Stand: 22.06.2022 15:04 Uhr
Ein türkisches Schiff hat den Hafen von Mariupol verlassen. Nach Angaben der Türkei ist es „das erste ausländische Schiff, das den ukrainischen Hafen Mariupol verlässt“, seit es unter russische Kontrolle kam.
Von Uwe Lueb, ARD-Studio Istanbul
Gespräche über Getreideexporte aus dem russisch-ukrainischen Kriegsgebiet führten zu ersten Erfolgen. Nach übereinstimmenden Berichten aus Russland und der Türkei hat das türkische Frachtschiff „Azov Concord“ den Hafen von Mariupol verlassen. Das türkische Verteidigungsministerium sagte, es sei „das erste ausländische Schiff, das den ukrainischen Hafen Mariupol verlassen hat“, seit es im Mai von russischen Truppen erobert wurde. Tagelang wartete das Frachtschiff auf die Abfahrt.
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Unterschiedliche Informationen zum Zeitpunkt der Abreise
Der genaue Zeitpunkt ist unklar. Nach russischen Angaben ist das Schiff gestern Abend ausgelaufen. Sie sei heute abgelaufen, schreibt die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das türkische Verteidigungsministerium. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ist der Hafen von Mariupol wieder voll funktionsfähig.
Vorausgegangen waren gestern in Moskau Verhandlungen zwischen der türkischen und der russischen Militärdelegation. Sie wollen klären, wie Schiffe ukrainische Häfen sicher verlassen können. Die Häfen sind vermint. Dies sind hauptsächlich Getreidefrachtschiffe. Seit Wochen gibt es internationale Bemühungen, Schiffe auslaufen zu lassen. Das türkische Ministerium erwähnte nicht ausdrücklich, ob das türkische Frachtschiff Getreide transportierte.
Anschließende Gespräche sollten folgen
Türkischen Medienberichten zufolge sollen in den kommenden Wochen neue Gespräche in Istanbul geführt werden. Unterhändler aus Russland, der Ukraine, der UNO und der Türkei sollen eine Lösung für zögerliche Getreideexporte aus der Ukraine finden.
Millionen Tonnen Weizen sind in ukrainischen Häfen eingeschlossen, die unter russischer Kontrolle stehen oder von russischen Truppen blockiert werden. International wird befürchtet, dass eine Blockade des Getreideexports eine weltweite Hungerkrise auslösen könnte. Ein Export ist auch wegen der Seeminen in den Gewässern gefährlich. Die Türkei unterhält traditionell gute Beziehungen sowohl zur Ukraine als auch zu Russland und versucht seit Kriegsbeginn zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln.
Türkisches Schiff hat Mariupol verlassen
Uwe Lueb, ARD Istanbul, 22. Juni 2022 14:46 Uhr