Starke Kursverluste Die heftige US-Inflation lässt die Aktienmärkte fallen
Von Jan Gaenger, 10.06.2022, 17:09
Die Aktienmärkte fallen. Erstens verschlechtern die aktuellen US-Inflationsdaten die Stimmung. Damals trübte sich auch die Konsumlaune der Amerikaner ein.
Die überraschend hohe Inflation in den USA verursacht massive Verluste an den Aktienmärkten und weltweit stürzen die Kurse ab. In Zahlen ausgedrückt: Der deutsche Leitindex DAX verliert 3,1 Prozent, auf Wochensicht beträgt der Verlust knapp 5 Prozent. Der US-Aktienindex S&P 500 fiel im Tagesverlauf um 2,3 Prozent und der Technologieindex Nasdaq 100 sogar um mehr als 3 Prozent.
DAX 13.761,83
Zuvor hatte das US-Arbeitsministerium eine höher als erwartete Inflation für Mai veröffentlicht. In der Folge stieg das Preisniveau um 8,6 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Dezember 1981. In der Vorperiode wurde allgemein mit einer Stagnation auf dem Niveau von April 8,3 Prozent gerechnet. Doch Materialengpässe und steigende Energiekosten, auch als Folge des russischen Angriffskrieges, halten den Preisdruck hoch. „Die Inflation ist weit vom Höhepunkt entfernt“, sagte Naeem Aslam, Chief Market Analyst bei der Maklerfirma AvaTrade. “Es wird noch mehr so hohe Zahlen geben.”
Anfang Mai erhöhte die US-Notenbank die Zinsen so stark wie seit 22 Jahren nicht mehr und erhöhte die Leitzinsen um einen halben Punkt auf die neue Spanne von 0,75 bis 1,0 Prozent. Fed-Chef Jerome Powell hat für die Sitzungen im Juni und Juli ähnlich große Erhöhungen festgestellt. Nun könnte der Druck auf die Fed zunehmen, die Zinsen schneller und stärker als erwartet anzuheben.
„Der Inflationsdruck bleibt groß“
Das sind keine guten Nachrichten für die Aktienmärkte. Denn höhere Zinsen machen sie im Vergleich zu anderen Geldanlagen weniger attraktiv. Zudem bremsen sie die Konjunktur und verteuern die Finanzierung für Unternehmen. Die Börse bewertet diese Aussichten mit fallenden Kursen. „Es wird immer deutlicher, dass die Zentralbank zu spät mit ihrer Geldpolitik begonnen hat. Die Zeiten der großen Zinserhöhungen um 50 Basispunkte sind noch lange nicht vorbei“, sagte die Commerzbank. Nachdem die US-Jahresinflationsrate im April von 8,5 Prozent auf 8,3 Prozent gefallen war, waren die Hoffnungen auf einen Höchststand längst überfällig. „Mit dem erneuten Anstieg ist dies geschehen. Vielmehr zeigen die Details der heutigen Zahlen, dass der Inflationsdruck weit verbreitet bleibt“, sagte er.
Neben den Inflationsdaten müssen die Aktienmärkte noch einmal verdauen: Die hohe US-Inflation drückt die Verbraucherstimmung auf den niedrigsten Stand seit Mitte der 1980er Jahre, das Verbraucherstimmungsbarometer fiel im Juni von 58,4 Punkten im Vorjahr auf 50,2 Punkte. Mai, wie die University of Michigan in ihrer monatlichen Umfrage mitteilte. Ab einer Note von 50 wird das Wachstum angezeigt.
Das unerwartet niedrige Niveau lässt Bedenken aufkommen, dass die USA in eine Rezession abrutschen könnten. Denn der private Konsum trägt zwei Drittel zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt der größten Volkswirtschaft der Welt bei.