Novartis baut Stellen ab, das ist keine Überraschung

29.06.2022, 10:2429.06.2022, 11:21

Novartis baut in der Schweiz 1400 Stellen ab. Das entspricht jedem achten Arbeitsplatz des Konzerns in Deutschland. Insgesamt werden in den nächsten Jahren weltweit bis zu 8.000 der derzeit 108.000 Stellen abgebaut.

Ganz überraschend kommt diese Nachricht nicht, denn der Pharmakonzern hatte bereits im April angekündigt, sich mit einer neuen Organisationsstruktur ausstatten zu wollen.

Welche Mitarbeiter sind betroffen?

Es werden nur Büro- oder Personalstellen abgebaut, keine Forschungs- oder Entwicklungsstellen.

Novartis plant, die kommerziellen Organisationen zweier Geschäftseinheiten zusammenzulegen: Pharmaceuticals (patentgeschützte Medikamente) und Oncology (Krebsbehandlung).

Bisher operierte jedes Land auf zwei Arten und jeder der beiden Bereiche hatte seine eigene Abteilung für Marketing, Recht, Personalwesen, Finanzen oder Kommunikation und so weiter. Jetzt soll sich das ändern. Die NZZ schreibt, dass auch viele Führungspositionen von der Umstrukturierung betroffen sein werden.

Gleichzeitig wird dieser neue Pharma-Geschäftsbereich in zwei operativ eigenständige Geschäftsbereiche aufgeteilt: das finanzstarke US-Geschäft einerseits und die restlichen Länder als Einheit andererseits.

Unter anderem will Novartis mit dieser Fusion die Gemeinkosten und den Umsatz bis 2024 um mindestens 1 Milliarde US-Dollar reduzieren.

Auf dem Dach eines Novartis-Gebäudes in Basel Bild: KEYSTONE

Was ist jetzt mit den Mitarbeitern?

Die Umstrukturierung werde „die nächsten drei Jahre“ dauern. Weitere Details hat das Pharmaunternehmen noch nicht bekannt gegeben. „In den kommenden Wochen“ soll mehr berichtet werden.

In einer Erklärung sichert die Konzernleitung zu, alle betroffenen Mitarbeiter “fair und transparent zu behandeln”.

Im Rahmen eines Sozialplans müssten Mitarbeiter individuell betreut werden durch „Beschäftigung, Unterstützung durch ein Career Center, bessere Vermittlungs- und Entwicklungsmaßnahmen“.

Was passiert nun mit dem Campus Basel?

Besonders betroffen von den Entlassungen sei die Basler Zentrale, schreibt das «Tagblatt».

Gemäss NZZ würden die derzeit in Basel ansässigen Stellen im Einkauf und in der Informatik nicht nur abgebaut, sondern teilweise auch von Basel in bestehende Dienstleistungszentren im Ausland verlagert.

In den letzten Jahren wurde deutlich, dass das gigantische Bauprojekt zu großzügig geplant ist, um nur Novartis-Mitarbeiter unterzubringen.

So eröffnete der Konzern ab 2021 den sogenannten „Novartis Campus“ für Unternehmen der Life-Sciences-Branche und Anbieter von Digital-Health-Lösungen.

Novartis Hauptsitz in BaselBild: sda

Das sagen Sozialagenten

Auf Twitter äußerte sich der Schweizer Arbeitnehmerverband empört über den „massiven Stellenabbau“:

Zum Stellenabbau in Basel sagte Pierre Derivaz, Bereichsleiter bei Angestellten Schweiz, in einer Mitteilung:

„Wir lassen Novartis unseren Industriestandort Basel nicht zerstören. (…) Wir werden Novartis-Mitarbeiter sicherlich nicht in ihrer Reichweite lassen und alles tun, um die Novartis-Arbeitsplätze in der Schweiz zu erhalten und zu sichern.

Der Dachverband der Arbeitnehmerverbände, unter anderem der Chemie- und Pharmaindustrie, fordert Novartis nun auf, die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland zu überdenken und externe gesellschaftliche Akteure einzubeziehen, um langfristige Perspektiven zu bieten.

(lecker)

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