Verlust bei Computersimulation Die sibirische Tundra könnte vollständig verloren gehen
26.05.2022, 02:13 Uhr
Sibirien bedeutet auch Tundra: immerhin noch. Denn die einzigartige Kaltsteppe ist ein Hot Spot des Klimawandels. Neue Computersimulationen zeigen, dass von der sibirischen Tundra bald nichts mehr übrig sein könnte.
Die sibirische Tundra mit ihrer besonderen Flora und Fauna ist durch die Klimakrise bedroht. Das zeigt eine Studie des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und der Universität Potsdam, die im Fachblatt „eLife“ veröffentlicht wurde. Da die Temperaturen in der Arktis rapide ansteigen, verschiebt sich die Baumgrenze in Lärchenwäldern weiter nach Norden und verdrängt große Gebiete der Tundra, schreiben die Forscher. Demnach bleiben bei konsequentem Klimaschutz bis Mitte des Jahrtausends etwa 30 Prozent der Fläche der sibirischen Tundra übrig. „In allen ungünstigeren Entwicklungsszenarien droht der Totalverlust eines einzelnen Naturraums“, so das AWI.
„Die aktuelle und zukünftige Erwärmung wird große Folgen für den Arktischen Ozean und das Meereis haben“, sagt Ulrike Herzschuh, Leiterin der Sektion Polare terrestrische Umweltsysteme am AWI. Auch die Umwelt auf der Erde wird sich drastisch verändern. “Im schlimmsten Fall wird die Tundra bis zur Mitte des Jahrtausends fast vollständig verschwinden.”
Die Klimakrise trifft die Arktis besonders stark. Die durchschnittliche Lufttemperatur im hohen Norden ist in den letzten 50 Jahren um mehr als zwei Grad Celsius gestiegen. Das ist viel mehr als in anderen Regionen der Welt. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Mit ambitionierten Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen könnte die Erwärmung der Arktis bis Ende des Jahrhunderts auf knapp zwei Grad begrenzt werden. Bleiben die Emissionen jedoch sehr hoch, droht bis 2100 ein dramatischer Anstieg der durchschnittlichen Sommertemperaturen in der Arktis um 14 Grad Celsius gegenüber den heutigen Werten.
Seltene Arten, die es nur hier gibt
Die Forscher verwendeten für die Studie eine Computersimulation. Folglich ist eine deutliche Reduzierung der Treibhausgase erforderlich, um zumindest Teile der kalten Steppe zu retten. Laut AWI-Mitteilung hat die Umweltorganisation WWF bereits erweiterte Schutzmaßnahmen und Schutzgebiete in den betroffenen Gebieten gefordert, um die einzigartigen Biodiversitäts-Rückzugsgebiete der WWF-Tundra zu erhalten.
Die Tundra ist eine besondere Pflanzengemeinschaft, von der etwa zwanzig ausschließlich in der Arktis vorkommen. Typische Arten sind laut AWI Bergreben, Polarmohn und Zwergsträucher wie Weiden und Birken, die sich durch Anpassung an raue Bedingungen mit nur kurzen Sommern und langen Wintern auszeichnen. Die Tundra beherbergt auch einzigartige Tiere wie Rentiere, Lemminge und Insekten wie die arktische Hummel.