Remimag CEO Bastian Eltschinger stellt eine 4-Tage-Woche vor

Gute Nachrichten für die über 500 Mitarbeitenden des Zentralschweizer Gastronomie-Imperiums Remimag: Bald müssen sie nur noch vier statt fünf Tage die Woche arbeiten! Mit dem gleichen Wochenplan, aber trotzdem: drei Tage am Wochenende!

Remimag-Co-Geschäftsführer Bastian Eltschinger (41) verzichtete nicht auf das Modell der flexiblen Arbeitszeit. «Wie der Rest der Branche haben wir Probleme, genügend Personal zu finden», sagt er gegenüber Blick. „Die Vier-Tage-Woche macht uns attraktiver für jüngere Bewerber der Generationen Y und Z.“ Eltschinger spricht über Millennials, die Freizeit oft mehr schätzen als die Babyboomer vor ihnen.

In Bern eröffnet Eltschinger demnächst das Restaurant Röschtigrabe vor dem Bundeshaus. „Wir brauchen dort nur 60 bis 80 Leute“, schätzt er. 40 weitere wurden gefunden, weitere werden benötigt, möglicherweise weil ihnen das Angebot der Vier-Tage-Woche bekannt ist. „Natürlich ist die Vier-Tage-Woche freiwillig“, betont Eltschinger. Wenn Sie möchten, können Sie fünf statt vier Tage weiterarbeiten.

30 Prozent mehr Bewerbungen

Eltschinger ist mit seiner Idee nicht der Erste: Hotels und Restaurants machen mit der Einführung der Vier-Tage-Woche noch immer Schlagzeilen. Mit über 30 Betrieben von Luzern über Zürich bis Basel ist Remimag das mit Abstand grösste Schweizer Cateringunternehmen der Welt. Zu den Betrieben gehören das Albisgüetli in Zürich und das Hafenrestaurant in Zug.

Eltschinger hat für einige seiner Unternehmen das Konzept der Vier-Tage-Woche durchgezogen. “Wir haben Listen geschrieben und gesehen: Es funktioniert.” Aber nicht immer. Kein Hotelier, kein Gastronom möchte, dass Mitarbeiter Händchen halten, wenn alle Gäste längst gegangen sind.

Lukas Meier (32) kennt die Nachteile einer Umstellung auf eine Vier-Tage-Woche aus eigener Erfahrung. Er ist Direktor der beiden 25 Hours Hotels in Zürich. Seit Anfang Mai gilt die Vier-Tage-Woche. „Aber das kann man nicht über Nacht einführen, das braucht Zeit“, sagt Meier. In Küche und Service ist die Vier-Tage-Woche nur zu 70 Prozent Realität. “Wir haben noch einiges zu tun, um es vollständig umzusetzen.” Denn seit die 25-Stunden-Hotels die Vier-Tage-Woche nutzen, sei die Zahl der Bewerbungen um 30 Prozent gestiegen, rechnet Meier vor.

Stehen die 15-Stunden-Tage bevor?

Christa Augsburger (52), Direktorin der SHL Swiss Hotel Management School in Luzern, freut sich, dass mit Remimag nun ein weiterer grosser Gastronom die Vier-Tage-Woche einführt. „Arbeitszeiten mit Raumstunden, wenn man fünf Tage die Woche von 8 bis 23 Uhr arbeitet, sind für die jüngeren Generationen einfach nicht mehr tragbar.“ Der Druck des Fachkräftemangels ist inzwischen so groß, dass Hoteliers und Gastronomen keine andere Wahl haben, als sich anzupassen.

Aber auch mit der Vier-Tage-Woche wird nicht alles auf einmal besser. Zunächst einmal, so Christa Augsburger, sei dies nur eine von vielen dringenden Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. „Auch die Löhne müssen verbessert werden. Und begegnen Sie den Mitarbeitern auf Augenhöhe! Viele Hotels haben noch immer einen streng hierarchischen und sehr autoritären Führungsstil.“

Zweitens befürchtet der SHL-Direktor, dass die Vier-Tage-Woche in einigen Fällen zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen führen könnte. „Wir dürfen uns nicht auf 15 Stunden Arbeit am Tag reduzieren. Das wäre auf Dauer nicht gesund.“

Dessen ist sich auch der Zentralschweizer Hauptgastronom Eltschinger bewusst. „Wer 15 Stunden am Stück arbeitet, ist nicht produktiv. Vor allem, weil unsere Arbeit körperlich und geistig anstrengend ist.“

Es ist kein Modell für Saisongeschäft

Bei allem Innovationsgeist: Die Vier-Tage-Woche ist kein Allheilmittel. Wer beispielsweise ein saisonales Berggeschäft betreibt, hat dafür zu wenig Flexibilität. Selbst in dem kleinen Gasthaus im Dorf mit drei Angestellten wird die Liste der Jobs schnell unmöglich, wenn alle nur vier Tage arbeiten.

Die mehr als 500 Remimag-Mitarbeiter können sich jedenfalls sofort anmelden, wenn sie die Vier-Tage-Woche nutzen wollen.

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