Stand: 24.05.2022 15:04
Das 9-Euro-Ticket soll den öffentlichen Nahverkehr fördern. Die Bundesregierung will den Verkehrsunternehmen die geringsten Ticketeinnahmen erstatten. Für sie ist die Umsetzung des Projekts jedoch eine wirtschaftliche Herausforderung.
Nürnberg in Mittelfranken wird als Frankenmetropole bezeichnet und verfügt trotz seiner überschaubaren Größe von einer halben Million Einwohnern über die öffentlichen Verkehrsmittel einer Metropole: drei U-Bahn-Linien, mehrere Straßenbahnen und ein breites Busnetz. Das kostet Geld, deshalb verlangt auch die Nürnberger Verkehrsaktiengesellschaft (VAG) mit einem Einzelfahrkartenpreis von 3,20 Euro einen relativ netten Preis. Das 9-Euro-Ticket war für Kunden schnell bezahlt. Entsprechend groß ist das Interesse.
Hohe Zusatzkosten nur für den Ticketverkauf
Bis zu 150 Millionen Fahrgäste nutzen jährlich die öffentlichen Verkehrsmittel in Nürnberg, in den ersten Tagen wurden 25.000 9-Euro-Tickets verkauft. Laut Vertriebsleiter Thomas Seyfried hätte die notwendige Umstellung von VAG-only-Anlagen, -Maschinen und -Anwendungen das Unternehmen bis zu 400.000 Euro gekostet. Bis zu 200.000 Euro kämen für mehr Personal an den Verkaufsstellen und per Brief an alle Abo-Kunden hinzu.
Viel Geld müssen sie erst zurückgeben, sagt Seyfried. Aber noch ist nicht ganz klar, wie genau das funktionieren soll, wie genau Bundesgelder über die Länder wieder bei den Nürnberger Verkehrsbetrieben landen. Seyfried hofft, dass es bald klappt. Umsatz und Einnahmen fehlten. „Und angesichts steigender Energiepreise brauchen wir jetzt sehr schnell die ersten Anzahlungen, um unsere Liquidität zu erhalten“, sagt Seyfried.
Millionen weniger nur für Abonnenten
Er bezeichnet das Experiment „ÖPNV fast umsonst“ als „Operation am offenen Herzen“, bei der die Nürnberger Verkehrsbetriebe erst einmal finanziell bluten müssen, um das Image zu wahren. So fehlen im Abo-Bereich etwa fünf Millionen Euro im Monat. Die 80.000 Abonnenten zahlen automatisch nur neun Euro. Was er nach seinem Ausscheiden aus dem Amt machen wird, ist derzeit noch nicht bekannt.
Die VAG ist Teil des wesentlich größeren VGN, des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg, der sich über weite Teile Mittelfrankens, Ober- und Unterfrankens erstreckt. Die VGN rechnet in den Monaten Juni bis August mit einem Gesamtschaden von 65 Millionen Euro.
Trotz Corona wieder mehr Fahrgäste?
Was bei alledem bleibt, ist die Hoffnung, dass die Bundesregierung ihr Versprechen einlöst, dass mit dem 9-Euro-Ticket am Ende alle Kosten der Verkehrsunternehmen gedeckt werden. Für die anschließende Endabrechnung sollen die Umsätze von Juni bis August dieses Jahres mit dem Jahr vor Crown 2019 verglichen werden. Das ist gut für Bahn- und Busbetreiber, die bereits von der Pandemie betroffen sind.
Auch in Nürnberg wartet die VAG auf das günstige Ticket, um die Kronenlöcher bei den Fahrgastzahlen wieder aufzufüllen. Zuletzt nutzten bis zu 30 Millionen Fahrgäste weniger das Angebot. VAG-Vertriebsleiter Seyfried sieht beim 9-Euro-Ticket nun sowohl Potenzial als auch mehr Fahrgäste. Mehr Personal und mehr Anschlüsse sind derzeit nicht möglich.
Verkehrsunternehmen haben das Tempo vorgegeben
Neben all den Fragen zu den kommenden Sommermonaten ist Seyfried auch stolz auf sein Unternehmen und alle anderen Transportunternehmen. Eine so massive Umstellung auf ein neues Ticketsystem würde normalerweise mindestens fünf Monate dauern, deutsche Nahverkehrsunternehmen, einschließlich Nürnberg, hätten dies diesmal in sechs Wochen geschafft.