Landwirte warnen vor steigenden Lebensmittelpreisen

Wirtschaftlichkeit Steigende Produktionskosten

Landwirte warnen vor steigenden Lebensmittelpreisen

Stand: 12.06.2022 | Lesezeit: 4 Minuten

„Menschen sparen beim Essen“

„Die Futtermittelpreise sind stark gestiegen, die Weizenpreise haben sich mehr als verdoppelt und es gibt auch höhere Energiepreise“, sagt Dr. Bernhard J. Simon vom Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie zur Inflation in Deutschland.

Schon jetzt verteuert die Inflation jeden Einkauf im Supermarkt. Aber das konnte nur der Anfang sein. Landwirte warnen davor, dass Lebensmittel teurer werden. Landwirte konnten Preisfaktoren wie hohe Kraftstoffpreise nicht vermeiden.

Auf eine Lockerung bei der Lebensmittelpreiserhöhung im Supermarkt muss aus Sicht der Landwirte derzeit nicht gewartet werden. „Die Landwirte haben die Kosten stark erhöht“, sagte Joachim Rukwied, Präsident der Deutschen Presse-Agentur. „Wir können das Auto nicht wie Privatpersonen am Wochenende stehen lassen und sagen, ich reise jetzt nicht. Wir müssen unsere Felder bearbeiten, da haben wir wirklich kein Einsparpotenzial.“ Daher brauchen die Landwirte andererseits angemessene Preise, um weiter anbauen zu können.

„Wir rechnen auch mit weiteren Preiserhöhungen, weil einige der Kostensteigerungen noch nicht behoben sind“, sagte Rukwied. Höhere Preise in Supermärkten würden teilweise auch bei den Landwirten ankommen. Viele Betriebe kämpfen mit deutlich höheren Ausgaben für Diesel, Strom, Gas, Futter und Dünger. Der Preisanstieg wurde teilweise durch den russischen Krieg gegen die Ukraine verstärkt. Spannung ist ein zentrales Thema beim Deutschen Bauerntag an diesem Dienstag und Mittwoch in Lübeck.

Die Lebensmittelpreise stiegen monatlich um 11 Prozent

Quelle: dpa/Sven Hoppe

Die Inflation in Deutschland ist zuletzt gestiegen. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise im Mai um 7,9 Prozent über dem Vorjahresmonat. Als Folge mussten für Energie 38,3 Prozent mehr bezahlt werden als vor einem Jahr, Lebensmittelpreise stiegen um 11,1 Prozent.

Getreidekrise: Mehr Platz könnte temporär genutzt werden

In der Diskussion um die Ausweitung der Produktion zur Ernährungssicherung aufgrund fehlender Getreideexporte aus der Ukraine sagte Rukwied: „Wir halten am Transformationsprozess hin zu mehr Klimaschutz, mehr artgerechter Tierhaltung und Biodiversitätsverbesserungen fest“. ein nicht ganz klares „um diese Themen jetzt auszusetzen.“ Andererseits müssen wir uns angesichts der globalen Versorgungskrise in afrikanischen Ländern die Frage stellen: Wo haben wir noch Reserven, die wir sammeln können? Als deutsche Landwirte bieten wir an, vorübergehend mehr Flächen für den Lebensmittelanbau zu nutzen. Wir können, und ich denke, wir sollten es ethisch gesehen tun.”

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Der erwartete Effekt wäre recht gering, erklärte Rukwied. „Vielleicht könnten wir 1,4 Millionen Tonnen zusätzliches Getreide produzieren. Aber sie würden helfen, die Last zu verringern. Ob sie das tut, muss die Politik entscheiden“, sagte der Bauernpräsident. „Wir Landwirte brauchen die Entscheidung im Juli, um entsprechend planen zu können.“ Deutschlands Erntemenge liegt bei über 40 Millionen Tonnen.

Unter anderem hat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir bereits in diesem Jahr die ausnahmsweise Verfütterung von Gräsern und Pflanzen aus bestimmten „Öko-Vorrangflächen“ ermöglicht. Dadurch soll der Preisanstieg abgemildert werden. Neue Forderungen aus den Bundesländern, alles Brachland machen zu dürfen und dort etwa Getreide anzubauen, widersetzt sich der Grünen-Politiker aber.

Landwirte haben Angst vor Düngemitteln

Auch Rukwied betonte: „Gerade bei der Düngemittelproduktion ist es entscheidend, dass wir bei der Versorgung mit Erdgas Vorrang haben.“ Stickstoff ist der wichtigste Nährstoff für Pflanzen. „Wenn wir es nicht zur Verfügung haben, brechen die Erträge im Extremfall von einem Jahr aufs andere massiv ein.“ Zur Vorsorge fordert der Verein zudem eine Düngereserve. Erträge können nur mit ausreichend Stickstoffdünger sichergestellt werden. „Dies ist meine oberste Priorität, um die Risiken für die Ernährungssicherheit zu verringern“, sagte der Landwirtschaftspräsident. Auch in der Verarbeitung, beispielsweise in Molkereien, wird Gas eingesetzt.

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Auch die Anhebung des Mindestlohns treibe die Betriebe an, machte Rukwied deutlich. „Gerade bei den Obst- und Gemüsekonzernen sind die Zukunftssorgen groß. Da stellt sich die Frage, ob sie im nächsten Jahr noch Erdbeeren, Spargel oder anderes Gemüse in gleichem Umfang anbauen können.“ Der Mindestlohn beträgt derzeit 9,82 Euro. Am 1. Juli steigt er auf 10,45 Euro pro Stunde, am 1. Oktober dann auf 12 Euro pro Stunde.

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