Zu viel Fett im Blut kann Blutgefäße verstopfen

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Patienten mit Herzrisiko sollten ihren Cholesterinspiegel senken

von Dr. Adelheid Liebendorfer

(22.06.2022) Infarkte, Schlaganfälle oder Verschlüsse der Arterien der Beine (periphere arterielle Verschlusskrankheit) sind schwere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Zu den Ursachen gehören hohe Cholesterinwerte. Zu viel Fett im Blut kann Blutgefäße verstopfen. Daher benötigen Menschen mit hohem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse eine cholesterinsenkende Therapie.

Doch obwohl wirksame und verträgliche Konzepte zur Verfügung stehen, werden sie oft nicht angewendet: Zwei Drittel der Risikopatienten haben trotz verfügbarer Therapien hohe LDL-Cholesterinwerte (Low Density Lipoprotein). Warum das so ist und wie erhöhte Cholesterinwerte heute besser behandelt werden können, ist Thema der gemeinsamen Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am Dienstag, 28. Juni 2022 ab 11 Uhr. . Experten äußern sich auch zu diversen Vorurteilen und Falschmeldungen über Cholesterin.

Cholesterin ist ein natürlicher Fettstoff, der in allen Zellen vorkommt und unter anderem ein wichtiger Baustein für Hormone ist. Im Blut wird Cholesterin in sogenannten Lipoproteinen wie LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin (High Density Lipoprotein) transportiert. Überschüssiges LDL-Cholesterin lagert sich an den Innenwänden der Blutgefäße ab, was zu Arterienverkalkung (Arteriosklerose) führen kann. Deshalb wird es auch als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet. HDL-Cholesterin kann die Menge an schädlichen Fetten im Blut reduzieren und gilt daher als „gutes“ Cholesterin. Für Menschen ohne Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten ein Gesamtcholesterinwert von weniger als 200 mg/dl (5,2 mmol/l) und ein LDL-Wert von weniger als 116 mg/dl bzw. 3 mmol/l als günstig. Seit Kurzem gilt ein neuer LDL-Wert für Herz- oder Gefäßpatienten von <55 mg/dl LDL-C.

Bereits 1913 haben Forscher den Zusammenhang zwischen überschüssigem Cholesterin im Blut und beginnender Gefäßverkalkung nachgewiesen. „Je höher das LDL-Cholesterin, desto größer das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Professor Dr. Dr. Alexander Mann, Ärztlicher Direktor des ENDOKRINOLOGIKUM Frankfurt am Main. Allerdings beschreibt das Beiratsmitglied der Fachgruppe Diabetes, Adipositas und Stoffwechsel der DGE: „Das heißt aber nicht, dass alle Menschen mit hohem LDL-Cholesterin an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden.“ Schutz auch nicht. Genetische Veranlagung, Empfindlichkeit der Gefäßwände und andere Risikofaktoren wie Diabetes, Nikotinkonsum oder Bluthochdruck würden das Risiko ebenfalls erhöhen. Daher berücksichtigen Ärzte bei der Wahl der Therapieform das individuelle kardiovaskuläre Risiko. Beispielsweise kann bei ansonsten gesunden Menschen eine Änderung des Lebensstils, die eine fettarme Ernährung und mehr Bewegung beinhaltet, ausreichen, um das LDL-Cholesterin zu senken.

Veraltete und falsche Informationen beunruhigen die Patienten

Bei Patienten mit hohem und sehr hohem kardiovaskulärem Risiko, wie beispielsweise Menschen mit Typ-2-Diabetes mellitus, ist die Einnahme von Medikamenten jedoch unerlässlich, um einen gesunden Cholesterinspiegel zu erreichen. Das zeigen mehrere Studien. Die 2019 veröffentlichte Studie EUROASPIRE V zeigt jedoch, dass keineswegs alle Betroffenen cholesterinsenkende Medikamente einnehmen: In Deutschland beispielsweise liegt das als besonders schädlich geltende LDL-Cholesterin unter dem noch geltenden Wert zum Zeitpunkt der Studie bei weniger als 30 Prozent der Betroffenen Zielwert von 70 mg/dl (3). „Die Minimierung des Risikos von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird derzeit nicht durch therapeutische Möglichkeiten begrenzt, sondern dadurch, dass sie nicht angewendet werden“, sagt der Endokrinologe und Diabetologe. Dies liegt auch daran, dass es viele veraltete und falsche Informationen über zirkulierendes Cholesterin gibt. Dies beunruhigt den Patienten und hindert ihn daran, Medikamente einzunehmen.

Hohes HDL-Cholesterin reicht nicht aus, um das kardiovaskuläre Risiko einer Erhöhung des LDL-Cholesterins auszugleichen.

Wenn es um die Senkung des Cholesterinspiegels geht, egal welcher molekulare Mechanismus zur Senkung des LDL-Cholesterins verwendet wird: „Jede Senkung führt zu einer Verringerung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, ist sich Professor Dr. Arzt Stephan Petersenn, Mediensprecher der Hamburger DGE. Das Ausmaß der Verringerung des kardiovaskulären Risikos hängt sowohl vom Grad der LDL-Cholesterinsenkung als auch von der dafür erforderlichen Zeitdauer ab. Dabei gilt: „Je höher das kardiovaskuläre Risiko eines Patienten ist, desto niedriger ist sein persönliches LDL-Cholesterin-Ziel.“ Und es räumt mit einem Vorurteil auf: „Leider wird ein hoher LDL-Cholesterinwert nicht durch einen hohen HDL-Cholesterinwert ausgeglichen, wie viele annehmen.“

Zur gezielten Senkung des LDL-Cholesterins gibt es mehrere Therapiemöglichkeiten, die Ärzte in Form eines Stufenschemas anwenden. Die Therapie erfolgt zunächst mit Statinen; Hier sind besonders die hochwirksamen Statine Atorvastatin und Rosuvastatin von Nutzen. Reichen diese nicht aus oder werden sie nicht vertragen, ist eine Kombinationstherapie möglich, beispielsweise mit dem Cholesterin-Resorptionshemmer Ezetimib oder mit Bempedoinsäure. Eine weitere Therapieoption sind sogenannte PCSK-9-Hemmer (zum Beispiel Alirocumab, Evolocumab) oder mit Einschlüssen. Die letzte Möglichkeit ist die sogenannte Lipidapherese, ein Blutreinigungsverfahren, das bestimmte Fette aus dem Blut filtert.

Wie Sie Ihre persönlichen Risiken minimieren können und für wen eine nebenwirkungsarme moderne Cholesterintherapie eine Option ist, ist Thema der gemeinsamen Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am Dienstag, Juni 28., 2022 11:00 Uhr

Tipps & Warnungen Ernährungsprinzipien zur Verringerung des kardiovaskulären Risikos

· Reduzierung der Gesamtfettaufnahme

· Ersatz von langkettigen gesättigten Fettsäuren durch einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren

· Bevorzugen Sie Omega-3-Fettsäuren gegenüber Omega-6

· Vermeiden Sie Transfette

· Reduzierung der Cholesterinaufnahme

· WHO-Empfehlung: mindestens 150 Minuten körperliche Aktivität (mäßige bis intensive aerobe Aktivitäten) pro Woche für Erwachsene und eine Stunde pro Tag für Kinder (weitere Informationen).

Trinken Sie möglichst weniger als sechs Tassen Kaffee am Tag (Asne Lirhus Svatun et al. Association between espresso and total serumcholesterin: The Tromso Study 2015-2016. BMJ Journals, Open Heart May 10, 2022; 9: e001946. Two: 10.1136 ). / openhrt-2021-001946)

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