Steigende Inflationsprognose: Norwegen hebt Leitzins deutlich an

Steigende Inflationsprognose Norwegen erhöht die Zinsen deutlich

23.06.2022, 12:15 Uhr

Volkswirte rechnen mit einer moderaten Zinserhöhung. Doch die Hüter der norwegischen Krone wagen sich in zwei Jahrzehnten noch höher hinaus. Grund ist die hohe Inflation. Und der Zielwert für dieses Jahr ist noch nicht erreicht.

Im Kontext steigender Inflation hat die norwegische Zentralbank die Leitzinsen so stark angehoben wie seit 20 Jahren nicht mehr. Die Zentralbank des Landes hob laut Norges Bank den Leitzins um 0,50 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent an. Die meisten Ökonomen rechneten nur mit einem Anstieg der Zinsen um 0,25 Prozentpunkte. Eine derart kräftige Zinserhöhung wagten die Währungshüter zuletzt im Jahr 2002. Auch Notenbankgouverneurin Ida Wolden Bache kündigte für August eine weitere Zinserhöhung an. Dann dürfte der Leitzins weiter auf 1,5 Prozent steigen.

Norwegische Krone / 10,49 Euro

„Erwartungen einer längeren Phase hoher Inflation deuten darauf hin, dass die Zinssätze schneller steigen werden als frühere Prognosen“, sagte Wolden Bache. Schnellere Zinserhöhungen werden nun das Risiko einer anhaltend hohen Inflation und die Notwendigkeit einer noch weiteren Straffung vermeiden. Die Währungshüter stellten fest, dass der Leitzins bis Mitte 2023 auf drei Prozent steigen könnte, zuvor hatte die Notenbank auf einen Leitzins von 2,5 Prozent bis Ende 2023 hingewiesen.

Die Zentralbank hob auch ihre zugrunde liegende Inflationsprognose, die volatile Inflationskomponenten wie Energiepreise ausschließt, in diesem Jahr um 2,5 % auf 3,2 % an. Bis 2023 rechnet die Notenbank nun mit einer Inflationsrate von 3,3 Prozent. Bisher lag die Prognose bei 2,4 %. Das Inflationsziel der Norges Bank liegt bei zwei Prozent.

Viele Zentralbanken weltweit kämpfen mit steigenden Kursen, die unter anderem durch die Folgen des Ukrainekrieges befeuert werden. Mitte Juni erhöhte die US-Notenbank die Leitzinsen angesichts der seit mehr als 40 Jahren höheren Inflation stärker als 1994. Er genehmigte eine Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte auf die neue Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent. Angesichts der Rekordinflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) die erste Zinserhöhung seit 2011 für Juli angekündigt. Dann sollen die wichtigsten Zinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte steigen.

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