Die USA verdächtigen Russland des Getreidediebstahls

Russlands Seeblockade des südukrainischen Hafens von Odessa verhindert, dass Getreide von dort zu seinen „normalen Zielen“ verschifft wird, sagte Blinken auf einer virtuellen Konferenz in seinem Ministerium über die Risiken für die Ernährungssicherheit, die sich aus dem ukrainischen Krieg ergeben. Etwa 20 Millionen Tonnen Weizen sind in Silos in der Nähe von Odessa „gefangen“.

Blinken betonte, es sei eine Strategie des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der den Rest der Welt zum “Nachgeben” zwingen und seine Sanktionen gegen Russland aufheben wolle. “Mit anderen Worten, es ist einfach nur Erpressung.”

Laut einem Medienbericht hat sich die russische Führung mit Kiew und Ankara auf eine Freigabe von Getreidelieferungen aus dem zuvor blockierten Schwarzmeerhafen Odessa in der Ukraine geeinigt. „In den Hoheitsgewässern des Nachbarlandes wird die türkische Armee die Minenreinigung übernehmen und die Schiffe auch in neutrale Gewässer begleiten“, beschrieb die kremlnahe Zeitung Isvestia am Montag den geplanten Vorgang unter Berufung auf Regierungskreise. Später eskortierten russische Kriegsschiffe Getreideträger zum Bosporus.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seinerseits warnte am Montag davor, dass die Blockade der Getreideexporte in den kommenden Monaten noch viel dramatischere Ausmaße annehmen könnte. Die gesperrte Getreidemenge für den Export aus der Ukraine könnte sich “im Herbst” auf 75 Millionen Tonnen verdreifachen, sagte er gegenüber Reportern in Kiew.

Derzeit seien zwischen 20 und 25 Millionen Tonnen Getreide blockiert, „diese Zahl könnte im Herbst von 70 auf 75 Millionen Tonnen steigen“, sagte Selenskyj. Vor der russischen Invasion war die Ukraine der viertgrößte Weizen- und Maisexporteur der Welt.

“Wir brauchen Seekorridore” für Getreidelieferungen, sagte der ukrainische Präsident. Sein Land bespreche dies mit der Türkei und Großbritannien und der UNO. Laut ihm könnten jeden Monat zehn Millionen Tonnen Getreide auf dem Seeweg exportiert werden. Auch mit Polen und den baltischen Staaten ist die Ukraine in Gesprächen, kleinere Getreidemengen per Bahn zu exportieren.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow wird voraussichtlich am Mittwoch in Ankara Gespräche führen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte bereits im Vorfeld bestätigt, dass das Thema Getreidelieferungen aus der Ukraine angegangen werde. Laut Zeitungsbericht soll das Vorhaben dort im Detail abgestimmt und dann offiziell genehmigt werden. Bisher wurde diese Freigabe nur für Odessa vereinbart.

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat auf den Weltmärkten massive Turbulenzen verursacht und die Lebensmittelpreise in die Höhe getrieben. Die Ukraine ist einer der größten Getreideexporteure der Welt. Daher hatte die russische Blockade ukrainischer Häfen vor allem in armen afrikanischen Ländern Hungersängste ausgelöst.

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