Die Kanzlerin lobt die Partnerschaft für die Kreditaktion für Bestandskunden

24. Mai 2022

©APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER

Nachdem Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) kürzlich lautstark darüber nachgedacht hatte, die Vorteile der teilstaatlichen Verbund AG abzuschaffen, lobt er nun deren Tarifstruktur. „Das Unternehmen geht mit gutem Beispiel voran und schreibt allen seinen Kunden zwei Monatsrechnungen gut. Einkommensschwachen Bevölkerungsschichten werden zwei weitere Monate gutgeschrieben“, sagte Nehammer am Dienstag in einer Mitteilung des Kanzleramts.

Auf Nachfrage der APA ließ ein Sprecher der Kanzlerin offen, ob es noch zu einer Kürzung der Leistungen kommt. Bitten Sie um Verständnis, dass „ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts zu den aktuellen Überlegungen und Diskussionen sagen kann“.

Das Kanzleramt und das Unternehmen kündigten die Kundenaktion im Abstand von wenigen Minuten an. Wie der Kanzlersprecher erklärte, habe der Verein die Informationen übermittelt und der Rektor dann dazu Stellung genommen.

„Das ist eine unternehmerische Entscheidung des Vereins. Wir freuen uns natürlich, dass es diese Initiative gibt. Aus unserer Sicht als Mehrheitseigentümer des Unternehmens ist es plausibel, sich zu diesen Maßnahmen zu äußern“, sagte der Sprecher von Nehammer.

Auch Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) freute sich über eine Aussage: „Der Verband steht damit an der Seite der Menschen, die von der Energiekrise besonders betroffen sind.“ Leiter des Vereins ist ein ehemaliger Landesrat und ÖVP-Stellvertreter. der Landeshauptmann von Oberösterreich, Michael Struggl.

Eine Verbund-Sprecherin sagte der APA auf die Frage, ob der Kredit auf Wunsch der Politik erfolgt sei, dass sich das Unternehmen seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sei. Der Verbund hatte seine Stromtarife zum 1. Mai angehoben und war mit der Ankündigung des Unternehmens zu 100 Prozent aus Wasserkraft auf viel Kritik gestoßen.

Zum 1. Juli 2022 greift nach Angaben des Anbieters das bereits angekündigte Verbund-Energie-Bonuspaket für bestehende Haushalts- und Gewerbekunden, deren Energiepreise zuletzt gestiegen sind. Sie sieht neben den kostenlosen Strommonaten auch einen Rabatt auf den Rabattsatz vor, für Bestandskunden, deren Strompreise besonders gestiegen sind. Alle Strom- und Gaskunden erhalten zusätzlich eine einmalige Gebühr von 30 Euro. Der Konzern hat rund 500.000 Kunden, von der Mai-Preiserhöhung waren 340.000 betroffen.

Damit einkommensschwache Haushalte insgesamt vier Monate kostenlosen Strom gutgeschrieben bekommen, verlangt das Unternehmen von ihnen eine Anmeldung und Nachweise, wie etwa die GIS-Befreiung oder den Bezug von Sozialhilfe. Details seien noch offen, sollten aber auf der Website des Vereins veröffentlicht werden, so die Sprecherin weiter.

In einer Pressemitteilung kündigte das Unternehmen zudem an, die Konditionen des Allgemeinen Geschäftsbedingungen Index (AGB), die dazu führen, dass anhaltende Börsenkurse die Energiepreise der Kunden zunehmend beeinflussen, zu evaluieren und alternative Klauseln zu prüfen.

Der Verein ist an der Wiener Börse notiert. Mehr als 80 Prozent der Anteile befinden sich im Besitz der öffentlichen Hand oder von Unternehmen in Mehrheitsbesitz. Die Republik Österreich hält 51 Prozent, rund 20 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz.

Nach der Überlegung Nehammers, die Gewinne des Verbund zu eliminieren, verlor der Verbund mehr als 4 Mrd. € an Marktwert. Am 5. Mai fiel die Aktie nach Bekanntwerden der Aussagen in einem Interview mit der „Tiroler Tageszeitung“ um mehr als zehn Prozent und hat sich seither nicht erholt.

Stromunternehmen, die wie der Verbund viel Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugen, haben zuletzt große Gewinne gemacht, weil das Strompreisniveau insgesamt stark gestiegen ist. Der Strompreis richtet sich nach dem teuersten Kraftwerk, das zur Deckung des Bedarfs benötigt wird. In Österreich ist es in der Regel eine Gasanlage.

Aus Verbund-Sicht hilft nur ein massiver Ausbau erneuerbarer Energien, den Bedarf an Gasanlagen zu reduzieren. An windigen Tagen ist der Großhandelspreis für Strom bereits sehr niedrig und manchmal sogar negativ. Auch sonnige Tage und Zeiten mit geringer Stromnachfrage dämpfen das Preisniveau an der Strombörse.

„Der massive und schnelle Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung und der Umbau des gesamten Stromsystems ist unsere beste und wohl einzige Chance, uns unabhängiger von fossilen Importen und hohen Energiepreisen zu machen und unsere Klimaziele zu erreichen“, sagt der Unternehmen. Dafür will der Konzern 2024 drei Milliarden Euro investieren, allein in diesem Jahr eine Milliarde.

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