Es ist der berühmteste Pommes-Stand in Brüssel, sogar die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel bekam ihre Maison Antoine Pommes in der EU-Hauptstadt. Dazu musste er eines bei sich haben: Bargeld. Das „Cash Only“-Plakat prangte bis Donnerstag prominent im Schaufenster des Kultstandes.
Nun ist die Warnung weg, und es bedeutet einen Kulturwandel, nicht nur für Pommes-Liebhaber: Am 1. Juli ist in Belgien ein Gesetz in Kraft getreten, das Unternehmen verpflichtet, mindestens eine digitale Zahlungsmethode anzubieten, heißt es auf der Nachrichtenseite des flämischen Radiosenders VRT. In vielen Fällen bedeutet dies die Zahlung per Karte, aber auch Anwendungen können dafür verwendet werden. Das Gesetz besagt auch, dass für elektronische Zahlungen keine zusätzlichen Gebühren erhoben werden dürfen.
Die Pandemie hat das bargeldlose Bezahlen angekurbelt
Nach Angaben von Handels- und Selbständigenverbänden in Belgien haben die meisten Geschäfte, Marktstände und Restaurants laut der Website des flämischen Senders VRT bereits alternative Zahlungsmethoden. Zweifellos wurde dies durch die Pandemie noch verstärkt, und eine Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) hat zuletzt im Jahr 2020 in Belgien und Österreich einen entsprechenden Anstieg bargeldloser Zahlungen festgestellt.
ORF.at/Florian Bock „Nur Barzahlung“? Ab dem 1. Juli muss auch in Belgien eine bargeldlose Alternative akzeptiert werden
Die neueste europäische Studie aus dem Jahr 2019 zeigte aber auch, dass das bargeldlose Bezahlen in Belgien bereits deutlich stärker etabliert ist als in Österreich, das deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone bei Barzahlungen liegt. Allerdings, wie auch die Belgische Nationalbank schreibt: Der Rückgang der Bargeldnutzung „geht weniger schnell vonstatten als beispielsweise in den Niederlanden, Österreich, Finnland oder Frankreich“.
Bargeld abzuschaffen ist kein Problem
Wie in Österreich ist auch in Belgien die Abschaffung des Bargelds kein Problem, zumindest nicht in der Bevölkerung. Eine Umfrage der belgischen Verbraucherschutzbehörde Test Aankoop vom Juni dieses Jahres ergab, dass drei Viertel der 1.300 Befragten Barzahlungen im Einzelhandel nicht verbieten wollen.
Anders als beim Gesetz zum bargeldlosen Bezahlen steht laut Test Aankoop eine Rechnung an, um Sie zur Annahme von Bargeld zu zwingen. Angesichts der anhaltend hohen Bargeldnachfrage in Belgien spricht der Verbraucherschutz von einem „Offensichtlichen“ und stellt fest, dass es „inakzeptabel“ sei, Kunden den Kauf eines Produkts zu verweigern, weil sie bar bezahlt haben.
Datenschützer sind skeptisch
Tatsächlich gibt es einige Geschäfte in Brüssel, die nur Kartenzahlungen akzeptieren. Die Förderung von Kartenzahlungen in Europa (Bargeld ist vor allem in den skandinavischen Ländern ein seltener Anblick) wird von Datenschützern immer wieder mit Skepsis betrachtet.
Dadurch würden zu viele Daten über Personen preisgegeben, Bewegungen, persönliche Vorlieben und Ähnliches könnten ebenfalls nachverfolgt werden. Das Gegenargument lautet oft, dass dadurch Fehler vermieden und Zahlungsströme nachvollziehbar werden. Das belgische Finanzministerium sagt auch, dass das Gesetz der Betrugsbekämpfung dienen soll. Was in der Debatte oft vergessen wird: Nicht jeder hat Zugang zu einem Bankkonto und damit zu elektronischen Zahlungsmitteln.
Und doch dürfte gerade in der EU-Hauptstadt das neue Gesetz gut ankommen, zumal die Suche nach einem Geldautomaten hier schnell zu einer langen Nachtwanderung werden kann. Jedenfalls zeigten sich am Freitag erste Auswirkungen und Signale einer typisch belgischen Lösung: Mancherorts wurden die „Cash only“-Schilder durch Hinweise ersetzt, dass ab einem bestimmten Betrag nur noch elektronische Zahlungen akzeptiert werden.
Die österreichische Küche will keine gesetzlichen Vorgaben
Ob das Modell der Akzeptanzpflicht für bargeldlose Zahlungen auch in anderen Ländern übernommen werden könnte, bleibt abzuwarten. Die österreichische Gastronomie sieht derzeit jedenfalls keinen Regulierungsbedarf, obwohl der Tourismus eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielt und viele Gäste aus dem Ausland die Kartenzahlung als selbstverständlich ansehen.
Auf Anfrage von ORF.at teilte der Fachverband Gastronomie der WKÖ mit: „Zahlung per Karte ist mittlerweile in den meisten Geschäften vor Ort möglich. Aus unserer Sicht bedarf es keiner gesetzlichen Vorgabe, dies wird vom Markt geregelt. Unsere Betriebe wissen, was ihre Gäste wollen und versuchen, sie nach Möglichkeit zu bedienen. Hierfür bedarf es keiner zusätzlichen gesetzlichen Vorgaben.“