Gepostet am 25. Mai 2022, 21:44 Uhr
Privatbankangestellte Julius Bär können sich Ferien kaufen und zeitweise in Teilzeit wechseln. Um attraktiv zu bleiben, setzen Unternehmen zunehmend auf diese Angebote.
1/8
Die Privatbank Julius Bär bietet über die sogenannte HR-Toolbox verschiedene Dienstleistungen an, um den Mitarbeitern eine bessere Work-Life-Balance zu ermöglichen.
20min / Marco Zangger
Denn allein das Arbeiten von zu Hause aus macht einen Arbeitgeber nicht mehr attraktiv.
20 Minuten / Vanessa Lam
Deshalb bietet die Bank auch unbezahlten Urlaub an.
20min / Marco Zangger
Jedes Jahr unbezahlten Urlaub zu nehmen, ist ein fester Bestandteil der Mitarbeiter von Julius Bär. Neben dem Homeoffice bietet die Privatbank im Rahmen der sogenannten HR-Toolbox mehrere Angebote an, um Mitarbeitern eine bessere Work-Life-Balance zu ermöglichen.
Mitarbeiter können jedes Jahr weitere fünf bis 19 Tage unbezahlten Urlaub kaufen. Alle Sozialleistungen werden laut dem Finanzportal “Inside Paradeplatz” während der zusätzlichen Ferien weiterhin von der Bank finanziert.
Wer komplett eintauchen möchte, kann sogar bis zu zwölf Monate ohne Bezahlung verbringen. Darüber hinaus können Mitarbeiter in Teilzeit von drei auf zwölf Monate wechseln. Dieses Angebot ist besonders im Sommer beliebt. Dank der HR-Toolbox hat die Privatbank deutlich weniger Sabbatjahre als andere Unternehmen.
Alle Altersgruppen nutzen das Angebot
Auf diese Weise kann das Unternehmen Kosten sparen. Daher würden Mitarbeiter ermutigt, eigenständig zusätzlichen Urlaub zu nehmen, wie „Inside Paradeplatz“ weiter schreibt. Julius Bär bestreitet: Mitarbeiter werden regelmässig an die Möglichkeiten erinnert.
„Aber Sie werden in keiner Weise aufgefordert oder gebeten, die HR-Toolbox zu nutzen“, sagt eine Sprecherin für 20 Minuten. Seit 2019 haben mehr als 600 Mitarbeiter aller Alters- und Funktionsstufen der Bank die Angebote genutzt.
Unbezahlter Urlaub oder Teilzeitarbeit werden vor allem aufgrund familiärer Ereignisse, aber auch für Fortbildungen oder verlängerte Ferien in Anspruch genommen. „Das Angebot gibt unseren Mitarbeitern mehr Flexibilität und unterstützt die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben“, sagte sie.
Unternehmen müssen attraktiv bleiben
Immer mehr Arbeitgeber entscheiden sich für zusätzlichen Urlaub und flexiblere Arbeitszeiten. Karriereberaterin und Personalexpertin Anne Forster bestätigt den Trend: „So bleiben Unternehmen attraktiv für Arbeitnehmer.“ Diese Angebote richten sich nicht nur an jüngere Mitarbeiter.
Auch ältere Beschäftigte und Familienangehörige sind an einer individuellen Freizeitgestaltung interessiert. „Oft arbeiten die Leute nebenbei, um eine Ausbildung zu absolvieren“, erklärt Forster. Mit diesen Angeboten weist ein Unternehmen auch darauf hin, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert wird.
Zusätzliche Ferien erfordern Organisation
Unbezahlter Urlaub kann nur in Absprache mit dem Vorgesetzten genommen werden. „Dann fallen die Freitage meist in eine Zeit, in der es wenige und keine großen Projekte gibt“, sagt Forster. Das bedeutet, dass dem Unternehmen keine zusätzlichen Kosten entstehen.
Es erfordert jedoch Organisation und Koordination seitens des Arbeitgebers. Auch Teilzeit für ein paar Monate lohnt sich für Unternehmen: „Wer vier statt fünf Tage arbeitet, ist in dieser Zeit oft produktiver und bekommt in Teilzeit mehr“, sagt Forster.
Die Pandemie hat den Trend zu mehr Urlaub, Teilzeit und flexibleren Arbeitszeiten beschleunigt. Arbeitgeber, die derzeit zum alten Arbeitsmodell zurückkehren, verlieren laut Forster an Attraktivität: „Viele sind jetzt eher bereit, den Job für einen besseren Job zu wechseln.“