Eurozone: „Von einer Normalisierung der Geldpolitik sind wir noch weit entfernt“

Auf der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im September hält Bundesbankpräsident Joachim Nagel je nach Inflationsentwicklung einen deutlichen Anstieg der Zinsen für möglich. „Vielleicht könnte man sich auch vorstellen, noch einen Schritt weiter als die 25 Basispunkte zu gehen“, sagte Nagel am Freitag bei einer Veranstaltung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Karlsruhe.

Der Trip zu höheren Zinsen habe für ihn bereits bei der März-Sitzung der Euro-Notenbank begonnen, sagte er. Bei der EZB-Zinssitzung am Donnerstag hat die Fahrt etwas Fahrt aufgenommen. Die Progression bzw. Geschwindigkeit, mit der sich die Währungshüter nun bewegen, wird von der weiteren Entwicklung der Datenlage im Euroraum abhängen.

Erste Zinserhöhung seit elf Jahren im Juli

Die EZB hat am Donnerstag in Amsterdam wegen der rasant steigenden Inflation für ihre Juli-Sitzung die erste Zinserhöhung seit elf Jahren angekündigt. Anschließend will die EZB die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anheben. Er will einen zweiten Schritt in Richtung September-Zinssitzung machen. Wie weit das gehen wird, ist unklar.

„Von einer Normalisierung der Geldpolitik sind wir noch sehr, sehr weit entfernt“, sagte Nagel. Er unterstützt eindeutig die Maßnahme, den Markteintritt mit Vorsicht zu versuchen. Nach elf Jahren ohne Zinserhöhung ist es sehr wichtig zu sehen, wie der Markt auf diese Bewegung reagiert. Nagel glaubt nicht, dass die Geldpolitik zu spät reagiert hat.

Nach einer langen Phase schwacher Geldpolitik hat sich der Markt nun mit klaren Schritten orientieren können. „Also denke ich wirklich, dass wir dieses Zeitfenster nicht verpasst haben“, sagte er.

Es dürfe nicht dazu kommen, dass Wirtschaftsteilnehmer den Eindruck hätten, die Zentralbanken seien nicht in der Lage, die Inflationserwartungen zu stabilisieren, sagte Nagel. Er ist jedoch zuversichtlich, dass die Inflationserwartungen wieder dorthin verschoben werden können, wo er die Zentralbank haben möchte. Die EZB strebt mittelfristig zwei Prozent Inflation für den Währungsraum an. In jüngerer Zeit erreichte die Inflation jedoch im Mai ein Allzeithoch von 8,1 Prozent. (Reuters)

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