Die Kombination von Faktoren führt zu einer Zunahme der Fälle

Die effektive Reproduktionszahl liegt mit 1,05 wieder über 1,0, der Variantenanteil des BA.4/5-Virus nimmt weiter zu und liegt aktuell bei 16 Prozent. Der Wachstumsvorsprung der ansteckendsten Untervarianten gegenüber den bisherigen Varianten wird derzeit auf rund 50 Prozent geschätzt.

Die variantenspezifische Reproduktionszahl beträgt 1,44 (innerhalb der Kalenderwochen 20 bis 22). Das bedeutet, dass 100 Infizierte 144 weitere Menschen anstecken. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der effektiven Reproduktionen von BA.2 von etwa 0,86 auf 0,96, sagen Experten.

Die 7-Tage-Inzidenz wird voraussichtlich bei etwa 300 liegen

Das Update der Rechenmodelle der TU Wien, der MedUni Wien und der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) prognostiziert eine 7-Tages-Inzidenz im Bereich von 246 bis 405 Fällen pro 100.000 Einwohner bis kommenden Mittwoch, bei durchschnittlich 307 vermuteten Fällen . Die niedrigste Inzidenz wird in der Steiermark (120 bis 200) und die höchste in Wien (400 bis 660) erwartet. Aktuell liegt die Inzidenz bei 220. Experten rechnen mit Stand vom 15. Juni mit durchschnittlich fast 4.000 Neuinfektionen pro Tag.

Experten zufolge war der erneute Anstieg aufgrund der nachlassenden Immunität der österreichischen Bevölkerung schon seit einiger Zeit zu erwarten – die BA.2-Immunitätsrate wird derzeit auf 61 Prozent geschätzt – aber die Geschwindigkeit der aktuellen Trendwende lässt sich damit allein nicht erklären. .

Das Kontaktverhalten hat sich geändert

Im Detail stieg die effektive Reproduktionszahl laut AGES in den letzten zehn Tagen von 0,83 (25. Mai) auf 1,05 (4. Juni). Das bedeutet, dass 100 Infizierte durchschnittlich 105 Menschen mit dem Kronenvirus anstecken. Der Anstieg ist Experten zufolge auf den Einfluss mehrerer Faktoren zurückzuführen.

Der Anteil der viralen BA.4/5-Varianten nimmt weiter zu. Zuwächse gab es aber auch in Bundesländern mit vergleichsweise niedriger BA.4/5-Prävalenz. Durch mehr Veranstaltungen und die Zunahme der Urlaubsreisetätigkeit in den letzten Wochen hat sich das Verhalten der Kontakte geändert, d.h. es werden wieder mehr Kontakte geknüpft.

Auch Lockerungsschritte – das Ende der Maskenpflicht und Schultests – wirken in diese Richtung. Die Wissenschaftler wiesen jedoch darauf hin, dass keiner der genannten Erklärungsfaktoren als Ursache dieser Dynamik identifiziert werden kann.

Weniger Beweise und Trend gegen Saisonalität

Bei der Bewertung der Entwicklung ist zudem zu beachten, dass der Anstieg trotz der sehr geringen Anzahl an Tests beachtlich ist. Dies könnte dazu führen, dass asymptomatische Infektionen oft unentdeckt bleiben. Zudem widerspricht der aktuelle Anstieg dem Trend der Saisonalität: In vergangenen Pandemiejahren gingen – zumindest in Österreich – die Infektionen im späten Frühjahr sukzessive und stärker zurück als in diesem Jahr.

Ähnliche Trends gibt es derzeit in Österreich in den meisten mittel- und westeuropäischen Ländern, beispielsweise hat Deutschland eine Inzidenz von 238 Tagen von 7 Tagen. Am atypischsten ist Portugal, das derzeit mit einer neuen Welle und einer Inzidenz von etwa 1.600 zu kämpfen hat.

In normalen Räumen ist mit einer leichten Zunahme zu rechnen

Der Anstieg in Österreich wirkt sich auch auf die Krankenhäuser aus: Experten rechnen nach dem vorangegangenen Rückgang mit einem weiteren Anstieg der Covid-Patienten und auch mit einem Rückgang der Zahl der Schwerstkranken auf Intensivstationen. Die Zwei-Wochen-Prognose für die normale Stationsabdeckung wird voraussichtlich von 479 Patienten am Dienstag auf 539 (Mittelwert) am 22. Juni steigen.

Auf Intensivstationen dürfte die Zahl der mit Infizierten belegten Betten in diesem Zeitraum von 42 auf durchschnittlich 39 sinken. Die Plaque-Prognose unterscheidet nicht zwischen Personen, deren Krankenhausaufenthalt ursächlich auf Covid-19 zurückzuführen ist, und Personen, die ursprünglich wegen einer anderen Diagnose ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

Die Beschränkung des Datenverkehrs anstelle der Quarantäne wird eine Option

Inzwischen könnten Quarantäne oder Isolation bald der Vergangenheit angehören. Denn das Epidemiegesetz enthält einen Schritt, der es dem Gesundheitsminister erlaubt, alternativ allgemeine Verkehrsbeschränkungen einzuführen. Die omicron-Variante habe gezeigt, dass Verkehrsbeschränkungen auch bei überwiegend mildem Krankheitsverlauf ein geeignetes Mittel sein können, um die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen, heißt es in den Erläuterungen im Änderungsantrag.

Auch bei künftigen Virusvarianten, die vergleichbare Eigenschaften wie Omicron haben, kann es sein, dass Sekrete entbehrlich sind und einfache Verkehrsbeschränkungen ausreichen. In diesem Fall würde die geplante Verordnungsermächtigung eine rasche Anpassung an die Besonderheiten der vorherrschenden Virusvariante ermöglichen.

Beispiele für Verkehrsbeschränkungen

Konkret heißt es im Gesetz, dass der Gesundheitsminister per Verordnung bestimmen kann, „dass Personen, die krank, krankheitsverdächtig oder ansteckungsverdächtig sind, im Umgang mit der Außenwelt eingeschränkt werden“. Dies gilt natürlich nur, wenn je nach Art der Erkrankung keine ernsthafte und erhebliche Gefahr für die Gesundheit anderer Menschen besteht.

Es zeigt auch an, was diese Verkehrsbeschränkungen sein können. Dabei kommen insbesondere folgende Auflagen in Betracht: die Auflage, nur ein geringes epidemiologisches Risiko zuzuerkennen, die Pflicht zum Tragen einer den Mund-Nasen-Bereich bedeckenden mechanischen Schutzvorrichtung und Abstandsregeln. Erwähnt wird auch ein Verbot des Betretens der Arbeitsstätte und der Benutzung von Verkehrsmitteln sowie der Teilnahme an Versammlungen.

Kritik an der Opposition

Oppositionsgruppen forderten ein Ende von SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher. Am Mittwoch hat das Gesundheitsministerium erneut größere Änderungen des Ausbruchsgesetzes eingeführt, die nicht geprüft wurden. Die Änderungen enthielten mächtige Regulierungsbefugnisse sowie relevante Datenschutzbestimmungen: “Diese Regierung kümmert sich nicht darum, sie wird nur gedrängt.”

FPÖ-Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak ahnte Schlimmes. Er vermutete, dass die Regierung mit der Novelle eine indirekte Impfpflicht über Verkehrsbeschränkungen durchsetzen wolle.

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