Bringt die neue Radnovelle von Verkehrsminister Gewessler wirklich mehr Sicherheit? Darüber sind sich Barbara Laa, Verkehrswissenschaftlerin an der TU Wien, und Matthias Wolf, ÖAMTC-Verkehrsanwalt, im „Presse“-Streit uneins.
Die Presse: Der ÖAMTC hat Bedenken hinsichtlich der StVO-Novelle geäußert, die auf Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger abzielt. Was stört dich?
Matthias Wolf: Wir schauen natürlich nicht auf Crash-Statistiken. Diese Probleme bleiben unberührt.
Was sind diese Probleme?
Wolf: Zum Beispiel passieren bereits die Hälfte aller Kollisionen mit Radfahrern an Kreuzungen. Es ist daher nicht nachvollziehbar, warum man mit dieser komplexen Regel anfängt, an diesem Nervenpunkt rechts auf Rot abzubiegen.
Barbara Laa: Bei Rot rechts abzubiegen ist willkommen und kann für Radfahrer sicherer werden, weil sie vor Autos abbiegen können. Diese Regelung existiert bereits in vielen europäischen Ländern und funktioniert einwandfrei.
Wolf: Mit einem rotierenden Pfeil wäre das möglich. Zuvor ist jedoch sicherzustellen, dass es zu keinen Konflikten mit querenden Fußgängern kommt. Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen, die auf grünes Licht und ein akustisches Signal angewiesen sind, sind nun potenziell gefährlichen Situationen ausgesetzt.
Laa: Ich halte das für eine Fehleinschätzung, die auch in Ländern, in denen der Standard bereits existiert, nicht zu sehen ist. An die Kreuzung zu fahren und den Überblick zu haben, ob ein Kind oder eine andere Person die Straße überqueren möchte – die haben natürlich Vorrang – ist meiner Meinung nach problemlos möglich.
Wolf: Es gibt viele Punkte, die ich vorher prüfen muss: nach links und rechts schauen. Behindere ich Fußgänger, Radfahrer oder Autos? Diese klaren Situationen sind endlos, vielleicht auf dem Land, aber in der Stadt. . .