Stand: 03.07.2022 02:49 Uhr
Kopf oder Zahl: Geht mein Flug oder wird er gestrichen? Fliegen erscheint derzeit wie ein Glücksspiel. Zu Beginn der Ferien herrscht Chaos an Flughäfen, nicht nur in Europa, weil Personal fehlt oder weil es – wie in Spanien – zu Streiks kommt.
Mitten in der Ferienzeit wurden am Samstag wegen eines Streiks des spanischen Kabinenpersonals bei den Billigfliegern easyJet und Ryanair 15 Flüge mit Start und Ziel in Spanien gestrichen. Rund 200 weitere Flüge nach Spanien verspäteten sich, wie die Gewerkschaften mitteilten. Zahlreiche Flughäfen sind von Ryanair-Streiks betroffen: neben Madrid, Barcelona und Mallorca auch Malaga, Sevilla, Alicante, Valencia, Girona, Ibiza und Santiago de Compostela.
Bei Ryanair begann der Streik am 24. Juni und wird voraussichtlich weitere 12 Tage dauern. Nach Angaben der spanischen Gewerkschaft USO sind drei weitere Abflüge für jeweils vier Tage an den zehn von der irischen Fluggesellschaft angeflogenen spanischen Flughäfen geplant. Der Streik findet daher vom 12. bis 15. Juli, vom 18. bis 21. Juli und vom 25. bis 28. Juli statt. Arbeiter fordern bessere Arbeitsbedingungen für die 1.900 spanische Kabinenbesatzung. Nach Angaben des irischen Unternehmens ist es dasjenige, das die meisten Passagiere in Spanien befördert und „mehr als 650 Verbindungen“ von 27 spanischen Flughäfen anbietet.
Bei easyJet wurden an diesem Wochenende sowie vom 15. bis 18. Juli und vom 29. bis 31. Juli rund 450 Flugbegleiter in Spanien zum Streik aufgerufen. Sie beanspruchen die gleichen Arbeitsbedingungen wie easyJet-Mitarbeiter in anderen EU-Ländern.
Ausfälle auch in Paris
Auch am Pariser Flughafen Charles de Gaulle wurden Dutzende Flüge gestrichen. Die Feuerwehr war bereits an diesem Donnerstag in den Streik getreten, weshalb mehrere Start- und Landebahnen vorsorglich gesperrt wurden. Nach Angaben des Flughafenbetreibers ADP wurde am Samstag zwischen 7 und 14 Uhr jeder fünfte Flug gestrichen.
Am Donnerstag und Freitag wurde jeder sechste Flug gestrichen. Der Flughafen Paris Orly war von dem Streik nicht betroffen. Nächste Woche beginnen die Sommerferien in Frankreich.
Personalmangel beeinträchtigt den Güterverkehr
Neben den Streiks ist es vor allem der Personalmangel an den Flughäfen, der für die teils chaotischen Abfertigungsverhältnisse verantwortlich ist. Neben dem Passagierverkehr betrifft es nun auch den Luftfrachtverkehr am Frankfurter Flughafen.
Eine Airline-Sprecherin sagte der dpa, der Betrieb der Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo sei durch Personalmangel „spürbar“ gestört. Am Freitag kam es zu vier Flugausfällen wegen Frachtverbindungen und einigen Verspätungen. Um das System zu entlasten, wurde nun auch für mehrere Tiere eine Sperre bis zum 10. Juli verhängt. „Wir werden die Situation in der Frankfurter Innenstadt weiter genau beobachten und gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergreifen“, sagte die Sprecherin.
Tausende Flüge in die USA annulliert oder verspätet
Doch nicht nur in Europa ist die Luftverkehrslage angespannt. Auch in den USA spüren Passagiere den Personalmangel an den Flughäfen. Mehr als 600 Flüge am Nachmittag (Ortszeit) wurden allein am Samstag gestrichen, wie die auf Flugverbindungen spezialisierte Website flightaware.com mitteilte. Dabei handelte es sich sowohl um Inlandsflüge als auch um internationale Flüge mit US-Städten als Ziel oder Abflug. Mehr als 3.300 Flüge hatten am Samstag Verspätung.
Am Freitag waren laut Website bereits 587 Flüge in die USA gestrichen worden. Auch am Sonntag wurde klar, dass wieder viele Passagiere an Flughäfen festsitzen würden: Mehr als 100 Flüge wurden bereits gestrichen.
Der Andrang von Reisenden zu Flughäfen ist an diesem Wochenende aufgrund des Unabhängigkeitstages in den USA besonders hoch. Die Passagierzahlen sind etwa gleich hoch wie vor der Pandemie.