkeit Männer und Frauen im Allgemeinen in ähnlichem Maße betraf, verlief die Entwicklung im ländlichen Raum für Frauen deutlich negativer. von, sagte Studienautor Johannes Klotz in der APA.

Frauen häufiger mit Teilzeitjobs

Gleichzeitig war auch Kurzarbeit bei ihnen besonders beliebt. Tourismusschließungen haben diese Gruppe besonders stark getroffen, da sie eine der wenigen Branchen in Westösterreich ist, in der Frauen im ländlichen Raum relativ gute Beschäftigungsmöglichkeiten finden.

Grafiken: APA / ORF.at; Diese: AK / Austria Statistik

Vor allem Orte mit „touristischen Monokulturen“ wie das Ötztal und das Paznauntal (beide in Tirol), wo ganze Täler direkt oder indirekt von einem Skigebiet abhängen, waren vom faktischen Ausfall der Skisaison Winter 2020/21 besonders betroffen.

In der Folgezeit verringerte sich der Gender Gap bei der Arbeitslosigkeit wieder. Auf dem Land gebe es aber immer noch mehr arbeitslose Frauen als vor der Pandemie, vor allem solche mit einer Ausbildung oder einem Fachhochschulabschluss, sagt Klotz. Wie die Analyse gezeigt hat, ist dieses Stadt-Land-Gefälle vor allem auf die Familienstruktur, die vertretenen Branchen und die Abhängigkeit von wirtschaftlichen „Monokulturen“ wie dem Tourismus zurückzuführen.

Fehlende Kinderbetreuung durch Auswanderung

Starke Hebel zur Reduzierung der Frauenarbeitslosigkeit im ländlichen Raum sieht Klotz vor allem im Kita-Bereich: Sobald die Kita-Betreuung auch für Kinder unter drei Jahren angeboten und in einem mit Zeitarbeit vereinbaren Umfang abgeschlossen werde, werde diese zu einem hohen Prozentsatz genutzt, so Klotz. Dies könnte nicht nur mehr Frauen in die Arbeitswelt bringen, auch fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind ein wesentlicher Faktor für die Abwanderung von Frauen aus ländlichen Gebieten.

“Permanentes Ping-Pong”

AK-Moritz-Experte forderte, den Ausbau von Kindergartenangeboten voranzutreiben. Das kürzlich zwischen Bund und Ländern vorgelegte neue 15. Abkommen ist eine verpasste Chance. Durch das Zusammenwirken von Bund, Ländern und Kommunen gebe es ein “permanentes Haftungs- und Leistungspingpong”.

Er forderte alle Akteure auf, die Erweiterung zu einer gemeinsamen Aufgabe zu machen. Wichtig ist auch sicherzustellen, dass die Gemeinden die Kosten nicht tragen. Er erwartet mehr Druck von Familienministerin Susanne Raab (ÖVP). Benötigt werden einheitliche Standards in allen Bundesländern, ein Bundesrahmengesetz und die Finanzierung durch den Steuerausgleich.

Um mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt im ländlichen Raum zu bringen, sollten Arbeitsplätze im ländlichen Raum auch öffentlich zugänglich sein und die Wirtschaft vielfältiger werden. Zudem sollten Arbeitsplätze langfristig gesichert werden, wenn Frauen nicht in die verdeckte Arbeitslosigkeit abwandern sollen.

Raab verweist auf die Spezifikationen

Die Regierung hat kürzlich „Tausende und Abertausende von Kindern“ ins Leben gerufen, um die Grundschulbildung zu erweitern, insbesondere in ländlichen Gebieten. In den nächsten fünf Jahren werden jährlich 200 Millionen Euro für den Ausbau des Kita-Angebots bereitgestellt.

„Milliarden Kindergärten“: Umsetzung mit Hürden

Krippenplätze müssen ausgebaut werden: Der Bund stellt mehr Geld zur Verfügung. Im Mai wurde die „Kindergartenmilliarde“ eingeführt. Neu ist, dass ein großer Teil des Geldes nur bei einer Verlängerung der Arbeitszeit aufgebracht werden kann. Allerdings zeichnen sich bereits einige Hindernisse für die Umsetzung ab.

Familienministerin Raab verwies am Montag im ZIB1 auf die Voraussetzungen für den Erhalt der Gelder. Das meiste Geld solle in Einrichtungen fließen, „die 45 Stunden die Woche geöffnet haben. Und sie haben auch 47 Wochen im Jahr geöffnet. Damit eine ganz normale Familie – Vater und Mutter – arbeiten gehen kann“, sagte Raab.

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