Ehe für alle – Die Suche nach neuen Partnermodellen geht weiter

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Mit der Ehe für alle hat die Diskussion um Alternativen in der Schweiz nicht aufgehört. Ein Blick nach Europa beweist es.

Ab dem 1. Juli können alle in der Schweiz heiraten, Männer mit Männern und Frauen mit Frauen. Bei der Ehe für alle geht das eingetragene Paar verloren. Ehe oder unverheiratete Lebensgemeinschaft: Das ist die neue Devise. Bei Paaralternativen zur Ehe hinkt die Schweiz anderen europäischen Ländern hinterher. Zumindest in jenen Ländern, die auch die Ehe für alle kennen.

In Österreich, England und Wales beispielsweise ist die eingetragene Paarung trotz der Einführung der Ehe weiterhin für alle möglich. Auch Belgien, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande haben eine Alternative zur Ehe geschaffen.

In der Schweiz gibt es keine Haltestellen

In der Schweiz ist noch viel los. Auf Bundesebene fordert beispielsweise eine parlamentarische Initiative die Umsetzung eines Zivilen Solidaritätspakts oder PACS. Es wäre ein Mittelweg zwischen Ehe und Konkubinat nach französischem Vorbild.

Die Initiatorin und Staatsministerin der FDP, Andrea Caroni, sieht im PACS eher ein „Plus des Zusammenlebens“ als eine „leichte Ehe“. Paare müssen finanzielle Unterstützung zusagen oder sich gegenseitig vertreten können, wenn einer der Partner aus medizinischen Gründen urteilsunfähig wird. Die Mehrheit der Rechtskommission des Staatsrates unterzeichnete den Antrag. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass eines Tages ein Gesetzentwurf das Parlament erreicht.

Neuchâtel und Genf kennen “pacsé”

Auch auf kantonaler Ebene gibt es in der Schweiz weitere Zwischenformen: Genf und Neuchâtel haben bereits die Kantonale Partnerschaft (PACS). Im Kanton Neuenburg beispielsweise gehen Paare zu einem Notar, wo ihnen eine Aussage vorgelesen wird. Dann folge dem Versprechen und du bist „pacsé“.

Die Idee stammt aus Frankreich, wo seit 1999 der Zivile Solidaritätspakt (PACS) für gemischte und homosexuelle Paare gilt. Und das mit weitreichenden Folgen, wie etwa der staatlichen Behandlung von Paaren bei Steuern oder Sozialleistungen.

Gute Gründe für eine mittelfristige Laufzeit

Genf führte dieses PACS 2001 ein, drei Jahre vor Neuchâtel. Hier gilt es auch für gemischte und gleichgeschlechtliche Paare. Doch die Folgen sind in beiden Kantonen weniger gravierend als in Frankreich: Der Einzelne wird individuell besteuert, er wird nicht automatisch Erbe und der Familienstand bleibt «ledig». Allerdings ist es für Paare einfacher, gemeinsam einen Wohnungsvertrag abzuschließen und sie werden im Krankenhaus wie Ehepaare behandelt.

Manche Paare würden gerade deshalb ein PACS abschliessen, weil es zu keiner Eheschließung kommt, erklärt der Neuenburger Notar Pascal Hofer: «Manche wollen nicht mehr heiraten, weil sie schon einmal geheiratet haben. Für andere kommt die Ehe aus steuerlichen Gründen nicht in Frage.»

Ein weiteres zweitrangiges Problem

Doch sowohl in Neuchâtel als auch in Genf ist das PACS bisher eine Randerscheinung geblieben. Beide Kantone verzeichnen deutlich mehr Hochzeiten. Der symbolische Wert der Kantonalen Partnerschaft sei jedoch wichtig, so Yves de Matteis, der in Genf für die Umsetzung des PACS gekämpft hatte: «Es ist eine Notwendigkeit, wenn auch nur für eine Minderheit.» Notar Hofer würde sich auch über eine Einführung auf Bundesebene freuen.

Der Bundesrat hat Ende März einen Bericht über ein «PACS nach Schweizer Art» vorgelegt. Es wird aber noch mindestens fünf Jahre dauern, bis in der Schweiz ein Mittelweg zwischen Ehe und Konkubinat eingeführt wird.

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