Das Niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat den vorzeitigen Baubeginn einer 26 Kilometer langen unterirdischen Gasleitung zwischen dem künftigen LNG-Terminal Wilhelmshaven und dem Anschluss an das überregionale Erdgasnetz in Etzel (Gemeinde von Friedeburg). Ziel ist es, den ehrgeizigen Zeitplan einzuhalten, Anfang 2022/2023 erstmals verflüssigtes Erdgas nach Deutschland importieren zu können. Die Frist zur Anzeige von Vorwürfen endete erst vor wenigen Tagen. Es gab 14 Mitteilungen und eine globale Erklärung. Anfang Mai haben die Taufarbeiten für das LNG-Terminal Wilhelmshaven begonnen. Inzwischen gibt es laut Medien Überlegungen, Teile der Gaspipeline Nord Stream 2 zu enteignen und für LNG-Anbindungsleitungen zu nutzen.
Das ist bereits genehmigt
Die Genehmigung umfasst grundsätzlich vorbereitende Arbeiten. Die Firma Open Grid Europe als Betreiber der Stromleitung kann nun entlang der Trassenführung Bäume fällen, Bauwege anlegen, mögliche Sprengmunition retten und erste Treppen bauen. Bleibt das laufende Planfeststellungsverfahren erfolglos, muss alles wieder abgebaut werden. Durch das LNG-Beschleunigungsgesetz des Bundes werden die üblichen Fristen verkürzt und Umweltprüfungen entfallen. Damit soll die Gasversorgung Deutschlands sichergestellt werden, falls die russischen Gaslieferungen nach Deutschland aufgrund des Ukrainekrieges und der Spannungen zwischen dem Westen und Russland eingestellt werden.
Die Anschlussleitung Wilhelmshaven (WAL) soll einen Durchmesser von einem Meter haben. Geplant ist zunächst eine Jahreskapazität von 10 Milliarden Kubikmeter Gas. In den Folgejahren wird ein schrittweiser Ausbau auf 28 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr erwartet. Verflüssigtes Erdgas, das im kryogenen Zustand per Schiff transportiert wird, muss an Bord von schwimmenden Systemen wieder in den gasförmigen Zustand überführt und dann durch die Pipeline in Richtung Ostfriesland gepumpt werden.
Der geplante Leitungsverlauf zwischen dem im Bau befindlichen LNG-Terminal in Wilhelmshaven und Etzel (Ostfriesland)
(Bild: OGE)
Einer der größten Gasspeicher Europas
Am Ende der Leitung, in Etzel, befindet sich einer der größten Öl- und Gasspeicher Europas mit 75 Kavernen in einem Salzstock. Nach Angaben der Betreibergesellschaft Storag lagert dort bereits ein erheblicher Teil des Gesamtvolumens aller deutschen Erdöl- und Erdgasvorkommen. Dadurch besteht auch eine Verbindung zu vier nationalen Gaspipelines. Für die Versorgung mit regasifiziertem Flüssigerdgas ist insbesondere die Norddeutsche Erdgas Transversale (NETRA) interessant.
Teile von North Stream 2 für LNG-Pipelines?
Das Bundeswirtschaftsministerium erwägt die Nutzung von Teilen am Boden der Ostsee-Gaspipeline North Stream 2 für LNG-Verbindungsleitungen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Dazu müssen dem Bericht zufolge auf deutschem Hoheitsgebiet befindliche Teile der Anlage enteignet und gekürzt werden. Die fertiggestellte, aber nie in Betrieb genommene Pipeline gehört dem russischen Staatskonzern Gazprom. Im Falle der Umsetzung kündigte Russland an, vor Gericht zu ziehen.
Aktualisiert am 24.06.2022 um 18:55 Uhr
Ein Absatz über Erwägungen zur Enteignung von Teilen der Nord Stream 2-Pipeline wurde hinzugefügt.
(mki)
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