von. – 22.06.2022 14:00 (akt. 22.06.2022 14:00)
Berufsleben: Die heutige Jugend kann deutlich anspruchsvoller sein als die Babyboomer-Generation. © APA / Barbara Gindl (Symbolbild)
Im Vergleich zur Babyboomer-Generation kann die heutige Jugend im Berufsleben deutlich anspruchsvoller sein. Grund dafür ist der Mangel an Arbeitskräften. Eine Umfrage unter 14- bis 29-Jährigen zeigt, dass sie tatsächlich anspruchsvoller sind.
„Wir befinden uns bereits im ‚war for talents‘ und müssen darauf reagieren“, sagte Leitbetriebe Austria Geschäftsführerin Monica Rintersbacher am Mittwoch.
Für junge Arbeitssuchende ist „Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtiger als Arbeit und Nachhaltigkeit“
Der akute Fachkräftemangel und der damit einhergehende Kampf um den Nachwuchs hat die Unternehmen längst erreicht. „Die Krone ist als Brandbeschleuniger hinzugekommen“, sagte Rintersbacher bei einer Hybrid-Pressekonferenz am Flughafen Wien/Schwechat. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für junge Arbeitssuchende viel wichtiger als Job und Nachhaltigkeit“, so Andreas Gnesda, Vorsitzender des Beirats der Leitbetriebe Austria, als eines der wichtigsten Ergebnisse der Umfrage. Es sei auch “wichtig, dass junge Leute gut bezahlt werden können”.
Das Wichtigste im Leben ist für die Befragten die Familie / der Partner. Nach Hobbys / Freizeit und Freunden. Erst an vierter Stelle steht Arbeit / Erwerbstätigkeit. Nachhaltigkeit und Bewegung sind noch weniger wichtig, und die Politik steht noch weiter unten auf der Jugendliste.
Bedeutung der Vollzeitbeschäftigung
Nur die Hälfte der Befragten hielt es für wichtig, einen Vollzeitjob zu haben: im vergangenen Jahr waren es 60 %. Der Wunsch nach Teilzeitarbeit nimmt zu. 38 Prozent planen, in ihrem Berufsleben etwas zu verändern. Darüber hinaus möchte ein Fünftel – 22 % der Frauen und 19 % der Männer – bis zu zwei Jahre bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber bleiben.
Das Homeoffice ist sehr wichtig. Gnesda berichtete, dass der Wunsch nach freier Tagesgestaltung (82,9 %) und Arbeitsplatz (72,7 %) sehr stark ausgeprägt sei. „Homeoffice ist willkommen. Homeoffice wird bleiben.“
Umfrage: Was die ausgeschriebenen Stellen attraktiv macht
Unternehmen müssen sich bemühen, ihre Stellen zu besetzen oder Mitarbeiter zu halten. Was einen ausgeschriebenen Job attraktiv macht, sind laut Umfrage ein gutes Gehalt, flexible Arbeitszeiten, interessante Tätigkeitsbereiche, vier Tage die Woche und kurze Reisen, wie die Umfrage zeigt, für die sie mehr als 1.000 Einzelinterviews mit Marktagenten geführt haben . Die Rekrutierung über soziale Medien wird von mehr als drei Vierteln der Befragten gut angenommen.
Lehrbild
Das Image der Lehre ist überraschend gut. „Knapp zwei Drittel haben nach eigener Wahrnehmung ein sehr positives Bild von der Lehre“, sagt Mario Derntl, Geschäftsführer von zukunft.lehre.Österreich. Junge Menschen wissen aber auch, dass dies in der Gesellschaft nicht der Fall ist. Das falsche Bild von verstaubten Lehrwerkstätten und schlechten Gehältern muss laut Derntl korrigiert werden. “Es gibt noch viel Verbesserungsarbeit, die getan werden kann.” Den Angaben zufolge wollen viele Unternehmen Ausbildungsplätze mit Abitur anbieten.
„In Österreich entscheidet sich fast ein Jugendlicher pro Sekunde für eine Lehre, und trotzdem kämpfen wir noch mit der Image-Herausforderung.“ In den westlichen Bundesländern ist die Lehre beliebter, im Osten entscheiden sich nur 30 Prozent der Jugendlichen für diesen Ausbildungsweg.