Lindner warnt vor jahrelanger Knappheit: Krieg, Inflation, Lieferketten

Vor einem Gipfeltreffen der Regierungskoalition zu steigenden Verbraucherpreisen hat Finanzminister Christian Lindner den Menschen in Deutschland eine lange Durststrecke versprochen. „Meine Sorge ist, dass wir in ein paar Wochen und Monaten eine sehr besorgniserregende Situation haben könnten“, sagte der FDP-Politiker am Dienstagabend dem ZDF.

Es ist ungefähr drei oder vier, vielleicht fünf Jahre zu kurz. “Aufgrund des starken Anstiegs der Energiepreise, der Lieferkettenprobleme und der Inflation besteht die Gefahr einer sehr schweren Wirtschaftskrise.” Jetzt muss es das Hauptziel sein, die Inflation zu stoppen. “Nicht nur wegen der Wirtschaft, sondern weil viele Menschen auch Angst haben, ihr Leben bezahlen zu können.”

Am Mittwoch tagt der Koalitionsausschuss aus SPD, Grünen und FDP. Mögliche Maßnahmen gegen steigende Energie- und Lebensmittelpreise werden in den kommenden Wochen diskutiert. Eine anschließende Pressekonferenz war zunächst nicht geplant.

Der Bundesverband der Steuerzahler warnt

Der Koalitionsausschuss muss sich auch auf die von Bundeskanzler Olaf Scholz angekündigte „konzertierte Aktion“ vorbereiten. Am 4. Juli diskutieren Spitzenvertreter von Arbeitnehmern und Arbeitgebern darüber, wie Preisentwicklungen überwacht werden können.


Russland pumpt seit einigen Tagen deutlich weniger Gas nach Deutschland; laut bundesnetzagentur ist die versorgungslage daher angespannt und die preise sind gestiegen. Auch die Nahrungsmittel sind in den fast vier Monaten seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine stark gestiegen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte eine Erhöhung des Einkommensteuerfreibetrags auf mindestens 12.800 Euro. „Die Lohnpolitik allein kann in Krisenzeiten wie dieser die Last nicht tragen, Kaufkraftverluste zu verhindern und soziale Härten abzufedern“, sagte DGB-Chefin Yasmin Fahimi der Fraktion Funke Medien. Er forderte auch eine Preisobergrenze für den „Grundbedarf“ Strom und Gas.

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Bundessozialminister Hubertus Heil warnte davor, dass der Staat nicht alles kompensieren könne. „Grundsätzlich sehe ich keine Möglichkeit, Menschen mit sehr hohen Einkommen zu entlasten“, sagte der SPD-Politiker dem Stern. Über gezielte Entlastungen für niedrige und normale Einkommen spricht er sich aber gerne aus. “Wir müssen die Folgen der Preisentwicklung gezielt für Menschen abfedern, für die sie wirklich existenzbedrohend sind.”


CDU-Vizevorsitzender Andreas Jung schlug eine gemeinsame „Truppe“ aus Bund, Ländern und Kommunen vor. Öffentliche Gebäude müssen ein Vorbild sein. Bei Kälte, Heizung und Beleuchtung müsse fortan strikt gespart werden: „Vom Berliner Kanzleramt bis zum Eckrathaus“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Hier kommt „wirklich etwas zusammen“.

Der Bund der Steuerzahler und der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft warnten die Koalition davor, die Schuldenbremse im nächsten Jahr wieder auszusetzen. Sie sei nicht irgendein politisches Symbol, sondern Ausdruck eines fairen Miteinanders der Generationen und einer nachhaltigen Haushaltspolitik, sagte Reiner Holznagel, Präsident des Verbandes der Steuerzahler der Funke Mediengruppe. Er forderte die Koalition auf, wie vereinbart Subventionen und unnötige, ineffiziente und klimaschädliche Subventionen abzubauen.

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