Anorexie lässt das Gehirn schrumpfen

Von Martin Lewicki | 16. Juni 2022 um 11:14 Uhr

Magersucht gehört zu den psychischen Erkrankungen. Immer mehr Kinder und Jugendliche sind von einer Essstörung betroffen. Eine aktuelle Studie zeigt erstmals die gravierenden Folgen für das Gehirn.

Magersucht ist die häufigste Essstörung in Deutschland. Nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Statista wurden 2018 in deutschen Krankenhäusern 7.218 Fälle dieser Essstörung diagnostiziert.1 Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Essstörungen gelten als besonders gefährlich, da sie unbehandelt zum Tod führen können. Eine große internationale Studie zeigt nun, dass Magersucht sogar schwerwiegende Folgen für das Gehirn hat.

Gehirnveränderungen aufgrund von Anorexie

Anorexie wird im Deutschen oft als Magersucht bezeichnet, was sich vom lateinischen Begriff Anorexia nervosa ableitet. Die Krankheit entwickelt sich normalerweise während der Pubertät (manchmal sogar während der Kindheit). Hauptmerkmal ist ein verändertes Selbstbild, denn Betroffene werden als zu dick empfunden, auch wenn sie bereits untergewichtig sind. Und so verhungern sie weiter, ohne jemals mit ihrem Aussehen zufrieden zu sein. Dies führt zu einer Unterversorgung mit dauerhaften Nährstoffen, was auf Dauer sogar das Gehirn schädigt, wie Wissenschaftler der britischen Universität Bath herausgefunden haben.2

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In der bisher größten Studie dieser Art wurden Gehirnscans von 1.648 Frauen aus 22 verschiedenen Regionen der Welt ausgewertet. 685 der Probanden litten an Anorexie. „Wir haben in dieser Studie mehrere Jahre intensiv mit Forschungsteams auf der ganzen Welt zusammengearbeitet“, sagt die leitende Psychologin Esther Walton von der University of Bath. Durch die Auswertung tausender Gehirnscans von Menschen mit Anorexie könnten Gehirnveränderungen im Detail untersucht werden, erklärt der Wissenschaftler.

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Nährstoffmangel kann eine Kontraktion des Gehirns verursachen

Bei der Analyse der Scans stellten die Forscher fest, dass Frauen mit Anorexia nervosa eine geringere kortikale Dicke sowie weniger Volumen auf den subkortikalen und kortikalen Oberflächen hatten. Mit anderen Worten, das Gehirn war im Vergleich zu gesunden Frauen geschrumpft. Noch erschreckender ist die Tatsache, dass die negativen Auswirkungen auf die Größe des Gehirns und die Struktur der Anorexie zwei- bis viermal größer sind als beispielsweise bei einer Depression.

Warum genau, können die Forscher noch nicht sagen. Sie vermuten jedoch, dass der niedrige Body-Mass-Index (BMI) der Betroffenen und der dauerhafte Mangel an Nährstoffen dafür verantwortlich sind. Ein BMI unter 17,5 gilt als magersüchtig.

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Das Gehirn kann sich nach Anorexie regenerieren

Trotz des erschreckenden Befundes gibt es auch Positives zu berichten. Denn Gehirnscans zeigen auch, dass Menschen, die sich in Therapie und Genesung befinden, weniger Gehirnveränderungen aufweisen. „Wir haben festgestellt, dass die Abnahme der Gehirnstruktur, die wir bei den Betroffenen beobachtet haben, bei Patienten, die sich bereits auf dem Weg der Genesung befanden, weniger auffällig war“, sagte Studienleiterin Esther Walton in einer Mitteilung der Universität.3 Das ist ein gutes Zeichen und möglicherweise ein Indikation. dass negative Veränderungen nicht dauerhaft sind. „Mit der richtigen Behandlung kann sich das Gehirn möglicherweise erholen“, ergänzt der Experte.

Der Befund macht deutlich, wie wichtig es für magersüchtige Menschen ist, so schnell wie möglich mit einer Therapie zu beginnen. Nach dem Motto: je früher desto besser, auch fürs Gehirn! Forscher warten nun auf weitere Studien, um herauszufinden, was genau dazu führt, dass das Gehirn bei Anorexie schrumpft. So können bessere Behandlungsansätze entwickelt werden, um die Ursachen zu bekämpfen.

Quellen

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