Die unscharfen Grenzen des EZB-Mandats

Die EZB hat den Auftrag, Preisstabilität zu gewährleisten. Doch trotz hoher Inflation zögert sie, aus ihrer expansiven Geldpolitik auszusteigen. Warum das.

Keine angenehme Situation für die Europäische Zentralbank (EZB). Die Inflation ist hoch, und die Währungshüter sollten die Zinssätze anheben, um sie dem Zwei-Prozent-Ziel näher zu bringen. Aber die Wirtschaft schrumpft aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine, und eine Zinserhöhung würde die Wirtschaft weiter schwächen. Zumal die EZB nur gegen importierte Inflation vorgehen kann – bisher waren die hohen Energiepreise der Hauptgrund für steigende Preise –, die die Wirtschaft bremst und damit die Energienachfrage senkt. Die Zentralbank kann nicht direkt in die Energiepreise eingreifen.

Wenn die EZB die Zinsen nicht erhöht, droht sich die Inflation im Euroraum mit Zweit- und Drittrundeneffekten zu verfestigen. Ist die Erwartung steigender Preise erst einmal fest in den Köpfen der Marktteilnehmer verankert, werden sie versuchen, den eigenen Wohlstandsverlust zu begrenzen. Die Arbeiter fordern große Lohnerhöhungen und die Unternehmen wiederum treiben die Preise in die Höhe. Erhöht die EZB jedoch die Zinsen, steigen die Refinanzierungskosten, insbesondere für südliche EU-Staaten wie Italien oder Griechenland. Dies ist keine einfache Position für die EZB, die bei der Bekämpfung der Inflation viel zurückhaltender ist als die US-Notenbank, die bereits erhebliche Zinserhöhungen vorgenommen hat. Lohnerhöhungen in den USA sorgen bereits für zusätzlichen Inflationsschub.

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