Angesichts der Turbulenzen beim größten deutschen Gasversorger Uniper hatte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vor einer Kettenreaktion gewarnt, die auch kommunale Dienstleistungen betreffen könnte. Es sei „gut und richtig“, dass die Bundesregierung bereit sei, gegen Uniper vorzugehen, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Was jetzt dringend getan werden muss, ist eine Novellierung des Energiesicherungsgesetzes mit besseren Instrumenten, um die Preisspirale einzudämmen und die Versorgungssicherheit zu erhalten“, betonte Liebing.
Henkel will von zu Hause aus arbeiten, um Sprit zu sparen
Der Konsumgüterhersteller Henkel erwägt, vorübergehend wieder mehr Homeoffice einzuführen, um Sprit zu sparen. „Dann könnten wir die Temperatur in den Büros deutlich senken, während unsere Mitarbeiter zu Hause normal heizen könnten“, sagte Henkel-Chef Carsten Knobel der „Rheinischen Post“ (Samstag).
Zudem kann der Konzern im konzerneigenen Kraftwerk in Düsseldorf, das derzeit überwiegend mit Gas betrieben wird, mehr Kohle und Öl nutzen. „Im Vergleich zum heutigen Betrieb konnten wir fast ein Drittel des Gases einsparen“, sagte der Manager. Doch das Unternehmen wartet noch auf die Genehmigung der Bundesnetzagentur.
Private Haushalte sollen weiterhin Gas erhalten
Bei einem Ausfall der Gasversorgung würden laut Müller Privathaushalte sowie Krankenhäuser oder Pflegeheime besonders geschützt. „Ich kann versprechen, dass wir alles tun, um zu verhindern, dass den Häusern das Gas ausgeht“, sagte er. „Wir haben aus der Corona-Krise gelernt, dass wir keine Versprechungen machen sollten, wenn wir nicht ganz sicher sind, dass wir sie einhalten können.“
Eine blaue Gasflamme eines Gasherds (Symbolbild): Bei einem Ausfall der Gasversorgung wären Privathaushalte besonders geschützt. (Quelle: Christopher Neundorf / imago-images-Bilder)
Die Netzagentur sieht jedoch „kein Szenario, in dem kein Gas mehr nach Deutschland gelangt“. Wenn Industriebetriebe von der Gasversorgung getrennt werden sollen, „fokussieren wir uns auf geschäftliche Schäden, wirtschaftliche Schäden, soziale Folgen und auch die technischen Voraussetzungen für den Betrieb des Gasnetzes“, sagte Müller.
Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) schließt jedoch eine Warmwasserbeschränkung für Privathaushalte bei einem Gasnotfall in der Hansestadt nicht aus. „Bei akutem Gasmangel könnte warmes Wasser im Notfall nur zu bestimmten Tageszeiten bereitgestellt werden“, sagte Kerstan der Welt am Sonntag. Denkbar wäre auch eine generelle Absenkung der maximalen Umgebungstemperatur im Fernwärmenetz. Allein aus technischen Gründen werde es in Hamburg nicht möglich sein, im Falle einer Gasknappheit zwischen Gewerbe- und Privatkunden zu unterscheiden, hieß es in der Zeitung.
Norwegen will ab 2024 mehr Gas liefern
Die norwegische Regierung hofft derweil, bis spätestens 2024 noch mehr Gas liefern zu können. „Unternehmen prüfen jetzt Projekte, um ihre Gasversorgung von 2024 auf 2025 erhöhen zu können“, sagte Terje Aasland, Minister für Erdöl und Energie Norwegens, der Wirtschaftswoche. “Die Krise im Energiesektor wird langfristige Auswirkungen haben. Wir müssen uns darauf konzentrieren, in neue Gasförderkapazitäten zu investieren.”
Norwegische Unternehmen haben noch nie so viel Erdgas vom norwegischen Festlandsockel exportiert wie jetzt. „Wir unterstützen unsere europäischen Freunde, damit sie schnellstmöglich unabhängig von russischem Öl und Gas agieren können.“