EU: Paris kündigt Einigung über Flüchtlingsverteilung in der EU an

Nach Jahren des Kampfes scheinen die EU-Staaten erhebliche Fortschritte in der Migrationspolitik gemacht zu haben. Wie der französische Innenminister und derzeitige EU-Ratspräsident Gerald Darmanin am Freitag auf Twitter mitteilte, wurde bei einem Treffen in Luxemburg eine „historische Einigung“ unter anderem über ein Umverteilungssystem für Flüchtlingsfreiwillige erzielt. Zu den „signifikanten Fortschritten“ gehöre auch ein stärkerer Schutz der Außengrenzen.

Konkrete Schritte für nächste Woche geplant

Auf die beiden Rechtsakte zum Schutz der Außengrenzen und zum Solidaritätsmechanismus zur Umverteilung habe sich laut Darmanin eine “große Mehrheit” der Staaten geeinigt. „In den kommenden Tagen werden die französische Ratspräsidentschaft und die Kommission ein Treffen der ‚Solidaritätsplattform‘ organisieren, um dieser historischen Einigung eine konkrete Form zu geben.“

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) hat sich klar gegen die Verteilung von Asylsuchenden in der EU ausgesprochen. Karner betonte, dass Österreich über diesen Mechanismus keine weiteren Migranten aufnehmen und auch keinen finanziellen Beitrag leisten werde. Die politische Einigung war von Polen, Ungarn, der Slowakei, Estland, Lettland und Litauen abgelehnt worden.

„Grenzkontrolle und Registrierung – Eurodac und Screening – sind wichtige Schritte in die richtige Richtung“, sagt Karner. „Eine Umverteilung von Migranten in Europa ist jedoch genau das Gegenteil und sendet vor allem ein falsches Signal an Menschenhändler. Deshalb lehnen wir diesen Vorschlag ab.“

Deutschland will mitmachen

Laut der Deutschen Presse-Agentur (DPA) sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser, Berlin werde sich an dem Solidaritätsmechanismus beteiligen, um die Mittelmeerländer im Umgang mit Asylsuchenden zu unterstützen. Berlin und Paris würden gemeinsam vorankommen, sagte er auf die Frage, wie viele Flüchtlinge Deutschland aufnehmen werde. Er schätzte, dass zehn bis zwölf Länder teilnehmen könnten. Es war unklar, ob sie Flüchtlinge aufnehmen oder anderweitig Hilfe leisten würden.

Bei dem Treffen begrüßte Karner einen neuen Vorschlag der französischen EU-Ratspräsidentschaft zum Schengener Grenzkodex. Karner betonte am Freitag vor einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg, dass es auch künftig möglich sein solle, bei Bedarf Kontrollen an den Binnengrenzen durchzuführen. Reisefreiheit ist wichtig, aber Sie müssen auch auf die Sicherheit achten. Wie diese Kontrollen an den Binnengrenzen aussehen sollen, ist laut Karner das Thema des heutigen Treffens.

Im Schengen-Raum, der 26 europäische Staaten umfasst, gibt es eigentlich keine stationären Personenkontrollen an den Landesgrenzen. In den letzten Jahren haben jedoch mehrere Staaten eine Ausnahmeregelung genutzt und Kontrollen wieder eingeführt. Im Falle Österreichs sorgt dies vor allem im Nachbarland Südslowenien für Unmut, das keine sachliche Rechtfertigung für die Kontrollen sieht.

Der EuGH rügt Österreich

Der EuGH hat kürzlich festgestellt, dass Österreich die für Kontrollen seit 2017 erforderliche ernsthafte Gefährdung der öffentlichen Ordnung nicht darlegen kann. Die endgültige Entscheidung liegt beim zuständigen österreichischen Gericht. Er legte Berufung beim Obersten Gerichtshof von Luxemburg ein, nachdem ein Unionsbürger eine an der Grenze zu Slowenien erlassene Verwaltungssanktion angefochten hatte.

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