Lufthansa streicht im Sommer fast 3.000 Flüge; es fehlt zum Beispiel an Personal, das einen A350 (Foto) fliegen kann. Foto: Sven Hoppe / dpa
Spätestens in den Sommerferien drohen aufgrund von Personalengpässen chaotische Zustände an deutschen Flughäfen. Vor allem die Lufthansa macht mit Hiobsbotschaften auf sich aufmerksam.
Annullierte Flüge von Lufthansa, Eurowings und easyJet, lange Schlangen an den Check-in-Schaltern, Berge von Gepäck – Passagiere werden bereits getestet. Und auch in den Sommerferien bessert sich die Situation nicht. Wo: Einige Flughäfen, wie der Flughafen Stuttgart, scheinen gut vorbereitet zu sein. Alle Informationen zur aktuellen Situation auf einen Blick.
Nach Corona droht Chaos auf Flughäfen
Die Reisebranche erholt sich langsam von den Corona-Wellen, obwohl in Flugzeugen immer noch Maskenpflicht besteht. Personalmangel herrscht jedoch überall, am Boden und in der Luft: in der Passagierkontrolle, bei Flugbegleitern, bei allen Dienstleistern. Seit Beginn der Corona-Krise hatten viele Unternehmen die Zahl der Beschäftigten reduziert. Viele haben andere Jobs gefunden und sind nicht zu Fluggesellschaften und Flughäfen zurückgekehrt.
Lufthansa und Eurowings: Welche Flüge werden gestrichen?
Mehrere Fluggesellschaften streichen Flüge, darunter Lufthansa und Eurowings. Klar ist: Lufthansa streicht 900 Flüge innerhalb Deutschlands und Europas aus dem Juli-Flugplan. Besonders betroffen sind Flüge am Freitag, Samstag und Sonntag. Bei der Airline Kranich entspricht dies einer Kapazitätsreduzierung am Wochenende um rund fünf Prozent. Auch Eurowings streicht im Sommer Juli mehrere hundert Flüge und hat damit im Juni begonnen.
Nur zwei Wochen nach dieser Lufthansa-Ankündigung musste die Kranich-Airline laut Bild oben am 23. Juni erneut Hiobsbotschaften vermelden. Aufgrund des dramatischen Personalmangels an Bord und an Land werden weitere 2.200 Flüge gestrichen. Betroffen sind erneut Inlands- und Europaflüge, vor allem in den Drehkreuzen Frankfurt und München. Rund 80.000 Flüge werden im Sommer normalerweise an den Lufthansa-Drehkreuzen durchgeführt, jetzt mindestens 2.200 weniger.
Verbindungen fallen nicht nur am Wochenende, sondern auch werktags aus. „Darüber hinaus kann es auch zu Flugplanänderungen kommen“, sagte er. Übrigens macht Eurowings derzeit dasselbe. Die Lufthansa-Tochter kommuniziert die Zahl der Annullierungen zwar nicht so transparent wie der Mutterkonzern, aber die Abflugzeiten im Sommer ändern sich bereits.
Lufthansa streicht insgesamt 3100 Flüge: Ist mein Urlaub auf Mallorca in Gefahr?
Klassische Urlaubsziele, die in der Ferienzeit gut belegt sind, sind laut Lufthansa nicht von Flugausfällen betroffen. Es gab jedoch keine Informationen darüber, was die “klassischen Urlaubsziele” sind. Da Anbieter wie Tui typischerweise keine Flugzeuge des Lufthansa-Konzerns einsetzen, sondern Charteranbieter bevorzugen, ist noch unklar, ob dies beispielsweise für Pauschalreisende signifikante Auswirkungen haben wird.
Warum wurden im Juni so viele Eurowings-Flüge gestrichen?
Besonders dramatisch war das letzte Wochenende der Pfingstferien in Nordrhein-Westfalen an den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn nach den spontanen Streichungen von Eurowings-Flügen. Einer der Gründe für die Annullierungen ist ein hoher Krankenstand beim Airline-Personal. Eine Eurowings-Sprecherin sagte, der Anstieg der Kroneninfektionen sei nicht verschont geblieben. „Die erstaunlichen Stornierungen überstiegen kurzzeitig unsere Buchungen, weshalb wir leider einige Flüge nicht durchführen konnten.“ Eurowings bedauert die Unannehmlichkeiten und versuche, “allen betroffenen Passagieren schnellstmöglich eine Alternativlösung anzubieten und bei Vorliegen der Voraussetzungen eine Entschädigungszahlung zu leisten”.
Jeder neunte Eurowings-Einsatz in Düsseldorf wurde am Dienstag abgesagt. In Stuttgart gab es insgesamt nur vier Abflüge bzw. Ankünfte, die storniert werden mussten. Deutschlandweit gab es am Dienstag (21. Juni) 48 Stornierungen bei Eurowings. Am 22. Juni wird voraussichtlich 55 Mal ein Flug gestrichen. Im Laufe des Vormittags offenbarte sich ein Schreckensbild: 83 Flüge wurden gestrichen, 13 davon am Stuttgarter Flughafen.
Und am Donnerstag, 23. Juni, geht es weiter mit Flugausfällen: Planmäßig sagt er 39 Mal „storniert“. Am Freitag gibt es bisher 29 Flugausfälle. Am Samstag, 25. Juni, wird es 35 Flugstreichungen geben, am Sonntag 37. Es ist davon auszugehen, dass es noch mehr Streichungen geben wird.
Welche Lufthansa- und Eurowings-Flüge fallen aus?
