Heron investiert in den Salatanbau in Containern

Laut Wirtschaftspresseagentur könnte ein Vorarlberger Unternehmen die Zukunft der „Vertical Farming“-Technologie mitbestimmen, die derzeit international erprobt wird. Es ist die Produktion von Nahrungsmitteln aus Pflanzen, die in übereinander gestapelten Innenräumen angebaut und hauptsächlich technologisch zugeführt werden.

Mit ihrer neuen Tochtergesellschaft Vertic Greens GmbH treibt die Heron-Unternehmensgruppe genau dieses weltweit renommierte Feld voran. Als Minderheitsaktionäre sind nun der Softwareentwickler BoehlerBrothers und der Klimatechniker Hörburger an Bord.

Salat wächst in Containern

Die Entwicklung und Erprobung dieser Technologie erfolgte bei Heron bislang in einem unauffälligen Schiffscontainer zwischen verschiedenen Metallrahmen an der hinteren Ecke des Dornbirner Neubaus. Seit fünf Jahren forscht und experimentiert Heron mit Vertical Farming, erklärten Firmengründer Christian Beer, Marketingleiter Reinhard Kogler und Projektleiter Maximilian Eiswirth im Gespräch mit wpa.

wpa Im Bild (links) Geschäftsführer Christian Beer, Projektmitarbeiter Jan Schulz (mit Salat) und Projektleiter Maximilian Eiswirth vor dem Vertical-Farm-Container in Dornbirn.

Projekt bisher geheim gehalten

Forschungs- und Versuchsbetriebe werden seit langem in kleinem Maßstab hauptsächlich mit Salatpflanzen durchgeführt. Dass das Projekt weitestgehend geheim gehalten wurde, liegt laut Beer an der großen Bedeutung dieser Technologie, um auch in Zukunft eine umwelt- und ressourcenschonende Produktion von Nutzpflanzen weltweit zu gewährleisten. Pflanzen werden nicht nur als Lebensmittel, sondern auch als Medizin und zur Herstellung von Kosmetika weltweit verwendet.

Technologiebasierter Indoor-Pflanzenanbau

Vertikale Landwirtschaft erfordert ein Gebäude und Energie für LED-simuliertes Sonnenlicht sowie Samen und eine nahrhafte Lösung. Das autonome System wird mit modernster Technologie und künstlicher Intelligenz (KI) energie- und ressourceneffizient gesteuert und verbraucht somit einen Bruchteil der Fläche und Energie, die die Landwirtschaft benötigt. Es kann das ganze Jahr über überall produziert werden, unabhängig von Wetter und Klima und ohne Pestizide. Der Wasserverbrauch wird um 95 Prozent reduziert.

Mitten in Ballungsräumen möglich

Beer erklärt dies mit einem Zahlenvergleich mit einem Fußballfeld: „Wir produzieren im Torbereich mit dem Netz genauso viel wie die Landwirtschaft im gesamten Fußballfeld. Der Wirkungsgrad liegt bei 1 zu 400.“ Zudem werden die Emissionen bei der Produktion um mehr als 90 Prozent reduziert, weil vertikale Landwirtschaft mitten in Ballungsräumen betrieben werden kann, was die Lieferwege zum Verbraucher massiv verkürzt.

Eigenes Wissen über Prozessabläufe

Heron profitiert bei dieser Entwicklungsarbeit von der Kenntnis der Prozessabläufe und der Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette in den unterschiedlichsten Branchen, die Automatisierungstechnik einsetzen. „Dies ist die Wissensbasis, die wir im Laufe der Jahre aufgebaut haben und die jetzt an die vertikale Landwirtschaft angepasst wird. Denn sie muss auch im großen Maßstab wirtschaftlich verwertet werden können.“ An dem Projekt nehmen bis zu 15 Arbeiter teil. BoehlerBrothers vermittelt nun Computer- und Softwarewissen, während sich Hörburger hauptsächlich auf technische Fragen (Installationen etc.) konzentriert.

Zehn Millionen Euro werden investiert

Bis Ende 2023 will Vertic Greens im Heron-Neubau in Dornbirn eine große, voll funktionsfähige und wirtschaftlich rentable vertikale landwirtschaftliche Produktionszelle in Betrieb nehmen. Bis dahin wird der Testbetrieb sukzessive gesteigert und Vergleichsstudien durchgeführt. „Der Plan für diese KI-Zelle kann weltweit als Vorlage für weitere Produktionszellen dienen, die je nach Bedarf skaliert werden können.“ Beer schätzt die bisher getätigten Investitionen auf etwa zehn Millionen Euro.

Vertic Greens möchte selbst produzieren

Beer weist jedoch darauf hin, dass die so entwickelte vertikale Anbautechnologie nicht an Heron oder Vertic Greens geliefert wird. „Er bleibt bei uns. Ziel ist es, die Produktion standortunabhängig oder zum Beispiel im Rahmen eines Franchise-Modells zu übernehmen.“ Die Gewinnung von Investoren ist auch eine Möglichkeit, eine internationale Wachstumsstrategie zu ermöglichen, und es wird erwartet, dass Entscheidungen in den kommenden Monaten getroffen werden.

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