Der ÖVP-Seniorenverband soll die Gehälter mit Hilfe von Corona bezahlt haben

Die Gelder seien “sicherlich nicht rechtswidrig verwendet worden”, sagt der frühere Landeshauptmann und Vorsitzende des Seniorenbundes Josef Pühringer. Das sieht der Politologe Hubert Sickinger anders.

Kronenhilfe für den Oberösterreichischen ÖVP-Verband Oberösterreich aus dem „Gemeinnützigen Unterstützungsfonds“ scheint auch für Personalkosten verwendet worden zu sein. Das teilte deren Obmann, Landeshauptmann aD Josef Pühringer, den „Oberösterreichischen Nachrichten“ mit. Das findet der Politologe Hubert Sickinger nicht richtig. „Hier versucht der Seniorenbund vom Parteienrecht wegzukommen“, sagte er am Freitag verschiedenen Medien. Die Präsidentin des Seniorenbundes, Ingrid Korosec, weist alle Vorwürfe zurück.

Der oberösterreichische ÖVP-Seniorenverband soll nacheinander knapp zwei Millionen Euro Kronen-Förderung für Vereine und Nichtregierungsorganisationen erhalten haben, wobei Parteien und deren Unterorganisationen ausgenommen sind. Aus diesem Topf hat offenbar auch der Tiroler Seniorenbund Geld – rund 185.000 Euro – entnommen. Dies wird mit einer formalen Doppelexistenz des Seniorenbundes als Unterorganisation der ÖVP und als Verein argumentiert.

Der Präsident des Österreichischen Volksbundes, Pühringer, sagte OÖN, dass ein Viertel des Geldes an die Landesführung und der Rest an die 250 lokalen Bewerbergruppen ging. „Das Geld für die staatliche Verwaltung floss fast ausschließlich in bezahlte Löhne. Wir haben 20 Mitarbeiter und es gibt während der Corona-Zeit keine Nebenjobs.“ Er ist überzeugt, dass dann mehr öffentliche Gelder eingenommen worden wären.

Pühringer: „Im Wahlkampf kann das ein bisschen durcheinander geraten“

Auf die Frage, ob er ausschließen könne, dass die Veranstaltungen des Vereins 2021 auch dem ÖVP-Wahlkampf dienen würden, sagte er: „Während des Wahlkampfs kann es etwas unübersichtlich werden. Aber ich kann ausschließen, dass die Gelder ‚Don‘ sind. Von ihnen ist keine Zahlung zu erwarten, auch wenn Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) dies bereits prüft. “98 Prozent unserer Arbeit machen wir in Vereinen. Es geht um Veranstaltungen, Reisen und Bildungsprogramme. Kein einziger Euro der Fördergelder ist in die Parteiarbeit geflossen”, sagte Pühringer. “Wir haben sicher nichts illegal verwendet.”

Der Präsident des Seniorenbundes Korosec weist in der Zeitung „Österreich“ alle Vorwürfe zurück: „Alles wurde nach bestem Wissen und Gewissen dargestellt.“ Stipendien “wurden ausschließlich über den Verein verwaltet”. Und der Präsident des Bundesverbandes denkt gar nicht an die Rückzahlungen: „Wir zahlen nichts nochmal.“ Korosec weist auch darauf hin, dass Oberösterreich und Tirol nicht die einzigen Bundesländer mit dieser Praxis waren: “Einige taten es.”

Sickinger: „Personalkosten decken sich nicht“

Dass alles legal ist, scheint Parteifinanzexperte Sickinger zu bezweifeln: „Es ist ausdrücklich ausgeschlossen, dass hier Personalkosten übernommen werden können“, sagte das Morgenjournal gegenüber Ö1. Das könnte auch den Rechnungshof beschäftigen. Teilbetriebe sollten ihre Einnahmen und Ausgaben zum Rechenschaftsbericht offenlegen, “und der Rechnungshof wird natürlich Fragen dazu haben”, ist er überzeugt. Und wenn er zu dem Schluss käme, dass eine Förderung unzulässig sei, „wäre das die Annahme einer Parteispende einer öffentlichen Stelle, und das können Parteiorganisationen nicht tun“.

Der Österreichische Seniorenbund will aber keine Vororganisation der ÖVP sein: „Dem Österreichischen Seniorenbund ist auch keine politische Partei bekannt, deren Statuten/Statuten eine Beteiligung des Österreichischen Volksbundes an der Entscheidung zulassen – die Prozess der Gestaltung dieser Partei, etwa durch Angliederung an ihre Organe”, schrieb Rechtsanwalt Werner Suppan in einer Stellungnahme. Der Erhalt der Förderung wird durch ein Schreiben des Sozialministeriums begründet, in dem dem Altenrat, in dem auch der Seniorenbund vertreten ist, empfohlen wird, einen Antrag beim ONP-Unterstützungsfonds zu stellen. Und auch die Doppelexistenz als Unterorganisation der ÖVP und als gemeinnütziger Verein wird in die Treffen miteinbezogen, die allerdings weitgehend persönlich sind.

>>> Bericht von “Oberösterreich Nachrichten”

>>> Bericht im Ö1 “Morgenjournal”

(APA / Hrsg.)

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