Preisverfall bei Kryptowährungen: Auszahlungsstopp bei Celsius und Berliner Nuri Fintech

Infolge des jüngsten starken Preisverfalls an den Kryptomärkten ist ein weiterer Anbieter untergegangen: Die Finanzplattform Celsius gab am Montag bekannt, dass alle Möglichkeiten, Geld von Konten mit dem Dienst abzuheben, gesperrt werden. Auch Tauschgeschäfte und Überweisungen zwischen Dienstkonten sind gesperrt. Er wolle sich „besser aufstellen“, um langfristigen Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können, heißt es in der Mitteilung des Dienstes. Dies geschieht „um die Kunden“ vor „extremen Marktbedingungen“ zu schützen.

In der Kryptowährungsszene machen sich bereits Befürchtungen breit, dass nach dem Fall der stabilen Währung TerraUSD der nächste Anbieter, Celsius, abstürzen könnte. Celsius ist eine Plattform, auf der Benutzer Kryptowährung in einer Brieftasche speichern und Zinsen verdienen können. Die Zinsen richten sich nach Höhe und Art der Einlage: Celsius wirbt mit bis zu 18 Prozent Jahreszins. Das Währungsdepot wird dann verwendet, um an institutionelle Investoren zu wetten oder zu verleihen, die dort Geschäfte tätigen.

Der Celsius-Token fährt Achterbahn

Der Shutdown ist umso erstaunlicher, als Celsius vor einer Woche in einem Blogbeitrag hervorgehoben hatte, dass er auf die schwierige Marktsituation gut vorbereitet sei. Gerüchte, dass der Zusammenbruch von Terra Celsius große Verluste verursacht habe, sind nicht wahr. Celsius bemerkte die Instabilität dieser stabilen Währung und reagierte sofort. Zudem ist mehr als genug Liquidität vorhanden, um allen Verpflichtungen nachzukommen.

Nach der Gehaltskürzung am Montag fiel der Preis des nativen Celsius-Tokens um etwa 70 Prozent auf 0,15 US-Dollar. Am Dienstag drehte sich das Pendel in die andere Richtung: Celsius gewinnt rasant und ist auf sein aktuelles Niveau von 0,33 US-Dollar gestiegen. Allerdings hat sich die Celsius-Währung längst von ihrem Maximum bei etwa 6 US-Dollar entfernt. Nach eigenen Angaben verwaltete Celsius zuletzt Kredite in Höhe von rund 12 Milliarden US-Dollar für mehr als 1,5 Millionen Kunden.

Nuris „Bitcoin-Ertragskonten“ froren ebenfalls ein

Das Einfrieren von Zahlungen bringt nun auch das Berliner Startup Nuri (ehemals Bitwala) in Bedrängnis: Auch Nuris „Bitcoin-Ertragskonten“ unterliegen einem Zahlungsstopp. Für diese Konten versprach Nuri seinen Kunden bis zu 3 Prozent Rendite auf Bitcoin-Einzahlungen. Dazu wurden die hinterlegten Coins über den Bankpartner Solaris an Celsius weitergegeben. Und jetzt stecken sie fest.

Nuri sagte in einer Erklärung, dass die Einnahmen weiterhin gezählt werden. Neue Zahlungen auf Einkommenskonten wurden vorerst eingestellt und befinden sich in enger Absprache mit Celsius. Wie viele Kunden und wie viele von dem Stopp betroffen waren, sagte Nuri nicht. Eine Antwort auf eine Online-Heise-Anfrage steht noch aus. Nuri-Chefin Kristina Walcker-Mayer sagte dem Handelsblatt, dass nur „ein Bruchteil“ der knapp 500.000 Kunden ein Bitcoin-Umsatzkonto habe.

Es gibt nirgendwo eine Einlagensicherung

Was auch immer der Anteil der Kunden ist, wenn Celsius ausfällt, wird der Verlust bei diesen Kunden weitergehen. In den Risikohinweisen zum Bitcoin-Ertragskonto stellt Nuri klar, dass es keine Einlagensicherung gibt und der Dienst nicht für Verluste haftet. „Investoren tragen das gesamte Risiko einer Insolvenz von Celsius Network“, sagte er.

In den Vereinigten Staaten hat Celsius seit dem 15. April auch die Bedingungen seiner verzinslichen Kryptowährungen geändert. Seitdem wird kein neues Geld mehr von Privatanlegern angenommen, sondern nur noch von professionellen Anlegern. Das sei das Ergebnis von Gesprächen mit US-Finanzaufsichtsbehörden, sagte Celsius. Dies galt jedoch nicht für Investoren außerhalb der USA. Und Nuri bietet sein Bitcoin-Ertragskonto weiterhin in Zusammenarbeit mit Celsius Privatanlegern an.

Crypto Valley verlangsamte sich leicht

Allerdings hat sich der Niedergang von Bitcoin und vielen anderen Kryptowährungen wieder etwas verlangsamt. Am Dienstagmorgen fiel der Kurs der größten digitalen Währung zum Marktwert auf etwa 20.000 US-Dollar. Das Minimum auf der Handelsplattform Bitfinex lag bei etwa 20.860 US-Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit anderthalb Jahren. Damals erholte sich der Kurs leicht auf 22.000 Dollar. Das Allzeithoch erreichte im November 69.000 Dollar.

Markt Nummer zwei, Ether, fiel auf 1078 US-Dollar, den niedrigsten Stand seit Anfang 2021. Aktuell liegt der Kurs bei etwa 1.200 US-Dollar. Laut dem Portal Coinmarketcap liegt der Wert von rund 19.800 digitalen Währungen derzeit bei etwa 940 Milliarden US-Dollar. Vor sechs Monaten war die Marktkapitalisierung etwa dreimal so hoch. Das zeigt den Druck auf dem Markt. Inflations- und Zinssorgen sind die Hauptgründe für sinkende Preise. Aufgrund der Abwertung der Währung straffen viele Zentralbanken ihre Geldpolitik.

(axk)

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