“Das Klima der Angst”
Skandal im Schweizer Synchronschwimmen
Der Schweizer Schwimmverband hat ein grosses Problem. Betroffen ist das Synchronschwimmen, wo Vetternwirtschaft und Trainingsmethoden oberhalb der Schmerzgrenze an der Tagesordnung sind. Der Skandal hat bereits seinen Tribut gefordert.
Veröffentlichung: 20.48 Uhr
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Aktualisiert: vor 18 Minuten
Im Frühjahr 2021 träumte Synchronschwimmerin Joelle Peschl noch von Olympia in Tokio. Nun erhebt die 23-Jährige schwere Vorwürfe gegen die Bedingungen ihres Sports. «Ich habe das Gefühl, du bist kein Mensch auf dieser Welt», sagt Peschl gegenüber SRF. Inzwischen hat er dem Spitzensport den Rücken gekehrt: “Ich kann nicht in dieser Welt bleiben, weil ich sie kaputt machen werde.”
Offenbar ist Peschl kein Einzelfall. Gemäss einem internen Dokument ist das Schweizer Synchronschwimmen geprägt von Chaos, Vetternwirtschaft und zu harten Trainingsmethoden. Von einem “Klima der Angst” ist die Rede und das Niveau der Richter wird als “katastrophal” bezeichnet. Eltern oder Trainer sind oft Teil der Jury und favorisieren ihre eigenen Athleten. Peischl erklärt: „Ein Richter hat uns einfach gesagt; Tut mir leid, du bist eindeutig besser. Aber er musste nach anderen urteilen. Und da habe ich als Schwimmer meine Welt nicht mehr verstanden“.
Co-Sportdirektoren treten zurück
Im Training herrscht eine vergiftete Atmosphäre: Schreie, Beleidigungen, Drohungen, anzügliche Kommentare, Essensverbote. Es gibt auch Methoden jenseits der Schmerzgrenze. “Du drückst nur die Divisionen runter. Du weinst viel, weil du große Schmerzen hast”, berichtet Peschl. “Nicht weniger wichtig für interne Streitigkeiten” Peschl und seine Partnerin Vivienne Koch konnten sich nicht für Olympia qualifizieren.
Die beiden Co-Sportdirektoren von «Artistic Swimming», Markus Thöni und Patricia Fahrni, weisen jegliche Kritik zurück: «Die geistige und körperliche Gesundheit unserer Athletinnen und Athleten hat für uns oberste Priorität. Aggressionen werden nicht geduldet.» Nach der Veröffentlichung des Berichts am Montag gaben Thöni und Fahrni ihren Rücktritt bekannt.
Im gleichen Schwimmverband müssen die Missstände schon lange bekannt sein. Auch die Methoden des Synchronschwimmens werden seit Mai untersucht. (cmu)