Scholz gibt auf drei Gipfeln eine Regierungserklärung ab

Aktualisiert am 22.06.2022 um 17:14 Uhr

  • Bundeskanzler Olaf Scholz hat vor dem Bundestag eine Regierungserklärung zum bevorstehenden Europäischen Rat, dem G7-Gipfel in Elmau und dem Nato-Gipfel in Madrid abgegeben.
  • Der SPD-Politiker versprach sowohl der Ukraine als auch den östlichen Nato-Staaten deutsche Unterstützung.

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Am Mittwochnachmittag hat sich Bundeskanzler Olaf Scholz im Bundestag zu den bevorstehenden Gipfeltreffen der Europäischen Union, der G7-Gruppe wirtschaftsstarker Demokratien und der Nato geäußert. Angesichts des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine erwartet Scholz vom Nato-Treffen in Madrid ein Signal des Zusammenhalts und der Entschlossenheit.

„Eine Partnerschaft mit Russland, wie sie im Strategischen Konzept von 2010 vorgesehen ist, ist mit Putins aggressivem und imperialistischem Russland auf absehbare Zeit undenkbar“, sagte der SPD-Politiker in einer Regierungserklärung.

Gleichzeitig mahnte die Kanzlerin, keine falschen Schlüsse zu ziehen. „Es wäre nicht klug, wenn wir die Gründungsakte der NATO und Russlands anprangern würden“, sagte er. Das würde dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seiner Propaganda nur in die Hände spielen. Der Gründungsakt bekräftigt dieselben Prinzipien, die Putin so eklatant verletzt: Gewaltverzicht, Achtung der Grenzen, Souveränität unabhängiger Staaten. Das sollte Putin immer wieder in Erinnerung rufen.

Deutschland will die Ukraine so lange wie nötig unterstützen

Gleichzeitig versprach Scholz der Ukraine weiterhin “massive” deutsche und europäische Unterstützung im Kampf gegen Russland: “finanziell, wirtschaftlich, humanitär, politisch und nicht zuletzt durch Waffenlieferungen”. Scholz betonte, dass das EU-Nachbarland gerade in der aktuellen Kriegsphase die benötigten Waffen erhalten werde. Deutschland liefere Waffen: “heute und in Zukunft”.

Die Ukraine habe jedes Recht, sich gegen Russland zu verteidigen, betonte Scholz. „Und es ist unsere Pflicht als europäische Nachbarn, als Verteidiger von Recht und Freiheit, als Freunde und Partner der Ukraine, ihnen das Beste zu geben, was wir können.“ Europa sei geeint an der Seite des ukrainischen Volkes, sagte die Bundeskanzlerin.

Bei seinem Besuch in der Ukraine letzte Woche erinnerte ihn manches an Bilder deutscher Städte nach dem Zweiten Weltkrieg. “Und wie damals das vom Krieg zerrissene Europa, braucht die Ukraine heute einen Marshallplan für den Wiederaufbau.”

Scholz: Deutschland wird jeden Quadratmeter Nato-Territorium verteidigen

Scholz sicherte auch die volle Solidarität des deutschen Bündnisses mit den östlichen NATO-Partnern zu. Hintergrund ist der Streit zwischen Russland und Litauen um die Enklave Kaliningrad in der Ostsee. „Wir werden jeden Quadratmeter Bündnisgebiet verteidigen“, sagte Scholz.

Aus ihrer eigenen Geschichte wissen die Deutschen, was sie diesem Versprechen verdanken, sagte Scholz. “Deshalb können unsere Nato-Partner in Osteuropa Deutschland heute vertrauen. Mit diesem Versprechen gehen wir nächste Woche zum Nato-Gipfel.” Da sich auch andere Verbündete mit ganz konkreten Beiträgen zur gemeinsamen Verantwortung für Sicherheit bekennen, ist er fest davon überzeugt: „Der Nato-Gipfel wird ein Signal des Zusammenhalts und der Entschlossenheit aussenden.“

Deutschland bringe es nicht nur in Worte, betonte Scholz. Unmittelbar nach Kriegsbeginn wurden zusätzliche Soldaten und militärische Fähigkeiten wie die Luftverteidigung in das Gebiet der Ostallianz verlegt. Mit Litauen war vereinbart worden, die deutsche Präsenz dort dauerhaft zu verstärken und dem Land eine starke Bundeswehr-Brigade zuzuteilen. Deutschland wird auch seine Präsenz mit Luft- und Seestreitkräften im Ostseeraum ausbauen und ist dabei, Truppen in die Slowakei zu entsenden, um den Luftraum zu sichern.

Drei Gipfel in einer Woche

Am Donnerstag und Freitag treffen sich die EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel. Im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine steht die EU-Beitrittskandidatur des Landes und der Republik Moldau im Mittelpunkt. Die EU-Kommission hat am Freitag empfohlen, die Ukraine und Moldawien offiziell zu EU-Kandidaten zu ernennen.

Scholz war vergangene Woche mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi in Kiew. Scholz und Macron hatten sich für den Kandidatenstatus der Ukraine eingesetzt. Scholz bekräftigte am Mittwoch seine Forderung: Er werde sich dafür einsetzen, dass die gesamte EU “Ja” zum EU-Beitrittskandidatenstatus der Ukraine sagt.

Nach dem Europarat stehen für Scholz noch zwei Gipfeltreffen an. Ab Sonntag treffen sich die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industrienationen im bayerischen Schloss Elmau zu einem dreitägigen G7-Gipfel. Neben dem Krieg in der Ukraine sind hier der Kampf gegen den Hunger und die Erderwärmung die dominierenden Themen. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will mitmachen.

Beim Nato-Gipfel vom 28. bis 30. Juni in Madrid wollen die Bündnispartner über ein neues strategisches Konzept beraten. Ein Problem könnte die geplante Aufnahme Finnlands und Schwedens sein, die derzeit von der Türkei blockiert wird. (dpa/mf) © dpa

Aktualisiert am 22.06.2022 um 16:44 Uhr

Lange hat die Ukraine auf Deutschlands erste schwere Waffen gewartet, jetzt sind sie da: Mit der Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr hoffen die ukrainischen Streitkräfte, der überwältigenden russischen Artillerie besser standhalten zu können. (Bildquelle: picture alliance / dpa | Thomas Frey)

Teaserbild: © IMAGO / Christian Spicker

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