CHRONIK
Die Volkshilfe gibt Supermarkt-Gutscheine an ukrainische Flüchtlinge aus. Doch die Spenden sind eingebrochen: Die Volkshilfe befürchtet, bald keine Essensgutscheine mehr verteilen zu können. Rufe nach einer Verbesserung der Grundversorgung werden lauter.
30.06.2022 05.30
Online seit gestern, 5.30 Uhr (Update: gestern, 7.15 Uhr)
Schon vor den Öffnungszeiten versammeln sich Menschen vor dem Volkshilfestützpunkt und stehen Schlange. „Wir haben jeden Tag nur 100 Essensgutscheine im Wert von zehn Euro“, sagt Mostafa Afes, Mitarbeiter der Volkshilfe. Wenn ein Gutschein ausgestellt wird, wird der DNI überprüft. „Wir können jeder Familie nur vier Gutscheine ausstellen“, sagt Mostafa Afes, der selbst vor acht Jahren aus Syrien geflohen ist.
Humanitäre Organisationen bitten selbst um Hilfe
Immer mehr Hilfsorganisationen bitten um Hilfe, insbesondere wenn es um die Unterstützung der Ukraine geht. Vor allem wird es immer schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich, Flüchtlinge mit Lebensmitteln zu versorgen.
Mangel an Spenden
Doch die 40-Euro-Lebensmittelgutscheine, die ukrainische Flüchtlinge der Volkshilfe erhalten, sind bedroht. Aufgrund sinkender Spenden befürchtet die Volkshilfe, bald keine Gutscheine mehr ausstellen zu können. “Wir haben kürzlich eine bedeutende Spende von einem Unternehmen erhalten. Damit ist es nun für die nächsten zwei bis drei Wochen versichert”, sagte Paul Dickinger, Leiter der ukrainischen Basis, gegenüber Wien Heute. Der Pharmakonzern Octapharma hatte 58.000 Euro an die Volkshilfe gespendet.
Die ORF Volkshilfe verteilt auch Sachspenden, wie zum Beispiel abgepacktes Gemüse
Ohne neue Spenden könnten keine Gutscheine mehr ausgegeben werden. Auch andere Hilfsorganisationen kämpfen mit sinkenden Spenden: Bei der Caritas Wien sanken die Sachspenden inklusive Lebensmittel von 50 Tonnen im März auf 36 Tonnen im Juni.
Eine Erhöhung der Grundversorgung könnte Abhilfe schaffen
Flüchtlinge erhalten täglich sechs Euro aus der Grundversorgung. Das reicht nicht, sagt Paul Dickinger. Er fordert eine Erhöhung der Grundversorgung: „Das würde die Probleme natürlich stark vereinfachen. Aber wir reden seit Mitte März darüber und jetzt ist es Ende Juni. In diese Richtung ist noch nichts passiert.“ Derzeit stellen Ukrainer 60 Prozent der rund 85.000 Grundsicherungsberechtigten in Österreich.
Vor drei Wochen beschloss das Kabinett, die Grundversorgung zu erhöhen. Allerdings muss es noch umgesetzt werden. Die Kost soll von 215 auf 260 Euro angehoben werden: Pro Flüchtling wären das etwa zwei Euro mehr pro Tag für Lebensmittel.
Hacker: „Nur eine Frage von ein paar Wochen“
Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) verspricht eine zügige Umsetzung: „Der Fonds Soziales Wien hat bereits mit den Vorbereitungen begonnen. Wir werden es in den ersten Sommerwochen umsetzen können. Es ist eine Frage von wenigen Wochen.“ Spätestens im August soll die Grundversorgung gestiegen sein.
Hacker sieht derweil trotz aller aktuellen Probleme keine Notwendigkeit für einen eigenen Flüchtlingskoordinator in Wien. Die Rahmenbedingungen und Spielregeln unterscheiden sich laut Stadtrat von denen von 2015. Zu dieser Zeit war Wien ein Flugdrehkreuz in Europa, daher war eine Ebene des Managements erforderlich.