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Die graue Eminenz hinter den Festgenommenen suchte am Montag Unterstützer. Im Rampenlicht stehen ein niederländischer Berner und ein Deutscher.
Autoren: Daniel Glaus und Myriam Reinhard
Fünf Monate sind seit dem Anschlag in Wien vergangen, bei dem ein Attentäter vier Menschen tötete und mehr als zwanzig verletzte, als im April 2021 zwei Männer zusammen in einer Wohnung saßen, die vom Alter her Vater und Sohn sein könnten: ein Mann, der es ist jetzt 60 Jahre alt Deutsch-pakistanische Herkunft und 23 Jahre alt Kosovare im Berner Oberland. Thema seines damaligen Gesprächs war die Vorbereitung auf einen Angriff auf die Schweiz. Dies geht aus einem Gerichtsdokument hervor, das SRF vorliegt.
Gemäss SRF-Untersuchung handelt es sich bei dem 60-jährigen Deutschen um den Mann, der am Montagabend in Deutschland festgenommen wurde, zusammen mit drei Festnahmen in der Schweiz.
Was das inhaftierte Trio zwischen 17 und 26 Jahren aus Winterthur und der ältere Deutsche im Einzelnen gemacht haben, wird derzeit ermittelt: Sie sollen miteinander in Kontakt gestanden haben.
Die Häftlinge:
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Der 60-jährige Deutsche, der am Montagabend festgenommen wurde, gilt bei deutschen Behörden als „die Spinnennetzspinne“. Dieses Netz wird auch in der Schweiz geknüpft, wie durch koordinierte Razzien bekannt wurde: Einige der Fäden führen nach Winterthur. Drei Männer wurden am Montagabend gleichzeitig festgenommen: ein 17-jähriger Bosnier, ein 20-jähriger Mann und ein 26-jähriger Schweizer.
Der 26-Jährige wurde im sogenannten An-Nur-Prozess angeklagt, bei dem es um Gewalt gegen einen mutmaßlichen Informanten ging. Allerdings wurde er nicht verurteilt. Der 26-Jährige wurde wenige Stunden nach dem Bombenanschlag auf Wien im November 2020 festgenommen, weil er den Terroristen im Sommer zuvor getroffen hatte. Eine mögliche Beteiligung an den Vorbereitungen des Terroranschlags wurde in den strafrechtlichen Ermittlungen nicht nachgewiesen. Er erhielt jedoch eine einstweilige Verfügung wegen Besitzes gewalttätiger Bilder.
Auch der 20-Jährige ist laut NZZ seit mehreren Jahren auf dem Radar der Behörden. Er soll Kontakte zu Rückkehrern aus Syrien haben. Und er soll geplant haben, selbst in das IS-Kriegsgebiet zu reisen.
Auch der dritte in der Schweiz festgenommene Mann lebt in Winterthur, ein 17-jähriger Bosnier, der in der Schweiz aufgewachsen ist. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren der Jugendstaatsanwaltschaft.
Alle drei gehören der Gruppe der radikalen Islamisten in Winterthur an, die trotz der Schliessung der bekannten An-Nur-Moschee überleben konnte und offenbar Nachwuchs gefunden hat.
Der generationenältere Deutsche soll in direktem Kontakt mit den festgenommenen Winterthurern gestanden haben. Wie die NZZ schreibt, gab es mindestens ein persönliches Treffen.
Hat der Deutsche mit den drei Winterthurern auch über mögliche Anschläge gesprochen? Dies ist unbekannt. Die Winterthurer und die Berner Oberländer scheinen sich jedoch zu kennen: Laut der Aargauer Zeitung sollen sich alle in inoffiziellen Gebetshallen in der Region Winterthur versammelt haben, darunter auch die Islamisten in Schaffhausen, St. Gallen und anderen Kantonen .
Der Deutsche war Teil der Al-Qaida-Staffel in Europa, ist in Deutschland als terroristischer Komplize vorbestraft und soll sich später dem selbsternannten „Islamischen Staat“ angeschlossen haben.
Hat der vorbestrafte Deutsche einen Mörder in der Schweiz gesucht?
Die Aktivitäten dieses Deutschen beschränkten sich jedoch nicht auf den Kontakt mit dem inhaftierten Trio aus Winterthur, sondern gingen weiter: Sie kamen im Berner Oberland an, wie die SRF-Tagesschau am Freitag berichtete. Diese noch nicht öffentlich aufgedeckte Beziehung zwischen dem Deutschen und dem jungen Oberländer schürt einen brisanten Verdacht: Der Deutsche könnte in der Schweiz nach möglichen Mördern gesucht haben.
