EU-Klimaschutz vor dem Ende? “Es ist ein schlechter Tag für das Parlament”

Der Handel mit sogenannten Verschmutzungsrechten gilt als Herzstück der europäischen Klimapolitik und soll noch effektiver gestaltet werden, um die EU bis 2050 klimaneutral zu machen. Europaweit existiert dieses System bereits für Öl, Chemie, Metall- und Papierindustrie und andere energieverbrauchende Wirtschaftszweige.

Ein Chemiewerk von Lyondell und Covestro: Die chemische Industrie ist eine der energieintensivsten Branchen. Daher müssen Unternehmen der Branche seit Jahren Verschmutzungsrechte kaufen und erhalten auch kostenlose Zertifikate, ein weiterer Diskussionspunkt im EU-Parlament. (Quelle: imago-images-images)

So funktioniert der EU-Emissionshandel: Der Emissionshandel ist ein etabliertes System, das Treibhausgasemissionen aus besonders energieintensiven Industrien mit einem Preis belegt. Unternehmen müssen für ihre CO2-Emissionen sogenannte Schadstoffzertifikate kaufen und können diese auch untereinander vermarkten. Da die zulässige Menge an CO2-Emissionen allmählich abnimmt, sinkt auch die Anzahl der verfügbaren Zertifikate. Je größer die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ist, desto teurer werden Verschmutzungsrechte. Wer auf klimafreundliche Technologien umsteigt, spart nach der Anreizlogik bares Geld. Das System gilt als die effektivste Maßnahme zur schrittweisen Reduzierung der Treibhausgasemissionen in der EU.

Für den Straßenverkehr und den Bausektor soll nun ein eigener Emissionshandel eingerichtet werden. Anders als in Deutschland, wo seit 2021 ein CO2-Preis für Mobilität und Heizung erhoben wird, gibt es noch keinen EU-weiten Standard. Doch im Europaparlament scheiterte die Reform zunächst: Eine Mehrheit der Abgeordneten lehnte am Mittwoch die geplante Erweiterung des Systems ab.

Warum der Skandal?

Seit Monaten arbeiten die Fraktionen im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments an einem mehrheitsfähigen Kompromissvorschlag. Dabei wurde sogar ausgesetzt, was in Deutschland mit dem CO2-Preis bereits zum Alltag gehört: Für private Häuser und Wohnungen sowie für die private Mobilität hätte es eine Schonfrist bis 2029 für Mehrkosten gegeben. Doch obwohl der endgültige Entwurf im Umweltausschuss breite Zustimmung fand, wurde er im Plenum abgelehnt.

Das Europäische Parlament in Straßburg: Egal ob hier oder in Brüssel: Bei einer Abstimmung im Plenum geht es immer um viele Dinge. (Quelle: Gilles Targat)

Auf Gegenwind war vor der Abstimmung zu hoffen: Die rechtsnationalistische Gruppierung „Identität und Demokratie“, der auch AfD-Abgeordnete im Europaparlament angehören, stellt sich grundsätzlich gegen Maßnahmen zum Klimaschutz, ähnlich wie die Euroskeptiker. Gruppe “Europäischer Konservativer und Reformer”.

Dass die Mehrheit der Grünen im Europaparlament und viele Sozialdemokraten (S&D) schließlich gegen die Ausweitung des Emissionshandels gestimmt haben, hat jedoch für Verwunderung und Wut gesorgt. Anders als dem rechten Flügel des Plenums waren ihnen die Vorschläge für einen strengeren Emissionshandel nicht stark genug.

Peter Liese (CDU) bei einer Pressekonferenz im Europaparlament: Nach dem Scheitern seines Dossiers zur Ausweitung des Emissionshandels kritisierte er vor allem seine grünen und sozialdemokratischen Kollegen, die gegen ihn gestimmt hatten. (Schriftart: D. Anoraganigrum / imago-images-pictures)

„Das ist ein schlechter Tag für das Europaparlament“, sagte der Europaabgeordnete Peter Liese (CDU) mit Blick auf die Solidarität zwischen rechts und links. Liese verhandelt das Dossier im EU-Parlament federführend und kritisiert, dass durch ein gemeinsames Votum von Klimaschutzgegnern und Idealisten immer wieder wichtige Maßnahmenpakete gegen die Wand gefahren werden.

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