Galerie: Verdi warnt vor Zehntausenden Stellenabbau

Essen. Das Amtsgericht Essen hat für die Galeria Karstadt Kaufhof erneut ein eigenes Insolvenzverfahren angeordnet. Dutzende Häuser müssen schließen.

Das Amtsgericht Essen hat am Mittwoch ein eigenes Insolvenzverfahren für den Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof eröffnet. Das teilte das Gericht heute Morgen in einer Stellungnahme mit. Gleichzeitig bedeutet dies, dass die Sanierungsexperten Arndt Geiwitz und Frank Kebekus, die bei Eigentümer Rene Benko angestellt sind, auch diese neue Insolvenz mit dem Management bewältigen können. Jetzt können sie ihre Pläne umsetzen, bereits 2020 neun Dutzend Warenhäuser zu schließen, einige an Wettbewerber zu übergeben und unter dem Dach der Galleria einen Kern profitabler Standorte einfach weiter zu betreiben. Für Tausende Beschäftigte bedeutet dies den Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Wie vor zweieinhalb Jahren folgt das Landgericht dem Konzept des Erneuerungsduos Geiwitz/Kebekus. Geiwitz ist Generalbevollmächtigter von Galeria, das Gericht bestellte Kebekus zum Verwalter des Gewinnspiels. Hätte der jetzt vorgelegte Konkursplan das Gericht nicht überzeugt, hätte es einen ordentlichen Konkurs angeordnet und denselben Konkursverwalter bestellt. Rund die Hälfte der Filialen soll künftig nicht mehr als Karstadt oder Kaufhof weitergeführt werden.

Wie viele Büros der Galerie geschlossen werden, bleibt offen

Zuletzt war von bis zu 70 zu rettenden Standorten, 20 Büros, für die es Interessenten gibt, und rund 40 nicht zu rettenden Häusern die Rede. Da an vielen Standorten noch über Miet- und Flächenkürzungen verhandelt wird, können sich diese Zahlen noch stark ändern und eine definitive Liste dürfte erst Mitte März vorliegen. Damit die Häuser geschlossen werden können, hatte Galeria bereits angekündigt, dass es zu Entlassungen kommen werde. Als Abfindung wurden mit dem Gesamtbetriebsrat zwei Monatsgehälter vereinbart, maximal jedoch 7500 Euro. Immerhin hat er eine Relocation-Firma ins Leben gerufen, bei der sich Betroffene sechs Monate lang mit Unterstützung einen neuen Job suchen können.

„Wir kämpfen derzeit um alle Arbeitsplätze und den Erhalt der Galerie-Standorte“, sagte Stephanie Nutzberger zum eröffneten Insolvenzverfahren. Das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Verdi hob hervor: Es gehe um Zehntausende Arbeitsplätze und damit um die Menschen von Galeria, und gleichzeitig gehe es um die Zukunft der Innenstädte und den Kampf gegen ihre Verödung. Kaufhäuser sind dafür unerlässlich.“ Jetzt ist es besonders wichtig, dass der Investor selbst, René Benko, Verantwortung übernimmt.

Details zu geplanten Kaufhausschließungen macht Galeria nicht. Konkret seien die Zugeständnisse, die Vermieter machen, „häufig noch davon abhängig, welche konkreten Büros geschlossen, weitergeführt oder möglicherweise an einen Käufer verkauft werden“, teilte das Unternehmen am Nachmittag mit. Alle bestehenden Warenhäuser müssen modernisiert werden. In einem Interview hatte Sanierer Geiwitz den Investitionsbedarf mit mehr als 300 Millionen Euro beziffert. Eigentümer Benko hat davon 200 Millionen Euro zugesagt, falls der Insolvenzplan angenommen wird. In der Pressemitteilung vom Mittwoch machte Galeria jedoch keine Angaben dazu.

Auf Basis eines „Sanierungskonzepts“ wolle Galeria mit einem „stärker am lokalen Bedarf orientierten Angebot“ wieder profitabel werden. Mit diesem Ziel strebt die Kette „unter anderem an, eine führende Position in den wichtigen Segmenten Bekleidung, Schönheit und Wohnen einzunehmen“, heißt es in der Mitteilung. Außerdem muss das gastronomische Angebot aufgewertet werden.

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Nach dem dreimonatigen Schutzschirmverfahren, in dem die Essener Warenhauskette Ende Oktober zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren gerettet wurde, bleiben nun drei weitere Monate, um die Sanierung voranzutreiben, über die die Gläubiger entscheiden können. Wenn sie diesen Weg gehen wollen, sind sie auch wieder bereit, die meisten ihrer Ansprüche aufzugeben.

Bund verliert fast sein ganzes Geld

Gläubiger müssen ihre Forderungen nun beim Verwalter anmelden. Dabei ist der deutsche Staat auch im vom Gericht eingesetzten Gläubigerausschuss vertreten, als „der Insolvenzgläubiger mit der größten Forderung“, so das Gericht. Nach der Insolvenz 2020 gewährte der Bundesfonds Wirtschaftsstabilisierung (FSM) Galeria in den Folgejahren Kredite in Höhe von insgesamt 680 Millionen Euro. Die strukturellen Probleme des Konzerns konnten mit diesen Finanzspritzen nicht beendet werden.

Als Termin für die Gläubigerversammlung hat das Landgericht den 27. März festgesetzt, die wiederum in der Messe Essen stattfinden wird. Dort vertritt Florian Hassner von der Deutschland-Finanzagentur GmbH den Staat. Vermutlich muss er auf mehr als 90 Prozent seiner Forderungen verzichten, denn den Gläubigern stünden nur noch 50 Millionen Euro vor dem Insolvenzgericht, wie unsere Redaktion aus Wirtschaftskreisen erfuhr.

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