- Welcher Zeitraum ist von Flugausfällen betroffen? Bis Juli 2022
- Welche Flüge sind betroffen? Flüge innerhalb Deutschlands und Europas
- Wie viele Flüge werden gestrichen? 900 bei Lufthansa, mehrere Hundert bei Eurowings
Das sollten Lufthansa- und Eurowings-Passagiere bedenken
Lufthansa verpflichtet sich, Fluggäste bei Annullierungen zumindest umgehend zu informieren. Umbuchungen auf andere Flüge der Lufthansa oder der Eurowings-Tochter sind möglich, sofern Sitzplätze verfügbar sind. Laut Lufthansa ist ein Umstieg auf die Deutsche Bahn auch für Inlandsflüge bis 48 Stunden vor dem eigentlichen Abflug möglich.
Eurowings bietet Umbuchungen, Fluggutscheine oder eine Rückerstattung an. Buchungen für Eurowings Flüge nach Lufthansa, Österreich oder in die Schweiz sind grundsätzlich nicht umbuchbar.
Eurowings und Lufthansa streichen Flüge: Wurde mein Flug gestrichen? So können sich Fahrgäste informieren
Bei Eurowings ist das ziemlich einfach, zumindest für die nächsten 72 Stunden. In diesem Zeitraum listet die Fluggesellschaft alle gestrichenen Flüge auf der Website von Eurowings auf. Auch die Verzögerungen werden hier deutlich angezeigt.
Nicht so bei Lufthansa. Lufthansa verpflichtet sich zwar, die Betroffenen über Flugausfälle per E-Mail oder Telefon zu informieren, aber wenn die Kontaktdaten nicht vollständig vorliegen, muss der Reisende den Status des Fluges selbst auf der Website der Lufthansa überprüfen: Der aktuelle Status kann nur angezeigt werden dort per Reservierungscode konsultiert werden, wie ein Lufthansa-Sprecher unserer Redaktion mitteilte. Auch bei easyJet sind stornierte Flüge nur über den Buchungscode sichtbar.
Annullierter Eurowings- oder Lufthansa-Flug: Diese Rechte haben Fluggäste
Ausschlaggebend für die Geltendmachung der pauschalen Entschädigung ist, wann die Fluggäste „über die Annullierung informiert wurden und ob die Fluggesellschaft ihnen einen Ersatzflug mit nur geringfügig von dem annullierten Flugplan abweichenden Flugplänen angeboten hat“, informiert der Verbraucher Baden-Württemberg. Beratungsstelle. Zahlreiche Portale helfen bei der Berechnung möglicher Ansprüche, darunter die Flugärger-App der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Informationen zu Fahrgastrechten finden Sie auch auf der Internetseite der Bundesregierung.
Ein Beispiel: Erfährt ein Reisender erst am Flughafen (oder weniger als sieben Tage vor Abflug) von der Annullierung eines Fluges zum Beispiel nach Wien und der Ankunft in der Hauptstadt Österreichs, kann dies nur mit einer Verspätung von mehr erfolgen zwei Stunden trotz möglicher Umbuchung, dann ist aufgrund der geringen Entfernung eine Entschädigung von 250 Euro möglich. Grundsätzlich gilt: Je früher Sie von den Flugplanänderungen erfahren, desto größere Abweichungen müssen Sie im Vergleich zur ursprünglichen Flugzeit hinnehmen.
Kündigungsfristen
Avisierungszeit alternativer Abflug alternative Ankunft 7 bis 14 Tage vor Abflug maximal 2 Stunden vor maximal 4 Stunden nach <7 Tage vor Abflug maximal 1 Stunde vor maximal 2 Stunden danach
Personalmangel am Flughafen: Das sagen Experten zur Situation
Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, Ralph Beisel, rechnete kürzlich vor, dass im Vergleich zur Vor-Krone-Zeit 20 Prozent des Bodenpersonals fehlen würden. Auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) warnte in den Sommerferien vor Personalengpässen in der Reise- und Transportbranche.
Marija Linnhoff, Vorsitzende des Verbands unabhängiger autonomer Reisebüros, sagte: „Wie üblich gibt es nur einen Plan B, wenn die Uhr fünfzehn schlägt. Das können wir uns nicht leisten, und deshalb müssen wir jetzt endlich handeln.“ im Interesse der Reisenden und der gesamten Branche“.
Beide Bodenmitarbeiter sind in den Sommerurlaub gegangen
Verbessern sich die Aussichten? Lieber nicht! Verkehrsminister Wissing schlug der „Bild am Sonntag“ sogar eine „Arbeiterinitiative zur Fachkräftegewinnung“ vor. Woher sie kommen sollen: unklar. Wirtschaftsgremien an Flughäfen in Deutschland und Österreich warnten bereits Ende Mai vor einem Systemzusammenbruch. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi werden in Deutschland derzeit mehr als 5.500 Beschäftigte vermisst, allein in Frankfurt und München etwa 3.000.
Zumindest in Frankfurt nimmt das Problem bereits seltsame Ausmaße an: Der Flughafenbetreiber Fraport will wegen Personalmangels sogar Mitarbeiter der Verwaltung und sogar des Vorstands für das Flughafenmanagement einsetzen. Eine Sprecherin berichtete, dass beispielsweise Verwaltungsangestellte die Frachtcrew im Flugzeug führen könnten.
Mangel an Sicherheitspersonal: Wartezeit am Flughafen Stuttgart
Die Sicherheitskontrollen am Flughafen Stuttgart können derzeit länger warten. Allerdings: Für die Sommerferien hofft Pressesprecherin Beate Schleicher auf einen reibungslosen Ablauf. „Die Pfingstferien waren unser Test, und es hat mit viel mehr Verkehr wirklich gut funktioniert“, sagte er …