Touristenmüll am Aletschgletscher?

Der Tourismus erholt sich weltweit nur langsam von Corona. Die Zahlen sind besser als im Terrorjahr 2020, aber vielerorts noch lange nicht vor der Pandemie. Die grosse Ausnahme: die Region Wallis Aletsch, zu der die Gemeinden Mörel-Filet, Riederalp, Bettmeralp, Fiesch, Fieschertal und Lax gehören.

Laut aktuellem Jahresbericht wurden im Sommer 2021 446.182 Übernachtungen verzeichnet. Das ist fast doppelt so viel wie im Durchschnitt der letzten zehn Jahre!

Der Haken: Die von der Aletsch Arena veröffentlichten Zahlen machen keinen Sinn. Dem enormen Anstieg der Übernachtungen liegt ein bürokratischer Trick zugrunde.

Die Eigentümer sollen Wohnungen vermieten

Ab dem 1. November 2020 müssen Zweitwohnungsbesitzer im Gebiet der Aletsch Arena ihre Kurtaxepauschale bezahlen. Das bedeutet, dass es egal ist, ob Sie 3 oder 30 Nächte in einer Wohnung bleiben, auf der Fiescheralp beispielsweise müssen Sie 57 Nächte pro Jahr bezahlen – für 3.50 Franken pro Bett – die Kurtaxe wird auf diesen Betrag festgesetzt.

Auch spielt es keine Rolle, wie viele Gäste in der Wohnung wohnen. Entscheidend ist allein die Größe der Wohnung. Daraus errechnet sich die Anzahl der Betten, die theoretisch in dieser Wohnung Platz haben. Es gibt 5 Betten in einer 4-Zimmer-Wohnung. Und dann müssen Sie für jedes Bett bezahlen, unabhängig davon, ob es das ganze Jahr über genutzt wurde oder ob die Anzahl der Betten verfügbar ist.

Die Idee der Flatrate: Zweitwohnungsbesitzer sollen ermutigt werden, ihre Wohnungen zu vermieten oder zu nutzen. Denn wer im Dorf übernachtet, fährt auch dort hin, um einzukaufen oder die Seilbahn zu benutzen.

Zehn Prozent Umsatzbeteiligung für Website-Werbung

Dieses Argument passt jedoch nicht dazu, dass die Aletsch Arena per 1. November 2020 „alle Leistungserbringer“ – also auch Wohnungseigentümer – dazu verpflichtete, einen sogenannten Partnerschaftsvertrag mit der Arena zu unterzeichnen.

Ein Zweitwohnungsbesitzer, der anonym bleiben möchte, sagt: «Seitdem müssen wir zehn Prozent unserer Mieteinnahmen an die Aletsch Arena überweisen, sonst erscheint unser Angebot nicht mehr auf Ihrer Website». Die Aletsch Arena bestätigt dies.

Dem zweiten Hausbesitzer, der mit Blick sprach, ist das zu viel: «Jetzt habe ich aufgehört, meine Wohnung zu vermieten. Das ist mir zu blöd.»

Kurtaxe kurz erklärt

Wer als Gast ausserhalb seines Wohnortes übernachtet, bezahlt zusätzlich zu den Beherbergungskosten eine Kurtaxe gemäss kantonalem Tourismusgesetz. Ob in Hotels, Airbnbs oder anderen kostenpflichtigen Unterkünften. Die Einnahmen sollen in den Tourismus investiert werden, zum Beispiel in die Infrastruktur. Im Aletschgebiet haben die Gemeinderäte entschieden, die Kurtaxe ab Oktober 2020 pauschal zu erheben. Bisher wurde pro Nacht abgerechnet. Alle Gelder gehen an die Aletsch Arena AG.

