Bauherren gehen vor der Lohndemonstration in Zürich in die Offensive

Gespräch: Martin Schmidt

Für Büezer steht derzeit bei den Verhandlungen über einen neuen Landesrahmenvertrag (LMV) viel auf dem Spiel. Die Gewerkschaften und der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) wehren sich dagegen. „Die Bauherren rücken erst an den Verhandlungstisch, wenn wir ins Werk und auf die Straße ziehen“, sagt die Gewerkschaft. Deshalb rufen Unia und Syna für diesen Samstag zu einer grossen Baudemonstration in Zürich auf. SBV-Präsident Gian-Luca Lardi (52) steuert gegen und geht im Blick-Interview nun selbst in die Offensive.

Blick: Gewerkschaften gehen bei laufenden Verhandlungen auf die Straße. Was denkst du? Gian-Luca Lardi: Die Gewerkschaften haben das Datum einer Demonstration angekündigt, bevor sie überhaupt mit den Verhandlungen begonnen haben. Also noch bevor wir unsere Bedenken hörten. Das ist ziemlich aufschlussreich. Gerade im Baugewerbe gibt es Gewerkschaften, die aus Marketinggründen Demonstrationen organisieren, unabhängig vom eigentlichen Verhandlungsverlauf.

Steigen Baumeister deshalb mit Wut im Bauch in Verhandlungen?Ich lebe in der Branche in einer absolut entspannten Atmosphäre, frei von jeglichem Hass. Bauarbeiter bei Demonstrationen machen meist nur einen geringen Anteil aus. Viele Demonstranten sind Gewerkschaftsangestellte oder andere, die für ihre Teilnahme eine Bezahlung erhalten. Sie rufen auch Familie, Freunde und Kollegen auf, sich an der Demonstration zu beteiligen.

Das Parlament hat von den Gewerkschaften mehr Transparenz gefordert, wofür sie die Mittel der paritätischen Ausschüsse verwenden. An der Kritik am Ständerat ist etwas dran: Es sei einfacher, Mitglieder zu mobilisieren, wenn man ihnen jährlich mehrere Hundert Franken zurückerstatten könne. Politiker stellen die Legitimität dieser Finanzströme in Frage. Auch hier sehen wir Handlungsbedarf und werden ihn mit den Gewerkschaften ansprechen.

Der Baupräsident

Gian-Luca Lardi (52) ist seit Anfang 2015 Präsident des SBV Schweizerischer Baumeisterverband. Der italienischsprachige Schweizer Bauunternehmer wurde von der Generalversammlung des SBV Anfang Mai für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Lardi hat Bauingenieurwesen an der ETH Zürich studiert und verfügt über einen MBA in General Management.

Gian-Luca Lardi (52) ist seit Anfang 2015 Präsident des SBV Schweizerischer Baumeisterverband. Der italienischsprachige Schweizer Bauunternehmer wurde von der Generalversammlung des SBV Anfang Mai für weitere vier Jahre im Amt bestätigt. Lardi hat Bauingenieurwesen an der ETH Zürich studiert und verfügt über einen MBA in General Management.

Wie sieht es mit der Transparenz gegenüber Vorarbeitern aus? Eine glaubwürdige Sozialpartnerschaft braucht Transparenz. Vom Arbeitgeber verteidigen wir es. Der Sozialverband ermöglicht es, an den Sektor angepasste Lösungen zu finden. Sie sind oft besser als allgemeine gesetzliche Regelungen. Das Ansehen des Sozialverbandes ist für uns ein grundlegender Wert.

Wo stehen Sie in den Verhandlungen zum neuen Landesrahmenvertrag? Auf halber Strecke. In den bisherigen Verhandlungsrunden haben wir uns auf die gemeinsamen Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern konzentriert. Die Gespräche sind konstruktiv und finden in entspannter Atmosphäre statt. Das war nicht von Anfang an so. Wir haben bereits festgestellt, dass Gewerkschaften nur selten über gemeinsame Interessen sprechen. Aber jetzt bin ich etwas optimistisch.

