Die traditionelle Schweizer Schokolade Toblerone wird künftig in der Slowakei hergestellt. Es reiht sich in eine ganze Reihe von Schweizer Kultprodukten ein, die im Ausland produziert werden.
23.06.2022, 19:5023.06.2022, 20:05
Konsequenzen
Eine der bekanntesten Schweizer Schokoladen, die Toblerone, verlagert ihre Produktionsstätte teilweise. Auch die Schokoladentafel in Matterhorn-Form wird künftig in der Slowakei hergestellt. Das bestätigte am Mittwoch der internationale Gastronomiekonzern Mondelez. Watson hat bereits eine Idee für ein neues Design:
Der slowakische Krivan-Gipfel sieht nicht viel anders aus als das Matterhorn. Bild: Shutterstock/Watson-Montage
Mit der Umstellung der Produktion endete eine über 100-jährige Tradition, in der die Toblerone in Bern hergestellt und in die ganze Welt verkauft wurde. Damit verliert Toblerone das Recht, sich mit der Bezeichnung „Schweizer Milchschokolade“ zu schmücken. Diese ist Schokoladen vorbehalten, die zu 100 Prozent in der Schweiz hergestellt werden.
Die Ankündigung der Marke Mondelez ist jedoch nicht überraschend. In den letzten Jahren wurde die Herstellung vieler als „Schweizer“ geltender Produkte ausgelagert, wie die folgenden Beispiele zeigen.
Lindt-Schokolade
Lindt Goldhasen werden in Deutschland hergestellt Foto: keystone
Obwohl Lindt & Sprüngli noch immer in ihren Werken in Kilchberg am Zürichsee Tafelschokoladen herstellt, werden viele ihrer Produkte in Fabriken im Ausland hergestellt. Zum Beispiel in Deutschland, Italien, Frankreich oder Österreich. Darunter sind bekannte Marken wie Lindor, Excellence und Hello.
Oder der goldene Schokoladen-Osterhase. Es wird in Deutschland produziert. Bei Lindor-Kugeln wird es kompliziert: Die roten kommen aus der Schweiz, die schwarzen aus Italien.
Kunden scheint es egal zu sein. „Konsumenten sehen Lindt als Schweizer Marke, auch wenn das Produkt aus dem Ausland kommt“, sagt Markenexperte Stefan Vogler gegenüber Blick. Die Marke ist so stark, dass selbst Schweizer Schokoladenpatrioten verführt werden.
Anders als „Schweizer Milchschokolade“ ist der Slogan „Maître Chocolatier Suisse“ nicht geschützt. Infolgedessen wissen die meisten Verbraucher möglicherweise nicht einmal, dass Schokolade aus dem Ausland kommen kann.
Elmex Zahnpasta
Unverzichtbar in jedem guten Schweizer Spa: Elmex Zahnpasta. Bild: KEYSTONE
Auch Schweizer Nationalzahnpasta wird nicht mehr in der Schweiz produziert. Elmex wurde vor 60 Jahren von der Basler Firma Gaba zusammen mit dem Zahnmedizinischen Institut der Universität Zürich entwickelt und wird seither im Werk des Unternehmens in Therwil hergestellt. Gaba ist übrigens eine Abkürzung für die 1638 gegründete „Goldene Apotheke Basel“ und einer der ältesten lokalen Handelsnamen.
2004 wurde die Gaba Internationals AG vom US-Konsumgüterriesen Colgate-Palmolive geschluckt. Elmex wurde noch acht Jahre in der Schweiz produziert, und 2012 dann die Hiobsbotschaft: Die gesamte Produktion wurde nach Swidnica in Polen verlegt.
Swatch-Uhren
Ein Swatch-Shop an der Bahnhofstrasse in Zürich. Bild: Schlussstein
Kaum eine Produktkategorie profitiert sowohl vom „Swiss Made“-Label als auch von den Uhren. Dafür müssen mindestens 60 Prozent der Produktionskosten einer Uhr in der Schweiz anfallen.
Die Swatch Group hat ihr gesamtes Unternehmen um diese Schweiz herum aufgebaut. Wenig überraschend begann 2019 ein Durchsickern in Mitarbeiterkreisen. Als Folge wurden einige Zifferblätter auf Uhren der Swatch Group in Thailand gefertigt, darunter der Schriftzug „Swiss Made“.
Das Unternehmen betonte damals, es handele sich um einen “geringfügigen Teil der im Ausland hergestellten Kugeln”.
Maggi
Das legendäre Maggi-Gewürz wird in Deutschland hergestellt Bild: Shutterstock
Die Maggi AG wurde 1886 von Julius Maggi in Cham ZG gegründet. Im selben Jahr wurden die ersten Instant-Suppen und das legendäre Maggi-Gewürz lanciert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Maggi 1947 von Nestlé übernommen.
Die Schweizer Version der Sojasauce gibt es also schon lange. Vegane Gewürzsoße wird seit jeher in Deutschland hergestellt, genauer gesagt in Singen.
Zu meinem
Historisches Werbeplakat für Thomys Senf (1947) Foto: wikimedia
Ähnlich verhält es sich mit Thomy. 1907 begann Fritz Thomi-Schaad mit dem Verkauf von Senf in der Schweiz, damals noch mit Steingutkrügen. 1934 kam dann die große Innovation: Senf in Tuben, eine Art Lebensmittelverpackung, die vorher nicht verwendet wurde. Im selben Jahr wurde aus dem „i“ ein „y“, um Produkte international besser vermarkten zu können. 1951 wurde das Portfolio um Mayonnaise erweitert: Es war die erste industriell hergestellte Mayonnaise in Europa. Seit 1971 ist das Unternehmen im Besitz von Nestlé.
Am Produktionsstandort Basel werden zwar immer noch tausende Tonnen Mayonnaise und Senf produziert, aber auch in Neuss, Deutschland, werden Thomy-Produkte hergestellt. Und seit 2020 wird Thomy Ketchup in Polen hergestellt.
Kleiner Exkurs zur Swissness: 2017 musste Thomy-Mayo nach Inkrafttreten des Swissness-Gesetzes das Schweizerkreuz aus seinen Tuben entfernen, weil zu viele verarbeitete Eier aus dem Ausland kamen.
Sugus
SUGUS, SU-SU-SUUGUS. Wer die 80er schon erlebt hat, wird jetzt eine eingängige Melodie haben. Für die jüngeren Generationen hier:
Das legendäre Schweizer Bonbon stammt ursprünglich vom Neuenburger Schokoladenhersteller Suchard. 1929 suchte der damalige Direktor von Suchard nach Alternativen zu Schokoladenprodukten, denn Kakao war damals kaum auszuhalten. Fündig wurde er in Krakau, wo die polnische Tochtergesellschaft des Unternehmens ein saftiges Bonbon in Lizenz herstellte. 1931 kam der Sugus in der Schweiz auf den Markt.
Heute gehört Sugus zum amerikanischen Unternehmen Wrigley; der wiederum zur Gruppe der Mars gehört. Und die Sugus werden nicht mehr in der Schweiz hergestellt. Aber in Frankreich.
Gurken-Schokolade
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Gurken-Schokolade
Schrift: Stefan Zimmermann
Deshalb mögen die Chinesen keine Schweizer Schokolade
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