Der Status als EU-Beitrittskandidat ist Voraussetzung für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zu einem späteren Zeitpunkt. Auch der belgische Ministerpräsident Alexander De Croo warb für ein positives Votum und sprach von einem „starken Signal an die Ukraine“ im russischen Angriffskrieg. Allerdings werde der Beitrittsprozess „lange dauern“.
Auch Bundeskanzler Olaf Scholz hat in seiner Regierungserklärung am Mittwoch in Berlin ein “Ja” der 27 EU-Staaten verteidigt. Außerdem fordert er EU-interne Reformen und Fortschritte im Beitrittsprozess des Westbalkans. Die Staats- und Regierungschefs der EU werden sich am Morgen zu einem separaten Gipfel mit ihnen treffen, bevor am Nachmittag der reguläre Europäische Rat beginnt.
Der albanische Präsident Edi Rama begrüßte die erwartete Beitrittsperspektive für die Ukraine. „Aber das ukrainische Volk sollte sich keine Illusionen machen“, warnte er. Albanien ist seit acht Jahren Kandidat. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) hatte zuvor mehrfach davor gewarnt, dass die Ukraine gegenüber den Ländern des Westbalkans ungleich behandelt werde. Insbesondere forderte er, dass die EU auch Bosnien und Herzegowina den Kandidatenstatus zuerkennt. Serbien, Albanien und Nordmazedonien haben am späten Mittwoch auf einen Boykott des Westbalkan-Gipfels verzichtet. Grund war das Veto Bulgariens bei EU-Gesprächen mit Nordmazedonien, das auch den Beginn von Verhandlungen mit Albanien blockiert.
Kurz vor dem Gipfel forderte auch das Europäische Parlament die Anerkennung der Ukraine und Moldawiens als EU-Beitrittskandidaten. Eine große Mehrheit der Abgeordneten forderte am Donnerstag die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer in einer unverbindlichen Resolution auf, der Ukraine und der Republik Moldau auf ihrem Gipfel in Brüssel „unverzüglich den Status eines Kandidatenlandes zu gewähren“.
Auch Georgien soll diesen Status erhalten, sobald die Regierung bestimmte, von der Europäischen Kommission vorgegebene Kriterien erfüllt. Gleichzeitig hat das Europäische Parlament betont, dass es „kein beschleunigtes Verfahren für den EU-Beitritt“ gebe und dass der Beitritt „noch“ ein Prozess sei, der von der „Umsetzung von Reformen“ abhänge.
Das Europäische Parlament hat bei den Beitrittsverhandlungen keine institutionelle Rolle, da die Verhandlungen von den Mitgliedstaaten auf Vorschlag der EU-Kommission geführt werden. Allerdings müssen die jeweiligen Beitrittsverträge auch vom Europäischen Parlament ratifiziert werden. Österreichische Abgeordnete wie Lukas Mandl (ÖVP), Andreas Schieder (SPÖ), Thomas Waitz (Grüne) und Claudia Gamon (NEOS) äußerten sich am Donnerstag positiv zu den Sendeaussichten der Ukraine und Moldawiens, beharrten aber gleichzeitig auf Fortschritten. bei der Annäherung der EU an die sechs Länder des westlichen Balkans.