Trotz niedriger Preise kaum Nachfrage Landwirte klagen über schlechte Geschäfte mit Erdbeeren
05.06.2022 04:56
Die Erdbeere entwickelt sich zum Sorgenkind der deutschen Landwirte. Das Angebot ist groß, aber die Kunden kaufen weniger als sonst. Die Folge ist ein massiver Preisverfall: Für viele Landwirte lohnt sich die Ernte nicht mehr.
Der Verkauf von Erdbeeren läuft in diesem Jahr für viele Landwirte in Deutschland nicht gut. Hohe Kosten, überschaubare Nachfrage und niedrige Preise trüben oft das Geschäft. Dazu habe vor allem das gute Wetter im Mai beigetragen, wie Eva Würtenberger von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft (AMI) erläuterte. Das Angebot ist entsprechend gewachsen, aber viele Kunden haben weniger gekauft als sonst. Die Folge: Der bundesweite Durchschnittspreis sank auf unter fünf Euro pro Kilo.
Gleichzeitig seien in den vergangenen Monaten die Kosten für die Landwirte gestiegen, etwa für Düngemittel, Pflanzenschutzmittel, Jungpflanzen oder wegen steigender Energiepreise auch für den Transport, sagte Würtenberger. Daher ist die Situation für viele Produzenten schwierig. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hatte bereits Ende Mai darauf hingewiesen, dass einige Landwirte Erdbeeren nicht ernten, weil sie sich einfach nicht mehr lohnen.
Die Kaufzurückhaltung ist laut Landwirtschaftskammer unter anderem auf Inflationseffekte zurückzuführen: Viele Produkte des täglichen Bedarfs sind teurer geworden, weshalb Kunden Lebensmittel wie Erdbeeren meiden. „Die Menschen sind zurückhaltender, der Rückgang ist moderat“, sagte Bauernpräsident Joachim Rulwied. „Auf der anderen Seite sehen sich unsere Erzeuger mit gedumpten Importen konfrontiert, etwa drei Euro pro Kilo Spargel aus Italien.“ So kann man nicht produzieren. „Man hat den Dreh raus. Das Ergebnis ist, dass einzelne Betriebe schon einige Flächen von der Ernte genommen haben, weil sie nicht trägt.“
erhöht den Wettbewerbsdruck
Auch Marktbeobachtungsexperte Würtenberger sprach von einer gewissen Kaufzurückhaltung. Zudem sei der Konkurrenzdruck durch Importprodukte im April dieses Jahres ungewöhnlich hoch gewesen, sagte Würtenberger. “Der März war ziemlich cool in Spanien, der Saisonstart dort hat sich verzögert.” Dadurch waren spanische Erdbeeren in Deutschland erst später als üblich erhältlich.
Auch die Ernten in den Niederlanden und Belgien verzögerten sich, weil viele Erzeuger ihre Gewächshäuser aufgrund von Energiekosten weniger beheizt haben als in den Vorjahren. „Die Ware kam später auch auf den deutschen Markt.“ Schon in der Vorverkaufsphase der ersten deutschen Erdbeeren im Freiland war das Angebot also deutlich höher als sonst; das machte auch den deutschen Obstbauern das Leben schwer.
Ob beispielsweise bald ähnliche Entwicklungen bei Kirschen und anderen Früchten zu erwarten seien, sei noch nicht absehbar, sagte Würtenberger. Beim Spargel hingegen beobachtet AMI bereits eine vergleichbare Tendenz zur Kaufzurückhaltung. Spargel gilt Experten zufolge als „Wegwerfgemüse“. Und wenn angesichts der hohen Inflation das Geld wirklich oder zumindest gefühlsmäßig angepasst ist, wird der ein oder andere Konsument beim Einkauf auf dem Wochenmarkt oder in Kaufhäusern stehen bleiben.