Haben Sie flexible Arbeitszeiten im Vertrag? Flexibilität muss anders gesehen werden. Wie können wir zum einen den Arbeitstag über das Jahr verteilen und zum anderen, wie viele Stunden pro Woche gearbeitet werden können. Mit Blick auf die Gesundheit der Arbeitnehmer interessiert es uns auch nicht, dass jede Woche unendlich viele Stunden eliminiert werden können.

Aber? Unsere Mitgliedsunternehmen brauchen das ganze Jahr über mehr Flexibilität. Dies betrifft insbesondere das Berggebiet mit seinen saisonalen Schwankungen. Wir sprechen hier nicht von 70-Stunden-Wochen oder ähnlichem, sondern von der Möglichkeit, einfacher und flexibler auf die spezifischen Gegebenheiten des Unternehmens reagieren zu können und einzelne Stunden im Rahmen des Jahrestages anders planen zu können. Std.

Sektionen des Baumeisterverbandes forderten mehrfach bezahlbare Löhne. Erleiden manche Büezern Lohneinbußen? Natürlich sind Löhne auch ein wichtiger Bestandteil in Verhandlungen. Allerdings haben wir im Rahmen der LMV-Verhandlungen nie von einer Senkung des Mindestlohns gesprochen. Heute zahlen wir die höchsten Handwerkergehälter in Europa und sind offen für Lohnerhöhungen. Aber es ist immer eine Frage des Gebens und Nehmens.

Kritik am “Geschäftsmodell der Gewerkschaften”

„Das Parlament fordert in einem Antrag mehr Transparenz in den Gewerkschaften. Derzeit zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Gelder in sogenannte Ausführungsfonds ein, die die Aufgaben gemeinsamer Kommissionen finanzieren. Gewerkschaften geben ihren Mitgliedern bis zu 80 Prozent des Mitgliedsbeitrags durch sogenannte Bestechungsgelder zurück, die aus diesem Fonds finanziert werden. „Die Praktika, die hier in den letzten Jahren vermittelt wurden, haben mit dem Verwendungszweck der Mittel nicht mehr viel zu tun. Das scheint ein Geschäftsmodell für Gewerkschaften zu sein“, kritisiert Zentralrat Othmar Reichmuth (58). Sie können Mitgliedsbeiträge finanzieren“, sagt Reichmuth. Unia-Sprecher Christian Capacoel entgegnet: „Das stimmt nicht. Es gibt keine Reduzierung der Mitgliedsbeiträge.” Die Teilrückerstattung des Berufsbeitrags dient dazu, dass die Gewerkschaftsmitglieder nicht doppelt zahlen müssen. „Gerade das Ziel des Prinzips ist es, dass Nichtmitglieder nicht nur von den Vorteilen des LMV profitieren, sondern auch daran teilhaben.“ Die Unia finanziert die Kundgebung am Samstag übrigens mit Mitgliedsbeiträgen. Martin Schmidt

„Das Parlament fordert in einem Antrag mehr Transparenz in den Gewerkschaften. Derzeit zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Gelder in sogenannte Ausführungsfonds ein, die die Aufgaben gemeinsamer Kommissionen finanzieren. Gewerkschaften geben ihren Mitgliedern bis zu 80 Prozent des Mitgliedsbeitrags durch sogenannte Bestechungsgelder zurück, die aus diesem Fonds finanziert werden. „Die Praktika, die hier in den letzten Jahren vermittelt wurden, haben mit dem Verwendungszweck der Mittel nicht mehr viel zu tun. Das scheint ein Geschäftsmodell für Gewerkschaften zu sein“, kritisiert Zentralrat Othmar Reichmuth (58). Sie können Mitgliedsbeiträge finanzieren“, sagt Reichmuth. Unia-Sprecher Christian Capacoel entgegnet: „Das stimmt nicht. Es gibt keine Reduzierung der Mitgliedsbeiträge.” Die Teilrückerstattung des Berufsbeitrags dient dazu, dass die Gewerkschaftsmitglieder nicht doppelt zahlen müssen. „Gerade das Ziel des Prinzips ist es, dass Nichtmitglieder nicht nur von den Vorteilen des LMV profitieren, sondern auch daran teilhaben.“ Die Unia finanziert die Kundgebung am Samstag übrigens mit Mitgliedsbeiträgen. Martin Schmidt

Verhandlungen in der Baubranche

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *