Europa im Reisechaos: Flüge gestrichen und Sommergäste gestrandet

Tausende gestrandete Chaos-Touristen reisen nach Europa: Das erwartet Fluggäste

Lange Schlangen am Amsterdamer Flughafen Schiphol

© Phil Nijhuis/Picture Alliance

06.06.2022, 15:56 3 Minuten Lesezeit

In Europa geht das Reisechaos weiter. Der Personalmangel an Flughäfen hat zu einer Reihe von Annullierungen geführt. Tausende Passagiere saßen im Ausland fest. Im Sommer könnte sich die Situation verschärfen.

In Großbritannien zeigt sich seit einigen Tagen das große Reisechaos (der stern berichtete). Der Arbeitskräftemangel in der Luftfahrt- und Tourismusbranche macht sich mittlerweile in ganz Europa bemerkbar, mit verheerenden Folgen für die Passagiere. Nach Flugstreichungen großer europäischer Fluggesellschaften und Tausenden im Ausland gestrandeten Passagieren wächst die Sorge vor chaotischen Zuständen in der Hochreisezeit. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat in den Sommerferien vor Personalengpässen in der Reise- und Transportbranche gewarnt. Nach den Ausbrüchen und Entlassungen der Pandemie verfügt die Branche immer noch nicht über genügend beschäftigte und einsatzbereite Arbeitnehmer, um den Reiseansturm zu bewältigen.

Aufgrund mehrerer Flugausfälle waren Medienberichten zufolge am Wochenende Tausende Briten im Ausland gestrandet. Nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA schätzt die Reisebranchenberatung PC Agency, dass am Sonntag mindestens 15.000 Passagiere von kurzfristigen Änderungen betroffen sein könnten. Easyjet sowie British Airways und Tui strichen wie in den Vortagen mehrere Flüge. Die britische Regierung warf der Branche vor, nicht richtig vorbereitet zu sein.

KLM bringt Touristen aus Europa nach Amsterdam

Am Pfingstsonntag begann die niederländische Fluggesellschaft KLM, viele ihrer Passagiere, die am Vortag in europäischen Ländern gestrandet waren, nach Amsterdam zu befördern. Aufgrund erheblicher Betriebsverzögerungen am Flughafen Schiphol hat KLM am Samstag beschlossen, eine Reihe von Linienflügen aus europäischen Städten zu stornieren.

Aufgrund größerer Probleme bei der Drehkreuzabfertigung hatte KLM den Ticketverkauf bis Ende Mai vorübergehend drastisch reduziert. Bereits in den Wochen zuvor hatte der Flughafen große Probleme wegen Personalmangels bei der Verwaltung und Sicherung des Gepäcks gehabt. Ende Mai stellte Schiphol einen Aktionsplan vor, um das noch befürchtetere Chaos für den Sommer abzuwenden. Infolgedessen will der Flughafen mehr Personal einstellen und höhere Gehälter zahlen.

Besonders am Flughafen Amsterdam, einem internationalen Drehkreuz des Flugverkehrs, war das Chaos der Fahrten zu spüren

© Phil Nijhuis // Picture Alliance

Auch in Deutschland ist der Personalmangel groß: Von der Passagierkontrolle über die Flugzeugabfertigung bis hin zu Flugbegleitern gibt es während der Pandemie keine Mitarbeiter, die nach anderen Jobs suchen. „An allen Standorten fehlen den an der Passagierabfertigung beteiligten Dienstleistern rund 20 Prozent des Bodenpersonals im Vergleich zur Zeit vor der Corona. Das kann zu Engpässen führen, insbesondere beim Check-in, beim Verladen des Gepäcks und bei Luftsicherheitskontrollen. Rush Hour”, sagte ADV-Flughafenchef Ralph Beisel kürzlich der Deutschen Presse-Agentur. Die Wirtschaftsausschüsse des Flughafens schätzen den Bedarf auf insgesamt 5.500 Menschen in ganz Deutschland.

Wissing sagte gegenüber Bild am Sonntag: „Hier sind zwei Punkte: Auf der einen Seite Menschen, die nach all den Strapazen und Einschränkungen während der Corona-Pandemie einen großen Nachholbedarf verspüren.“ Unterwegs sein und reisen. Auf der anderen Seite Andererseits sind es hauptsächlich Reisen – und die Transportbranche, die während der Krone praktisch lahmgelegt war und Mitarbeiter verlor. Insbesondere im Luftverkehr ist diese Lücke noch nicht geschlossen. Der Minister fordert eine „Arbeiterinitiative zur Fachkräftegewinnung“ und die Modernisierung der Infrastruktur. ADV-Manager Beisel betonte in dem Dokument, dass aufgrund von Sicherheitsauflagen für das Flughafenpersonal, „Zuverlässigkeitsprüfung“, Mitarbeiter nicht über Nacht eingestellt werden könnten.

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Anja Karliczek, tourismuspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte, Probleme im Luftverkehr seien seit langem bekannt. Schon zu Ostern machten sich Engpässe bemerkbar. „Was hat Herr Wissing gemacht, als viele Osterflüge gestrichen wurden, weil Passagiere nicht rechtzeitig eingecheckt werden konnten?“, kritisierte der CDU-Politiker. Gerade bei Qualifizierungsanforderungen wie Zuverlässigkeits- und Sicherheitsprüfungen sei das Problem kurzfristig nicht zu lösen: „Es gibt keine Hilfestellung, sich auf eine Stelleninitiative zu bewerben.“ Genehmigungsbehörden sollten überlegen, wie sie gemeinsam mit Arbeitgebern an Flughäfen eine Lösung finden könnten.

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lhi DPA

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