von. – 23.06.2022 15:02 (23.06.2022 16:58)
Kollaritsch: Die Impfung ist nach wie vor wichtig als Schutz vor schweren Verläufen. © APA
Am Donnerstag hat die Bundesregierung das Ende der Kronen-Impfpflicht in Österreich verkündet. Impfexperte Herwig Kollaritsch persönlich hat kein Problem damit, dass die Impfpflicht in ihrer jetzigen Form besteht.
Für eine generelle Impfpflicht gibt es derzeit keine sachliche Grundlage. Das stellte auch die Expertenkommission, die die Regierung zur Impfpflicht berät und der Kollaritsch angehört, in ihrem jüngsten Bericht Ende Mai fest. Auch Klinischer Pharmakologe Markus Zeitlinger signalisierte Verständnis. Der Kronen-Impfstoff sei nach wie vor „hochwirksam“.
“Extrem wichtig” Kronen-Impfung: Impfpflicht ist nachvollziehbar
Die Impfpflicht würde nur einen geringen Prozentsatz der Bevölkerung betreffen, der vierte Punkt sei nicht dargestellt, sagte Kollaritsch der APA. Natürlich ist die Impfung selbst nach wie vor enorm wichtig, um schwere Verläufe nach einer Kroneninfektion zu verhindern. Bei einer gesetzlichen Verpflichtung ist aber auch zu bedenken, dass angesichts der neuen Varianten die Impfung für den Infektionsschutz von geringer Bedeutung ist und auch nicht als Grundkriterium zwingend erscheint. Impfung mit den neuen Varianten, also einer kritischen Belastung für das System oder einer Überlastung des Gesundheitssystems im Falle einer Infektionswelle, entsprochen würde. Hinzu kommt, dass die gesetzliche Impfpflicht erst zu einem bestimmten Zeitpunkt wirksam wird und das System daher recht „träge“ auf epidemiologische Ereignisse reagieren kann.
Generell fände Kollaritsch es angebracht, weniger über eine allgemeine als über eine gruppenspezifische Impfung nachzudenken. Unabhängig davon sollte jeder selbst abwägen, wann ein Update sinnvoll ist. Menschen mit Grunderkrankungen, Hochbetagte und Menschen, die im Alltag viel soziale Kontakte haben, sollen laut Kollaritsch mit einem vierten Punkt für einen optimalen Impfschutz sorgen.
Ende der Impfpflicht-Debatte in Österreich: „Entspanntere Gesamtlage“
Im Vergleich zu der Zeit, als in Österreich erstmals über eine Impfpflicht diskutiert wurde, sieht Zeitlinger nun eine “entspanntere Gesamtlage”. Für ihn bleibt die Impfpflicht das “unbequemste Mittel”, um Menschen impfen zu lassen.
Der Druck auf die Krankenhäuser wird wieder zunehmen
Der Druck auf den Intensivstationen hat sich vor allem durch die Grundimmunität eines Großteils der Bevölkerung durch Impfungen und übertragene Infektionen mit einer stärkeren Belastung der normalen Krankenhausbetten verringert. Unter der Annahme, dass die derzeit kursierenden Omicron-Subvarianten dominant bleiben und keine „wilde Mutante“ auftaucht, ist nicht davon auszugehen, dass dieser Druck noch einmal signifikant zunehmen wird. „So verstehe ich, dass die wenig populäre Impfpflicht jetzt abgeschafft wird“, sagt der Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni/AKH Wien.
Für diejenigen, hierzulande wohl nur wenige Menschen, die noch nicht gegen das Coronavirus geimpft sind und sich nicht angesteckt haben, „wäre eine Impfung trotzdem extrem wichtig“. Generell kommt das Thema „Long Covid“ noch zu kurz in Diskussionen um eine Strategie, die Pandemie weiterlaufen zu lassen“, sagte Zeitlinger am Donnerstag der APA.