SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi ärgert sich über die Obdachlosen. Er veröffentlicht Bilder der «traurigen Realität» und greift die Berner Regierung an. Dies wird verteidigt.
SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi pickte im Internet über einen vermutlich Obdachlosen: Er wolle nur die «traurige Realität» zeigen. – Trapez / Twitter
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das Wesentliche zusammengefasst
- Ein Obdachloser in der Stadt Bern landet “dank” Thomas Aeschi, dem Mann der SVP, online.
- Diese Bilder seien der Bundesstadt “unwürdig”, sagt er und greift Behörden an.
- Die Stadt Bern wehrt sich vehement: Schlafplätze gibt es genug.
Armut gibt es auch in der reichen Schweiz, viele Menschen haben keine Zuflucht. Offenbar hat sich ein Betroffener am Dienstagabend im Herzen der Stadt Bern vor der «Löbegge» aufgehalten, wo täglich Tausende Reisende und Touristen vorbeiziehen.
Einer von ihnen war SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi, der um 7.36 Uhr auf dem Weg zum Bundeshaus am “Tatort” vorbeikam. Das Bild machte den Zuger hässlich: Er postete es kurzerhand auf all seinen mächtigen Social-Media-Kanälen.
Aeschi postete das Foto auf Instagram, Twitter und Facebook und musste dafür Kritik einstecken. – Facebook-Screenshot
Dies führte zu heftigen Beschwerden von verschiedenen Benutzern. “Helfen Sie dieser Person, anstatt sich politisch auszunutzen”, sagt jemand. Ein anderer begabt: «Aeschi, du bist einfach ein ekelhafter Mensch.»
Aeschi: «Diese Bilder sind der Bundesstadt unwürdig»
Eine Erklärung für das Bild gab Zuger nicht ab. Auf Anfrage von Nau.ch erklärt er: «Ich möchte mit dem Bild die traurige Realität der Stadt Bern zeigen.» Seit elf Jahren zieht er durch die Stadt. «In dieser Zeit hat die Armut massiv zugenommen, es sind viele Obdachlose zu sehen», sagt Aeschi.
SVP-Fraktionschef Aeschi ist oft in Bern, hier mit Parteipräsident Marco Chiesa. – Schlüsselschlüssel
Seine Kritik gilt nicht der abgebildeten Person, sondern den Behörden. “Die linke Stadtregierung muss ernsthaft hinterfragen, warum diese Person im Freien schlafen sollte.” Anscheinend gaben sie ihm keinen Schlafplatz. Für SVPler ist klar: «Diese Bilder sind der Bundesstadt unwürdig.»
Berner Behörden: “Lange bekannte Person”
Auf Anfrage stellt der Nachrichtendienst der Stadt Bern fest, dass die Stadt mit dem Haus der Heilsarmee eine Dienstleistungsvereinbarung für Passanten hat. „Menschen, die sofort ein Bett brauchen, finden problemlos Zugang dazu.“ Es gibt derzeit freie Betten, sowie weitere Wohn- und Haushaltshilfeangebote des Sozialamtes.
„Die Erfahrung zeigt, dass es ein ausreichendes Angebot an Wohnmöglichkeiten für Obdachlose gibt.“ Es gibt jedoch Menschen, die nicht um Hilfe bitten oder Hilfsangebote nicht annehmen können oder wollen. Dies geschieht aus persönlicher Überzeugung oder aufgrund psychischer Belastungen.
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Diese Personen würden jedoch nach Möglichkeit von entsprechenden Stadtexperten oder zuständigen Organisationen besucht. “Angebote werden immer wieder informiert und motiviert, sie wahrzunehmen.” Dies gelte auch für den vorliegenden Fall, denn: „Die Person kennt sich schon lange.“
Ueli Maurer bezeichnete Bern 2006 als «Slum»
Es ist nicht das erste Mal, dass die SVP-Führung die Stadt Bern angreift. 2006 klagte der damalige Parteipräsident Ueli Maurer: «Die Stadt Bern ist in den letzten Jahren praktisch zu einem Slum geworden. Das kann nur das Ergebnis einer Bevölkerung sein, die mehr Linke will.
Als SVP-Chef beschimpfte Ueli Maurer schon 2006 die Stadt Bern als «Elendsviertel»; der damalige Stapi Alex Tschäppät nannte das “eklatanten Unsinn”. – Schlüsselschlüssel
Fest steht: Der Obdachlose in Aeschis Bildern ist unkenntlich geworden. In einer früheren Version des Posts war der Mann jedoch erkennbar. Auf einen entsprechenden Hinweis von Nau.ch reagierte der SVP-Mann umgehend.
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