Bildunterschrift: “Die Spinne im Netz” Der Deutsch-Pakistaner soll versucht haben, auch in der Schweiz ein Netzwerk von Terrorhelfern aufzubauen. ddp / Michael Wallrath
Fest steht: Der Deutsche und der Oberländer sprachen über brisante Themen. Brisante Spuren im Wald, konspiratives Verhalten, Vermeidung von DNA-Spuren und mögliche Sanktionen im Falle einer Verurteilung. Diese ist dem für SRF erhältlichen Dokument zu entnehmen.
Austausch über einen möglichen Angriff
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Mindestens eine der Versammlungen wurde von der Polizei kontrolliert. Das folgende Snippet wurde protokolliert. Zeit: früh morgens 4:57 Uhr
Deutscher: “(…) es ist schwer, so etwas hier zu machen”
Berner Oberland: “(…) besser vorher sagen Bruder kein Kontakt mehr … ich will keinen Kontakt mehr, weißt du (…)”
Deutscher: “Hier, wenn man etwas macht, muss man es erst ausprobieren, um zu sehen, ob es funktioniert.”
Berner Oberland: “Ja”
Deutscher: “Es gibt einen Schlag während des Tests”
Berner Oberland: “Ja”
Deutsch: „Also bam. Wenn mich jemand hört, habe ich es im Wald gehört (…) »
(…)
Deutscher: “Und ja, dann sagen Sie, ich habe gehört, dass Sie vielleicht gegangen sind und Ihre DNA dort gelassen haben.”
Berner Oberland: “Mmh”
Deutscher: “(…) sie haben moderne Technik … und wenn sie schon DNA haben, werden sie ein paar Mal festgenommen”
Infolgedessen schienen einige Bedenken bestanden zu haben. Aber die Behörden waren alarmiert. Als das Berner Oberland den Deutschen im April 2021 aufforderte, ihm den Text des Treueids zuzusenden, wie es bei Terrororganisationen wie dem IS üblich ist, entschieden sich die Schweizer Behörden für einen Streik. Sie befürchten, dass er einen Terroranschlag durchführen oder dabei helfen könnte. Am 23. April 2021 nahm die Bundeskriminalpolizei den Berner Oberländer laut Dokument fest.
Denn es war ein Sicherheitsrisiko: Die Behörden entfernten die Verdächtigen
Der Kosovo-Bürger blieb bis Juli in Abschiebungshaft. Heute ist der junge Mann im Kosovo. Wie ernst meinte es der junge Mann wirklich? Diese Frage bleibt offen, weil sich sein Strafverteidiger nicht äußern wollte. Der Mann selbst stand SRF nicht zur Verfügung.
Trotz des anfänglich ernsthaften Verdachts auf einen möglichen Anschlagsplan wurde das Strafverfahren gegen den Berner Oberländer teilweise eingestellt: Gemäss Einschätzung der Gerichtsakte gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass er einen Terroranschlag vorbereiten konnte.
Bildunterschrift: Terror in Wien Am 2. November eröffnete ein Schütze mitten in Wien das Feuer. Vier Menschen wurden getötet und 23 weitere verletzt. Der Angreifer, 20, wurde von der Polizei getötet. Schlussstein
Offenbar ging die Initiative vom deutschen Terrorhelfer aus: Er war es vor allem, der sich zu Sprengstofftests im Wald äußerte. Auch dies stützt den Verdacht, dass der 60-Jährige möglicherweise nach Terrorrekruten gesucht hat. Konkrete Fragen wollte sein Anwalt nicht beantworten, sagte aber, sein Mandant sei keiner Straftat im Zusammenhang mit der Schweiz angeklagt.
Ganz frei kam der Berner Oberländer jedoch nicht davon. Die Bundesanwaltschaft verurteilte ihn zu 180 Tagen Haft, die Strafe wurde jedoch nach 3 Jahren Bewährung zur Bewährung ausgesetzt.
Das Urteil gegen den Berner Oberländer
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Der 23-jährige Kosovare, der im Berner Oberland lebte, war seit April 2021 für insgesamt 91 Tage in Haft gewesen. Einige der Vorwürfe waren nicht gerechtfertigt, andere aber: zum Beispiel Polizei, Bundeskriminalamt und Bundesstrafgericht Staatsanwaltschaft konnte laut rechtskräftigem Sanktionsbeschluss vom 3. Februar 2022 einen Verstoß gegen das Al-Qaida/ISIS-Recht nachweisen.
Konkret handelt es sich um eine Wiedergabe der sogenannten Naschiden, Propagandalieder, wie sie etwa von der Terrororganisation IS verbreitet werden. Diese Lieder spielte der Berner Oberländer einem Bekannten vor, «um ihn zu beeinflussen und seine Unterstützung für ISIS zu stärken», wie es im Strafbefehl heisst. Eines der Lieder wird wie folgt übersetzt: „Bald, bald, bald werden wir ankommen. Wir werden bald das Licht des Unglaubens ausschalten. Die Messer sind scharf, die Schwerter sind gezückt.“
Er wurde auch wegen Besitzes gewalttätiger Bilder und des Fahrens ohne …