Großbrand in Dresden: Brand unter Kontrolle, das Industriegebäude ist weiterhin einsturzgefährdet
Bei einem Brand auf dem Dresdner Industriegelände ist ein Geschäftshaus zerstört worden. Besonders betroffen sind die Firma „Nestler“ und der Techno-Club „Sector Evolution“. Die Musikszene steht unter Schock.
Von Christoph Springer und Georg-Dietrich Nixdorf und Dirk Hein
5 min Nach der Flammenwand: Schaumbrandruine im Dresdner Industriegebiet © Dirk Hein
Update, Samstag 16:30 Uhr: Das Feuer ist unter Kontrolle. Die Feuerwehr habe nach wie vor „zahlreiche Einsatzkräfte“ vor Ort, sagt Sprecher Michael Klahre. Das Gebäude ist jedoch weiterhin einsturzgefährdet. Der größte Teil des Feuers war mit einer Schaumdecke bedeckt, aber darunter brannte es stellenweise weiter. Die zerrissene Schaumdecke versorgt das Feuer weiterhin mit Sauerstoff.
Die gute Nachricht: Es gibt noch keine Verletzten, auch nicht unter den Helfern.
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Das Raumunternehmen „Nestler“ und das THW unterstützten die schwere Brandbekämpfung, so Klahre weiter.
Benutzern von Proberäumen ist der Zutritt zum Objekt untersagt. Als Grund dafür gibt Michael Klahre die Sicherheitslage und anschließende polizeiliche Ermittlungen an. Aber Sie haben Verständnis dafür, Objekte retten zu wollen.
So haben wir bisher über den Großbrand berichtet:
Am Samstagmorgen ist die Halle des Industriegebäudes im Norden der Stadt ein Ort der Zerstörung. Ruinen sind zu sehen und ein beißender Gestank liegt in der Luft. Immer wieder treffen entsetzte Beobachter ein.
Noch sind 80 Feuerwehrleute vor Ort, rund 100 seiner Teamkollegen waren über Nacht im Einsatz. Ein Geschäftshaus war in Brand geraten, die Flammen im Gewerbegebiet Königsbrücker Straße hatten große Auswirkungen auf die Nacht.
Das Feuer sei aus noch nicht geklärter Ursache in einem Gebäude ausgebrochen, sagte ein Polizeisprecher. Das Fabrikgebäude beherbergte auch den bekannten Technoclub „Sektor Evolution“.
Das gesamte Gebäude ist akut einsturzgefährdet
Vereinsverantwortliche berichteten am Samstagmorgen via Social Media, dass der Verein „bisher von den Flammen verschont geblieben“ sei. Welche Schäden beispielsweise das Löschwasser hinterlassen wird, ist unklar. Die Einsatzleitung von Polizei und Feuerwehr zeigte sich vor Ort nicht sehr optimistisch. Das gesamte Gebäude ist akut einsturzgefährdet.
Außerdem sollen Proberäume von vermutlich mehr als 100 Bands aus Dresden, die sich ebenfalls in dem Komplex befinden, stark betroffen sein. Mit wohl mehr als 35 Zimmern hat sich hier der größte Anbieter angesiedelt. Viele Bands sind an diesem Samstagmorgen vor Ort und wollen ihren Proberaum räumen. Es gibt keine Möglichkeit. „Es ist eine Katastrophe für die gesamte Dresdner Musikszene, wir haben weder Material noch Proberaum mehr“, sagt Florian Helling von der Punkband „Dosenstolz“. Er schätzt, dass etwa 100 Bands betroffen sind, andere Schätzungen gehen von bis zu 200 Bands aus. In seinem Proberaum standen mehrere Bands, den Schaden schätzt er allein für den Raum auf etwa 10.000 Euro.
Feuerwehrleute werden sich am Samstagmorgen zum aktuellen Stand äußern, das Feuer ist noch nicht gelöscht. Feuerwehrleute breiteten Schaum über große Bereiche der Gebäudereste in Flammen und Rauch aus. Der Komplex ist einsturzgefährdet, was ein Löschen erschwert, da nicht alle Brandherde erreicht werden, so Sprecher Michael Klahre. Daher wurde ein Drohnengeschwader angefordert.
Inzwischen gibt es noch viel Rauch. Aus diesem Grund warnt die Feuerwehr alle Anwohner und bittet darum, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Aktuell zieht der Rauch in Richtung Dresdner Heide. Wanderer sollten den Priesnitzgrund meiden, heißt es. Dort sammelt sich giftiger Rauch.
Ansonsten kann es in verschiedenen Teilen der Landeshauptstadt zu Geruchsbelästigungen kommen.
Am Samstagmorgen forderte die Feuerwehr schließlich die Freischaltung des Notrufs. Da fragen sich viele in Dresden, was passiert ist. Glücklicherweise wurde bei dem Brand bisher niemand verletzt.
Die Feuerwehr wurde um 21.29 Uhr per Notruf alarmiert. Etwa 100 Feuerwehrleute seien zunächst im Einsatz gewesen, bestätigte ein Leiter der Leitstelle Übigau am Freitagabend auf SZ-Anfrage.
Die Technoclubbranche sagt Veranstaltungen ab
Damals sagten Techno-Club-Betreiber via Facebook alle Veranstaltungen ab und bedankten sich bei der Feuerwehr. „Die Feuerwehr tut jetzt alles, um unseren Teil zu retten. Danke, Feuerwehr Dresden“, sagt er.
Am Samstagvormittag äußerte sich auch Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert zum Geschehen. Am Vormittag war er mit der Einsatzzentrale vor Ort und sprach auch mit Vertretern des betroffenen Clubs „Sector Evolution“ und der Firma Nestler. „Hier brauchen wir pragmatische und schnelle Lösungen, damit es eine Perspektive gibt für den Verein, die Proberäume, die davon abhängigen Existenzen.“ Er, Hilbert, werde sich schnellstmöglich mit Bürgermeister Klepsch beraten.
Die Firma Nestler verfügt laut Hilbert über zwei eigene Abfallbehandlungsanlagen, ein Zwischenlager für gefährliche und ungefährliche Abfälle und eine Baumischabfall-Sortieranlage mit Ballenpresse. Am Montag werden gemeinsam mit dem Umweltamt Lösungen zur Unterstützung gesucht.
Auch Eva Jähnigen, Bürgermeisterkandidatin der Grünen, zeigte sich bestürzt. „Der Brand ist schon jetzt eine Tragödie für die Dresdner Kultur, da es an bezahlbaren Proberäumen und lärmtoleranten Veranstaltungsorten für Clubs mangelte. Die Kultur- und Elektroszene der Band mit ihren unzähligen Machern und Kulturbegeisterten sind Teil der Kulturstadt Dresden und gehören dazu wichtiger Anker für viele Menschen in der Stadt.“
Feuerwehrleute im brennenden Gebäude des Industriegebiets. ©Alexander Fuhrmann
Brandserie in Dresden
Am Donnerstag brachen mehrere Brände aus. In einem Waldstück bei Hellerau musste die Feuerwehr drei Brände löschen. Dann am Freitagmorgen brannte es wieder. Mehr als 2.500 Quadratmeter waren betroffen. Die Polizei vermutet in diesem Fall einen Wohnungsbrand.
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