Wegen pauschalen Kurtaxen gab es im Wallis bereits mehrere Entscheide von Bundesgerichten. Die Rechtmäßigkeit von Pauschalsteuern wurde von den obersten Schweizer Richtern nie bezweifelt. Allerdings mussten mehrere Gemeinden die Zahl der Pauschalnächte deutlich reduzieren, so etwa Leukerbad, Bürchen und Goms. (de)

Wer als Gast ausserhalb seines Wohnortes übernachtet, bezahlt zusätzlich zu den Beherbergungskosten eine Kurtaxe gemäss kantonalem Tourismusgesetz. Ob in Hotels, Airbnbs oder anderen kostenpflichtigen Unterkünften. Die Einnahmen sollen in den Tourismus investiert werden, zum Beispiel in die Infrastruktur. Im Aletschgebiet haben die Gemeinderäte entschieden, die Kurtaxe ab Oktober 2020 pauschal zu erheben. Bisher wurde pro Nacht abgerechnet. Alle Gelder gehen an die Aletsch Arena AG.

Wegen pauschalen Kurtaxen gab es im Wallis bereits mehrere Entscheide von Bundesgerichten. Die Rechtmäßigkeit von Pauschalsteuern wurde von den obersten Schweizer Richtern nie bezweifelt. Allerdings mussten mehrere Gemeinden die Zahl der Pauschalübernachtungen deutlich reduzieren, so etwa Leukerbad, Bürchen und Goms. (de)

Unternehmer profitieren

Wer regelmäßig Gäste hat, profitiert von der neuen pauschalen Kurtaxe. Das sind unter anderem Personen, die ihre Wohnungen gewerbsmäßig vermieten, also Geschäfte mit ihnen machen. Sie können ihren Kunden weiterhin die Kurtaxe in Rechnung stellen, die Mehreinnahmen aber in die eigene Tasche stecken.

Davon profitiert auch die Aletsch Arena. Dank der Pauschale kassierte das Unternehmen über eine Million Franken mehr an Kurtaxen als im Vorjahr. Offizielle Stellen schreiben stolz, dass sie damit «in die Gruppe der grössten und bedeutendsten Bergregionen der Schweiz» eingeordnet seien.

Leidtragende sind jedoch diejenigen, die ihre Wohnung gar nicht oder nur selten vermietet haben. Jetzt müssen sie für die Gäste bezahlen, die sie nicht haben.

Einer von ihnen ist Peter Koch (72). Angesichts des Geschäftsberichts von Blick hebt der Aargauer die Hand. „Das ist ein Scherz aus der Aletsch Arena, der auf Kosten der Besitzer des Zweitwohnsitzes gemacht wird!“

Koch zahlt jetzt 300 Prozent mehr

Koch besitzt einen Teil der Villa Fiescheralp und ist Präsident der IG Fiescheralp, die sich dort um die Interessen der Zweitwohnungsbesitzer kümmert. Auf das Thema angesprochen, schlägt er seine Bücher auf. 2019 zahlten er und die Miteigentümer der Villa für insgesamt vier Personen pauschal CHF 300.– pro Jahr Kurtaxe. “Neun sind 1197 Franken!”

Koch will das neue System nicht akzeptieren. «Auf der Fiescheralp bezahlen wir pauschal 57 Nächte im Jahr, obwohl man hier nur acht Monate bleiben darf. Im unteren Fieschtal, wo man das ganze Jahr Ferien machen kann, werden nur 27 Nächte verrechnet.» Er fragte sowohl die Aletsch Arena als auch die Gemeinden, warum das so sei, aber dort sagte er, dass die Berechnung relativ komplex sei, weshalb auf eine Veröffentlichung verzichtet wurde.

Außerdem will Koch wissen, wie viele der im Jahresbericht ausgewiesenen Übernachtungen auf Kinder zwischen 6 und 16 Jahren entfallen. Laut Gesetz müssen sie nur die Hälfte der Kurtaxe zahlen und die Jüngsten müssen sie gar nicht bezahlen. Da er von den Behörden ignoriert wurde, zog er mit anderen Zweitwohnungsbesitzern vor Bundesgericht. Er entscheidet nun über die Zulässigkeit der Neuberechnung der Kurtaxenpauschale im Aletschgebiet.

Blick konfrontierte die Aletsch Arena mit Fragen von Zweitwohnungsbesitzern. Die allgemeinen Informationen waren ausführlich, die kritischsten Fragen blieben unbeantwortet. Bis zur Entscheidung wollen sie “Spekulationen” und Informationen zu diesem Thema nicht kommentieren.

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